Das war 2022 – Julias Jahresrückblick

2022

In einem Jahr geschehen ganz schön viele Dinge und vieles davon scheint schon wieder so weit weg. Daher folge ich der schönen Tradition und werfe einen Blick zurück auf mein ganz persönliches 2022.

Die Weihnachtszeit ist schon wieder vorüber, der hübsch geschmückte Baum ziert aber weiterhin mein Wohnzimmer. Zwischen den Jahren versuche ich nun ein wenig zur Ruhe zu kommen, auch wenn das aus verschiedenen Gründen nur mäßig gut funktioniert. Heute kuschle ich mich aber mal auf die Couch, mit einem heißen Kaffee neben mir, Laptop auf dem Schoß, heulendem Wind vor dem Fenster und versuche, das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen.

Januar

2022 begann bereits mit DEM Highlight des Jahres: meiner GaOP. Ende der Geschichte, tolles Jahr. Danke für’s Lesen! 😀

Nein, das war es natürlich noch lange nicht! Aber der 18.01. war einfach ein historischer Moment für mich. Nach 40 Jahren ging endlich mein Lebenstraum in Erfüllung und nachmittags gegen kurz nach 15 Uhr erwachte ich in meinem neuen Leben. Der OP vorangegangen war allerdings eine recht stressige Woche, denn ich hatte mich einigermaßen spontan dazu entschlossen, mich auf eine neue Stelle bei uns im Konzern zu bewerben. Mein Traumjob als Managerin für Agile Unternehmensentwicklung! Diese Chance hatte ich einfach ergreifen müssen, auch wenn mir so kurz vor der OP eigentlich nicht nach Bewerbungsstress war.

Heute kann ich aber sagen: das war die beste Entscheidung, die ich beruflich treffen konnte und der Stress vor der OP hat sich definitiv gelohnt!

Etwa eine Woche nach der OP erhielt ich dann auch den erlösenden Anruf meiner künftigen Chefin, ich könnte den Job bekommen, wenn ich noch wollte. Natürlich wollte ich! 🙂

Das war also mein Januar: 2 wirklich bedeutende Veränderungen in meinem Leben hatten Gestalt angenommen. Was für ein furioser Start ins Jahr!

Februar

Der Februar hingegen wurde etwas weniger spektakulär, denn es drehte sich einfach alles um meine Heilung nach der OP. Am 11. Februar fuhr ich mit der Bahn heim, ein Ereignis, an das ich mich mit etwas Unwohlsein erinnere. Denn die Bahnsitze sind selbst in der 1. Klasse echt hart und nach einer GaOP ohne Sitzring wirklich kein Spaß.

Neben der Heilung nahm ich mir viel Zeit, über meine Erfahrungen bei der OP zu berichten, viel mehr war körperlich ohnehin noch nicht drin.

März

Ab März ging es dann aber langsam wieder zurück ins Leben. Meine Krankschreibung endete, aber dankenswerterweise durfte ich noch im HomeOffice arbeiten, was mir die Heilung wirklich stark vereinfachte. Sitzen oder stehen am Schreibtisch war weiterhin schmerzhaft, daher arbeitete ich weitgehend im Liegen auf dem Bett. Ein Luxus in finanzieller Hinsicht (Stichwort Krankengeld), den wohl die wenigsten genießen dürfen.

Nebenher baute ich meine Seiteninhalte ein wenig aus, um andere Betroffene bei ihrer GaOP zu unterstützen. Ein Teil dessen wurde die GaOP Shoppingliste, denn es braucht doch so manches Utensil für post-operative Nachsorge.

Doch gleichsam ereilte mich der ebenfalls OP-bedingte Abfall meines Östrogenspiegels. Und es erwischte mich wirklich hart. In dieser psychischen Tiefphase hob ich Pia aus der Taufe – die dunkle Seite in mir, die mit großer Begeisterung Selbstsabotage betreibt. Ja, das war ein ziemlich düsteres Kapitel in diesem Jahr. Doch keines, was sich nicht überwinden ließ. Zumindest bis zum nächsten emotionalen Tiefschlag einige Monate später…

April

In meinem Geburtsmonat April kam so langsam meine Energie zurück. Ich co-gründete die RHEIN*BOWS, organisierte den ersten queeren Stammtisch in Monheim am Rhein und wagte mich langsam zurück in die Welt des Datings – erstmalig mit Männern. Eine zunächst recht skurrile und überwältigende Erfahrung. Das Dating als Frau ist sooo anders, insgesamt sicherlich genauso frustrierend wie auf der Gegenseite, aber dennoch um ein Vielfaches schöner.

Doch dieser Monat beschränkte sich eher auf das Sammeln von Erfahrungen. Zählbares kam nicht dabei heraus. Das gilt übrigens bis heute. Ein erstes Date? Fehlanzeige. Aber es muss ja auch noch ein wenig Spannung für 2023 übrig bleiben, gell?

Mai

“Alles neu macht der Mai”? Naja, nicht unbedingt. Aber zumindest bewegten sich Dinge. Und entwickelten sich. Über die Teilnahme am Musikvideo für den Song TONY lernte ich viele neue Freundinnen kennen, definitiv gemeinsam mit der GaOP und meinem Jobwechsel die größte Errungenschaft dieses Jahres, für die ich sooo dankbar bin! Die schönsten Dinge geschehen dann doch irgendwie immer spontan. 🙂

Im Mai regten sich auch bis dato unbekannte Gefühle in mir: der Wunsch nach Schwangerschaft. Dieses Gefühl kommt bis heute dann und wann mal wieder hoch, jedoch nicht in der damaligen Intensität. Ich verpackte meine Trauer um die fehlende Möglichkeit, schwanger zu werden, in einem Brief an ein Kind, das ich niemals gebären durfte. Klassische Trauerarbeit. Die Reaktionen auf diesen Text waren erstaunlich kontrovers, festigten aber meine Haltung zu dem Thema umso mehr und gaben mir Klarheit.

Juni

Ganz klar, im Juni drehte sich alles um meinen neuen Job, den ich nun offiziell antrat. Viel Neues, eine steile Lernkurve, aber super viel Spaß und Motivation prägten diese Zeit. Ich bekomme noch immer eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. 🙂

Außerdem setzten sich im Juni meine Datingversuche fort, führten aber wieder und wieder zu Enttäuschungen. Ich hegte den Verdacht, das erste Mal ge-catfish-t worden zu sein. Männer…

Ende Juni ging es dann jedoch endlich in den wohl verdienten Urlaub und ich durfte das erste Mal nach der GaOP schwimmen gehen. Ein grandioses Erlebnis

Juli

Im Juli wurde es etwas stiller. Der Sommerurlaub stand im Vordergrund. Und nach ihm eine COVID-Infektion, die mich nach dem ersten Arbeitstag für fast 2 Wochen aus dem Spiel nahm. Dank fortgeschrittener Heilung nach der GaOP war die Erkrankung zwar super anstrengend, ich konnte sie aber dennoch ganz gut wegstecken.

Dennoch durfte ich auch im Juli etwas Elementares lernen: um Hilfe zu bitten. (Nicht nur) dafür bin ich meiner Freundin sehr, sehr dankbar! Das war eine schwere, aber wichtige Lektion in der Schule des Lebens.

August

Reden wir es nicht schön: der August war weitgehend scheiße. Zwei Ausnahmen: ein Kontrolltermin bei Dr. Taskov in Erding, den ich zusammen mit einer Freundin wahrnahm und das offizielle Erreichen von Körbchengröße AA (ein Umstand, der sich bis heute übrigens nicht weiter verändert hat).

Der Rest des Monats war aber echter Mist. Nachdem ich meine Logopädiestunden bis auf Weiteres beendet hatte, überrollten mich alte (Beziehungs-)Themen und ein Fehler in Bezug auf diesen Blog. Die akuten Probleme drohten mir über den Kopf zu wachsen und so verbrachte ich fast jeden Abend heulend im Bett oder auf dem Boden und schrieb traurige Texte. Offen gestanden sind diese Themen auch heute noch nicht völlig ausgestanden, aber das alles befindet sich auf dem Weg der Besserung, der deutlichen Besserung. Keeping fingers crossed.

September

Im September traute ich mich dann aber langsam wieder ins Leben! Dating-technisch war weiterhin nur Mist angesagt, aber dafür entwickelte ich mich körperlich weiter. Der erste post-operative Orgasmus – nach etwa 8 Monaten – überrollte mich wie eine Flutwelle. Was für ein krasses Erlebnis!

Oktober

Der Oktober gestaltete sich eher ruhig bei mir. Lediglich der 31.10. war mal wieder ein Datum, das sehr bedeutsam für mich war: der Tag meiner Haartransplantation! Heute, 2 Monate später, blicke ich zurück und freue mich total, diesen Schritt gegangen zu sein. Erste Haare wachsen bereits, andere sind erwartungsgemäß ausgefallen und kommen hoffentlich bald wieder.

November

Den November stellte ich ganz und gar in den Dienst der Öffentlichkeitsarbeit und Unterstützung der Community. Ich bereitete den queeren Adventskalender vor, veröffentliche ein eBook mit Vorlagen und Checklisten für die bürokratischen Hürden einer Transition, gab ein Interview bei meinem Arbeitgeber und traute mich das erste Mal so richtig ohne Perücke vor die Kamera.

Insgesamt ein arbeitsreicher November, aber sehr erfüllend!

Dezember

Auch der Dezember war recht viel Arbeit im Hinblick auf den Blog, die Betreuung des queeren Adventskalenders erforderte viel Aufmerksamkeit. Daneben unternahm ich weitere kleine Schritte in der Datingwelt, die aus heutiger Sicht aber auch eher enttäuschend waren. Sehr schade, denn es hatte so vielversprechend begonnen… 🙁

Davon aber mal abgesehen, endet das Jahr 2022 nach einem wirklich schönen Weihnachtsfest eher geruhsam und es bleibt – unterm Strich – festzuhalten: 2022 war ein gutes Jahr für mich! Mit sensationellen Fortschritten in der Transition, meinem Job und meiner eigenen Entwicklung.

Nicht alle guten Dinge, die dieses Jahr geschahen, sind auf meinem eigenen Mist gewachsen, daher bin ich von Herzen dankbar für all die schönen Momente, tiefgründige und emotionale Gespräche und am Ende auch für meinen starken Körper, der meine spannende Reise wohlwollend mit mir geht!

Und ich bin auch ein bisschen stolz auf all das.

2023?

Was wohl das nächste Jahr für mich und uns alle bereit hält?

Die ersten Eckpfeiler stehen bereits: Anfang Februar besuche ich erneut Dr. Taskov für eine kleine Korrektur-OP (ich werde berichten), gegen Ende des Jahres plane ich meinen Brustaufbau und in der Mitte des Jahres wartet ein hoffentlich toller Urlaub in Dänemark mit meinen Kindern auf mich.

Was sonst noch so geschehen wird? Wer weiß das schon?!

Ich für meinen Teil lasse mich jedenfalls überraschen und wünsche euch allen von Herzen ein gesundes neues Jahr mit vielen glücklichen Momenten, Erfolg und Liebe!

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