Hallo Bosse. Hallo Sunnyside. Hallo Leben.

Bosse auf der Bühne

Es ist schon deutlich nach 0 Uhr, mir tut alles weh, ich brauche eine Dusche, aber ich fühle mich gut. Ein Konzertabend mit emotionaler Achterbahnfahrt liegt hinter mir und markiert einen weiteren Meilenstein in meiner Transition.

Seit Wochen habe ich mich auf dieses Konzert im Kölner Palladium gefreut! Das letzte Bosse-Konzert hatte ich noch vor Corona in Oberhausen besucht, vor meiner Transition. Es existiert sogar ein Foto von mir mit der Backgroundsängerin / Support Act Valentine.

Mit zwei ganz lieben Freundinnen drängten wir uns in der Hitze des Spätsommers in die Räumlichkeiten des Palladiums, begleitet von einem etwas mulmigen Gefühl in Bezug auf Corona.

Und da standen wir. Mitten in der Konzerthalle. Um uns herum hunderte Menschen. Mein erstes Mal auf einem Konzert seit der Transition. Glücklicherweise hatte ich früh Feierabend gemacht, denn ich brauchte sage und schreibe eine Stunde, um nach dutzendfachem An- und Ausziehen von Klamotten und einem halben Nervenzusammenbruch endlich das passende Outfit für den Abend zu finden und anschließend mein Gesicht mit einer zum aktuellen Album von Bosse passenden Sonnenblume zu schminken.

So ein Aufwand wäre mir früher nie in den Sinn gekommen. Heute ist mir das wichtig, ich bin mir das wert. Und ich fühlte mich am Ende damit auch sauwohl und absolut richtig. Und obgleich so dermaßen viele Menschen um uns herum waren, fühlte ich mich wohl. Schon lange bekomme ich kaum noch komische Blicke in der Öffentlichkeit zugeworfen, ich achte aber auch ehrlicherweise nicht mehr sonderlich darauf. Es ist mir egal geworden. So auch bei diesem Konzert. Das war so schön!

Allenfalls das Mitsingen in der Kopfstimme war bisweilen eine harte Nuss und wird mir morgen vermutlich eine heisere Stimme bescheren. Aber das war es sowas von wert!

Doch um auch auf „das Leben“ im Titel des Artikels einzugehen: das Konzert kam zum richtigen Zeitpunkt. Seit einem klärenden Gespräch am Wochenende geht es mir zwar insgesamt besser, weine mich aber dennoch jeden Abend in den Schlaf. Also muss ich raus gehen. Mich ablenken. Schöne Erlebnisse sammeln. Zurück zu meiner Sunnyside finden.

Ich musste dann während des Konzerts aber feststellen, dass das gesamte Erleben für mich durch die Transition total anders geworden ist. Bekanntermaßen schlagen die Emotionen auf Östrogen viel krasser aus als auf Testosteron. Das wurde mir heute wieder einmal deutlich gezeigt. Die riesige Vorfreude entlud sich in einem Glücksgefühl, als die ersten Takte erschallten. Ich tanzte, sang lauthals mit und war nach dem zweiten Song bereits durchgeschwitzt. Alles musste raus. Ziemlich kalt erwischte mich dann aber der Song „Dein Hurra„. In der Einleitung sprach Bosse von Menschen, die von anderen ganz besonders geliebt werden und die eine spezielle Rolle in unserem Leben spielen, uns einfach verstehen und uns gut tun. Das trat die ganzen Emotionen der letzten Wochen und des Gesprächs am Wochenende wieder los. Die Tränen flossen. Ein Umstand, den ich früher niemals zugelassen hätte. Heute fühlte sich das richtig an. Mir doch egal, was die anderen denken. Mir doch egal, ob mein Mascara verwischt. „Lass alles raus“, drang die Stimme einer meiner Freundinnen in mein Ohr und sie nahm mich in den Arm. Wir bewegten uns gemeinsam zum Takt und ich sag so gut es der Fluss der Tränen eben erlaubte mit. Ich war traurig, aber das war okay. Und ich konnte es ausdrücken. Dafür bin ich sehr dankbar!

Wenig später ging es jedoch wieder aufwärts. Bosse ist einfach ein super guter Entertainer, mit lockeren und auch ernsthaften Sprüchen auf den Lippen…der Mann hat etwas zu sagen! Damit holte er mich wieder zurück aus der Trauer.

Mutmaßlich, Aki, wirst du diese Zeilen niemals lesen. Aber ich möchte dir sagen, dass deine Songs und speziell das heutige Konzert die Welt für mich bedeuten. Du hilfst mir seit fast 10 Jahren durch schlechte und gute Zeiten, du sprichst mit deinen Songs aus meiner Seele, ganz ehrlich und echt. Ich danke dir von Herzen dafür! 

Und so ging dieser schöne Abend dann auch irgendwann zu Ende. Mich aus der Magie des Moments zu lösen fiel mir schwer, obwohl mir schon alles weh tat.

Zurück bleiben schöne Fotos und Videos, die Erinnerung an das erste Konzert seit meiner Transition und die Gewissheit, dass ich offenbar irgendwie angekommen bin – losgelöst von noch ausstehenden Operationen. Und es bleibt die Erkenntnis, dass ich mich spätestens seit Sonntag in einem schmerzhaften Trauerprozess befinde, dessen Dauer ich nicht beziffern kann und will.

Aber ich schaue in Richtung Sunnyside, ihr Lieben…

(…)

Siehst fertig aus, doch es ist vorbei (Sunnyside)Merkst, wie erstes Licht auf deine Trümmer scheint (Sunnyside)Hast dich gestellt, hast nix vergraben, bist ausgeweint (Sunnyside)Durch tiefste Tunnel und Kummer auf Schotter, Richtung Sunnyside (Sunnyside)Richtung Sunnyside
Dann biste wieder auf der SunnysideAb da geht’s federleichtWeil du loslässt und verzeihst und endlich wieder ausgehstDann biste wieder auf der SunnysideAb da geht alles von allein‘Weil du loslässt und heilst und endlich wieder aufgehst
(…)
Liebe für euch alle!
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