No!

Ich hatte da schon so ein Bauchgefühl. Vor ein paar Wochen, als ich zur Post lief, um meinen Antrag auf Kostenübernahme für die Haartransplantation auf die Reise zu schicken. Und wieder einmal hatte mein Bauchgefühl Recht.

Heute früh piepte mein Handy. Ein an sich unspektakulärer Vorgang, den es dutzendfach am Tag vollführt. Der Ton hämmerte jedoch in meinem Kopf, denn heute früh wachte ich mich Kopfschmerzen auf. Die vergangenen zwei Wochen im Büro und auf Abendevents hatten ihren Preis: extrem wenig Zeit, um meinen Akku wieder aufzuladen. Gestern Abend zeigte mir mein Körper dann sehr deutlich meine Grenzen auf. Bei einem gemeinsamen Abendessen kippte von jetzt auf gleich meine Stimmung, der Lärm in der Gaststätte und die vielen Menschen wurden mir plötzlich zu viel – obwohl ich die gemeinsame Zeit mit meinen großartigen Kollegen sehr genossen hatte.

Ein sehr deutlicher Fluchtreflex überkam mich und am liebsten wäre ich augenblicklich aufgestanden und gegangen. Allein meine Erziehung und der Gedanke daran, dass sich diese Gelegenheit für gemeinsame Treffen so schnell nicht wiederholten dürfte, hielt mich davon ab. Nachdem ich dieses Bedürfnis offen an meine Gesprächspartner kommuniziert hatte, ging es mir allerdings besser und ich blieb. Dennoch beschäftigte mich diese intensive Welle eines Bedürfnisses sehr. So intensiv habe ich früher nie gefühlt. Ich habe davon ja schon oft berichtet, dass sich durch die HRT die Empfindungen potenziert haben, was ich auch total liebe. Nie wieder ohne!!! Ich lerne jedoch noch immer, damit umzugehen und diese Fluten richtig zu kanalisieren. Das ist anstrengender als ich gedacht hatte. Letztlich hilft mir das aber, besser für mich zu sorgen, da die Signale eindeutiger und früher wahrnehmbar sind. Früher bemerkte ich oft erst, wenn es zu spät war, welche Bedürfnisse ich hätte beachten sollen. Insofern ist das durchaus eine positive Entwicklung. Denn auch der Ausdruck meiner Bedürfnisse fällt mir immer leichter, was den Umgang mit meinen Mitmenschen nicht nur leichter, sondern auch viel intensiver und verbundener macht. So entstehen authentische Beziehungen, die auf gegenseitigem Vertrauen basieren.

Dennoch kam die Quittung für diese Flut an Eindrücken dann heute Morgen. Wie ich schon sagte: Kopfschmerzen. Ich blieb länger im Bett liegen liegen, sagte meinen Bürobesuch ab und blieb im HomeOffice. Die richtige Entscheidung und ein Akt der Selbstfürsorge. Ich bin tatsächlich ein bisschen stolz auf mich, denn früher hätte ich mich aus Pflichtgefühl dennoch ins Büro geschleppt und lieber dort vor mich hin gelitten – davon hat natürlich niemand etwas. Am aller wenigsten ich selbst.

Vor diesem Hintergrund fühlte sich das Klingeln des Handys aber eben an, wie eine Reißzwecke im Kopf. Ich schaute kurz auf das Display und erblickte das Logo meiner Krankenkasse. Ein neuer Bescheid lag vor.
Hastig öffnete ich meinen Posteingang und erkannte bereits am Betreff: mein Antrag auf Kostenübernahme der Haartransplantation wurde abgelehnt. Damit hatte ich zwar schon gerechnet (Bauchgefühl), aber dennoch…verdammt! Immerhin geht es dabei um fast 5.000€! Und ein Widerspruchsverfahren zieht sich wieder wie Kaugummi. So komme ich immer noch nicht weiter!

Doch glücklicherweise zieht mich die Ablehnung emotional nicht allzu sehr runter. Der Widerspruch ist bereits in Arbeit, obgleich die Begründung ein Stück filigrane Kunst ist, die es mit meinem erfahrenen Therapeuten abzustimmen gilt. Spannenderweise lautet die Begründung der Krankenkasse, dass “die Eigenhaartransplantation (…) eine neue Behandlungsmethode (ist), die bisher noch nicht bewertet wurde.” Der “diagnostische bzw. therapeutische Nutzen” müsse nachgewiesen werden. Eigenhaartransplantation eine neue Behandlungsmethode? Das ist ja eine steile These…
Nun, da ringe ich doch direkt die Hände und wittere Morgenluft. Der therapeutische Nutzen steht für mich völlig außer Frage, denn eine Linderung des Leidensdrucks durch eine feminine Haarpracht bemerke ich jedes einzelne Mal, wenn ich meine Perücke aufsetze. Aber das sind Details.

Der Punkt ist: es nervt mega, sich auf diese Weise mit den Bürokratien herumschlagen zu müssen, anstatt den Eingriff endlich vornehmen lassen zu können und damit meinen täglichen Leidensdruck zu minimieren. War nicht eigentlich das der Job der Krankenkassen…?! Zum Wohle der Patient*innen zu handeln? Ich weiß, manchmal geht die Idealistin mit mir durch…

Es bleibt jedenfalls spannend und ich bin ein weiteres Mal dankbar für die professionelle Unterstützung, die ich erleben darf!
Das ist ein großes Privileg – auch wenn es das eigentlich nicht sein sollte…

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