Ein Abschied und ein Erklärungsversuch

Logopädie Praxishund

Da bin ich wieder. Die Dinge der vergangenen Wochen haben begonnen, sich zu entwirren und ich kann wieder atmen. Ein Anruf bei meinem Arzt brachte zudem interessante Erkenntnisse in Bezug auf die HRT.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass alles wieder gut ist. Das ist es nicht. Dafür sind zu viele ungeklärte Fragen in meinem Leben, von denen ich leider auch nicht weiß, ob ich jemals eine Antwort erhalten werde. Aber von der Liste der „Baustellen“ der vergangenen Zeit konnte ich glücklicherweise ein paar abhaken. Andere leisten mir weiterhin Gesellschaft. Was ich aber sagen will ist: es geht mir etwas besser. Auch und vor allem wegen all meiner lieben Freundinnen, die für mich da waren und sind, die sich täglich mein Gejammer und Geheule anhörten und einfach da waren. #ILoveYouLadies

Aber ich schweife ab. Wie ich ja schrieb, wusste ich nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Das ist teilweise auch heute noch so und ich äußerte in den vergangenen Tagen öfters, dass ich mich teilweise nicht für zurechnungsfähig halte. So „all over the place“ habe ich mich noch nie gefühlt. Mitten im Sprechen schaltete sich mein Hirn aus und ich wusste nicht mehr, was ich sagen wollte. Ich bin derzeit dermaßen nah am Wasser gebaut, dass das sprichwörtliche Katzenbaby mit den großen Augen oder eine tote Hummel auf dem Blumenbeet ausreicht, um mein mühsam aufgebrachtes MakeUp binnen Sekunden zu ruinieren. Ich will ehrlich sein: es ist massiv anstrengend, auf diese Weise den Alltag zu bestreiten und es gab Tage, da wäre ich am liebsten einfach im Bett geblieben. Allein das Pflichtgefühl trieb ich noch an, was aber immerhin etwas Struktur in den Tag und mein inneres Chaos brachte.

Grund für all das sind natürlich unter anderem die jüngsten Geschehnisse, aber viel mehr noch etwas anderes: meine Hormonwerte.
Heute erhielt ich die Ergebnisse, mit denen mein Frauenarzt und ich die Wirkung der Umstellung auf das Lenzetto-Präparat testen wollten. Und was soll ich sagen, ihr ahnt es vielleicht schon: die Werte sind hart durch die Decke gegangen! Von der ursprünglichen untersten Grenze um die 50 und darunter auf weit über 400! Zur Erinnerung: der langfristige Maximalwert beim Östrogen liegt bei 200. Kurzfristig ist das jedoch kein Problem und mein Arzt und ich waren uns einig, dass wir die aktuelle Dosierung von 3 Sprühstößen Lenzetto (maximale Tagesdosis) zwecks Beobachtung erst einmal beibehalten. Sollten sich meine emotionalen Kapriolen jedoch über Wochen nicht bessern, werde ich aktiv die Dosis reduzieren, denn auf Dauer kann ich im Alltag so nicht „funktionieren“. Das ist ein doofes Wort, aber irgendwie muss man ja sein Leben auf die Reihe kriegen – und das ist mit diesen Hormonwerten tatsächlich schwierig, manchmal gar unmöglich.

Aber wisst ihr was? Ich bin dennoch ein wenig dankbar für diese Erfahrung.
Punkt 1: das Brustwachstum wurde ebenso geboostert wie die Hormonwerte, das darf gerne noch so lange anhalten, bis ich keine Brustaufbau-OP mehr brauche.
Punkt 2: Ich kann endlich vollumfänglich nachempfinden, wie es vielen Frauen während des Eisprungs geht, also in der Zeit, wo die Östrogenwerte durch die Decke gehen.
Es kann einfach massiv belastend sein. Eine Kollegin drückte es gestern so schön aus: „Hormone sind meine Endgegner.“ JA! Absolut. Das unterschreibe ich ohne zu zögern.
Gleichzeitig bestätigt das für mich, dass die Gesellschaft auf diese natürlichen Schwankungen bei menstruierenden Menschen viel mehr Rücksicht nehmen muss, anstatt sie dafür zu beschämen! Alleine der Umstand, dass ich mir nicht die Ruhe eines Krankheitstages gegönnt habe, sondern mich weitergepeitscht habe, ist ein Indikator für eine ungesunde Einstellung der Gesellschaft gegenüber solchen Sachen.

Tja…so geht’s mir im Augenblick, ihr Lieben.

Ihr seht, meine Schreibpause ist schon beendet und ich bin wieder zurück! Ich kann einfach nicht ohne… 😉

Der beinahe vergessene Abschied

Ach je…jetzt wollte ich den Artikel schon veröffentlichen und hätte beinahe ein wichtiges Thema vergessen. Sieht ihr? Das Hirn legt bisweilen einfach ein Pause ein. Uff…

Jedenfalls, gestern Abend nahm ich Abschied. Und dank oben beschriebener emotionaler Situation standen mir die Tränen dabei in den Augen.

Es fand mein vorerst letzter Logopädie-Termin statt.
Ich mag meine Stimme zwar noch immer noch nicht so recht, aber ich komme im Alltag recht gut damit klar. Wenn es so bleibt: fein!

Die Entscheidung dazu hatte ich ja schon nach Anstoß durch meine Logopädin vor einigen Tagen getroffen, dennoch war der letzte Termin dann doch sehr besonders.
Wir übten nichts, ich sprach nur. Schüttete mein Herz aus. Es war eine halbe Psychotherapiesitzung. Nichts, wofür meine Logopädin ausgebildet ist, aber ich habe sie als sehr einfühlsamen Menschen kennengelernt, der eindeutig ein großes Talent für den Umgang mit Menschen hat. Also sprachen wir über meine letzten 2 Wochen, teils mit gebrochener Stimme und feuchten Augen. Aber das war okay. Die Logopädietermine sind über die Zeit ein sicherer Raum für mich geworden – das hat allerdings auch einige Zeit gedauert.
Die Stimme an sich spielte gar keine so große Rolle. Sie gab mir noch ein paar wertvolle Impulse mit auf den Weg und am Ende der Stunde war dann das Ende dieses Kapitels erreicht.

Nein, ich mag keine Abschiede. Schon gar nicht von Menschen, die mir irgendwie emotional nah stehen. In diesem Fall zwar auf einer professionellen Ebene, aber im Laufe der fast 2 Jahre sind wir in der Logopädie gemeinsam durch so manches Tief und über so manche Höhe gegangen. Das verbindet dann doch irgendwie ein wenig. Zumal ich die erste war, die sich längerfristig bei ihr zur Stimmfeminisierung in Behandlung befunden hat.

Tja. Wir verabschiedeten uns. Bedankten uns. Wünschten uns alles Gute. Und dann klappte dieses Buch plötzlich zu, als die Praxistür hinter mir ins Schloss fiel. Kurz durchatmen, die Tränen wegatmen, denn verlaufener Mascara auf einem Elternabend der Schule ist voll doof.

Durchatmen. Nochmal. Ein letzter Blick zurück. Das Küken wird langsam flügge…

PS: Der Hund auf dem Titelbild ist von der gleichen Rasse wie der Therapiehund der Logopädiepraxis. Tschüss, du süßer Knuff! Schnief…

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