Ein Gefühl von Freibad, äh, Freiheit

Schwimmbad

Ich war schon schwer überrascht heute. Es war ein Tag im Freibad. Und es war ein Tag für ein neues Körpergefühl.

Meine Kinder lieben unsere Besuche im Schwimmbad. Und ganz besonders im Freibad jetzt im Sommer. Unser letzter Besuch liegt mittlerweile schon ein Jahr zurück und kostete mich damals große Überwindung. Denn es war mein erster Besuch im Schwimmbad im Badeanzug. Es lief damals glücklicherweise recht gut und anschließend war ich total stolz auf mich, diesen Schritt gewagt zu haben. “Damals” war allerdings noch vor der GaOP und entsprechend unwohl fühlte ich mich in meiner Haut.

Heute war das anders. Ich dachte zwar schon über das Erlebnis im vergangenen Jahr nach, aber die damaligen Sorgen machte ich mir heute nicht mehr. Entsprechend entspannt fuhren wir dort hin. Zusätzlich entspannend war der Umstand, dass wir das Freibad dank vieler Wolken und Wochenanfang mehr oder minder für uns alleine hatten. Inklusive Wasserrutsche und Sprudler. Wir hatten echt viel Spaß und ich glaube, die Mädels freuten sich sehr darüber, dass ich endlich wieder mit ihnen ins Schwimmbad ging.

Was für mich persönlich aber besonders bemerkenswert war, war mein neues Körpergefühl nach der GaOP. Nun liegt selbige schon fast ein halbes Jahr zurück und ich dachte, ich hätte mittlerweile ein ganz gutes Gefühl für meinen neuen Körper entwickelt. Dem war aber nicht so. Beim Schwimmen bemerkte ich heute ein bis dato unbekanntes Gefühl von “Freiheit”, anders kann ich es gar nicht recht beschreiben. Das Körpergefühl ist einfach dermaßen anders im Vergleich zu früher, diesmal merkte ich doch recht deutlich, dass da früher mal “etwas mehr” (Gewebe) war. Aber das war alles andere als schlecht, es war richtig toll und ich genoss dieses Gefühl. Denn überraschte es mich von Schwimmzug zu Schwimmzug und produzierte Schmetterlinge im Bauch. 🙂

Daneben ist es ja beinahe schon kaum mehr einer Erwähnung wert, dass ich von den ganz vereinzelten anderen Schwimmgästen überhaupt nicht groß beachtet wurde. Mein Passing passte also ganz offenkundig…genau das, was ich mir immer gewünscht habe. Neben dem neu gewonnenen Körpergefühl machte mich dieser Umstand zusätzlich froh. “Jetzt brauchst du nur noch deine echten Haare und einen verschwundenen Bartschatten, dann kannst du wieder ganz natürlich im Wasser herumtollen, ohne dein MakeUp oder die Perücke zu beeinträchtigen.” Denn ohne beides hatte ich dann doch nicht ins Schwimmbad gehen wollen. Das mag auf den einen oder die andere komisch oder übertrieben und unpraktisch wirken, mir gibt es aber weiterhin viel Sicherheit in der Öffentlichkeit.

Alles in allem war der Tag heute wieder ein Schritt für mich “zurück ins Leben”, an dem ich meine transitionsbedingten (selbst auferlegten) Einschränkungen wieder ein gutes Stück lockern konnte und mich dabei wohl fühlte. Viel fehlt eigentlich nicht mehr, es ist wirklich nur noch eine Frage der Zeit.

Ich bin mir sicher, dass der Tag kommen wird, an dem ich mich auch ohne die oben genannten Maßnahmen in derlei Situationen wohlfühlen werde. Und das ist schon ziemlich cool, denn so ging es mir im Grunde genommen noch nie. Selbst vor meiner Transition nicht, denn damals war ich mit meinem Körper null im Einklang und habe mich im Schwimmbad oder ähnlichen Örtlichkeiten total unwohl gefühlt – nur kannte ich damals den Grund noch nicht…

Nun sitzen wir alle gemeinsam am Esstisch, haben gut gegessen, Brettspiele gespielt und jetzt wuselt jede*r vor sich hin. Draußen zieht ein Gewitter auf, ein tolles Schauspiel…da fühle ich mich wieder wie ein kleines Kind und werde direkt nach Abschluss dieses Artikels ans Fenster eilen und die Naturgewalten beobachten…

 

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