Orgasmus

Dieser Beitrag wird echt intim. Also so richtig! Aber er ist wichtig für andere trans Frauen! Denn er steht in unmittelbarer Verbindung zur GaOP, den Hormonen und dem ganzen Drum und Dran. Und ihr sollt ja schließlich wissen, worauf ihr euch ggf. bei einer GaOP einlasst.

So, lavieren wir hier nicht lange rum! Heutiges Thema: Orgasmen!
Wem das Thema zu unangenehm ist, möge an dieser Stelle bitte die Abzweigung nehmen. Wir lesen uns dann beim nächsten Beitrag wieder. Alle anderen: schön, dass ihr an Bord seid!

Also dann!

Liest man die am häufigsten gestellten Fragen bei den Dr. Lubos Kliniken in Bogenhausen zum Thema Mann-zu-Frau-GaOP, findet man unter anderem das hier:

Bleibt die Orgasmusfähigkeit erhalten?
Das körperliche sexuelle Empfinden kann sich ändern. Da es sich hierbei um ein komplexes Zusammenspiel aus seelischen, geistigen und körperlichen Empfindungen handelt, können wir vorab keine Aussagen über Ihre individuellen Veränderungen machen. Eine komplette Orgasmusunfähigkeit ist aber extrem selten.

Mit dieser und ähnlichen Aussagen aus den Vorgesprächen ging ich damals in die Klinik. Durchaus in dem Bewusstsein, dass im schlimmsten Fall kein Orgasmus mehr möglich sein würde. Doof. Aber offen gestanden war mir das nie so wichtig, insofern hätte ich notfalls auch darauf verzichten können.

Natürlich erforsche ich schon seit einigen Monaten meine neue Sexualität, wenn auch eher zaghaft und selten. Denn bedingt durch das Auf und Ab der Hormone ist meine Libido weiterhin auf Urlaub, so dass es in der Regel eher eine Kopfentscheidung ist, Dinge auszuprobieren. Vor einigen Tagen sprach ich noch mit einer Freundin über weibliche Orgasmen, da ich mir nicht sicher war, ob bei all dem, was ich schon erkundet hatte, einer dabei war. Ein Satz blieb mir im Gedächtnis:

Wenn du einen Orgasmus hast…glaub mir…dann weißt du es!

Also hatte ich keinen, obwohl die bisherigen Erfahrungen schon echt okay waren. Langsam machte sich aber die Sorge breit, dass die Orgasmusfähigkeit doch auf der Strecke geblieben ist. Erfahrungsberichte anderer trans Frauen über den ersten post-operativen Orgasmus schwanken von 3 Wochen (wie auch immer das bei den Schmerzen gehen soll) bis zu über einem Jahr. Als ich das gelesen hatte, richtete ich mich innerlich darauf ein, noch Monate zu brauchen. Oder eben gänzlich zu verzichten. Unterm Strich gab es aber eigentlich keinen Grund zur Klage, denn mit den aktuell gut 8 Monaten lag ich ja noch gut im Rennen. So legte ich das Thema erst einmal zu den Akten.

Heute dann – ein ganz normaler Montag. Angereichert mit einer Prise Halsschmerzen, Müdigkeit und emotionaler Erschöpfung – unter anderem wegen den gestrigen Vorfällen. Was ist da also besser als ein Abend in der Badewanne? Prasselnder Regen auf das Badezimmerfenster, duftiger Badezusatz, der neue Jurassic World auf dem Laptop und kuschelig warmes Wasser. Was will frau mehr? 🙂 Solche Abende brauche ich öfter, denn das war wirklich entspannend.

Wann immer ich übrigens zum Bougieren gefragt werde, wie das denn sei, antworte ich: total unerotisch und kein bisschen anturnend. So geht es mir jedenfalls. Normalerweise. Heute nicht! Schon am Anfang merkte ich, dass etwas anders war. Die Details behalte ich jetzt dann doch für mich, aber sagen wir mal so: ich habe heute neue Dinge über mich gelernt und etwa 2 Stunden (!) später lag ich minutenlang herzhaft lachend auf dem Bett. Sowas ist mir auch noch nicht passiert. Einfach so. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen. Denn eins war klar: meine Freundin hatte Recht behalten: wenn ich einen Orgasmus habe, dann weiß ich es.

Und, ach du Scheiße! Es ist einfach die beste Sache der Welt! Darüber, wie es sich anfühlt, eine Vulva zu haben, schrieb ich ja schon vor einiger Zeit. Nun berichte ich mal darüber, wie sich ein weiblicher Orgasmus im Vergleich zum männlichen anfühlt. Denn für mich ist das – zu meiner eigenen Überraschung – ein gewisser Meilenstein während der Transition und für meine eigene Weiblichkeit. Denn ein Knoten in meinem Kopf hat sich jetzt gelöst. Ich weiß, dass es funktioniert. Und ich weiß auch wie.

Der Höhepunkte-Vergleich

Also. Fangen wir irgendwann früher in meinem Leben an. Der Orgasmus mit männlichen Genitalien:
Er ist vergleichsweise schnell durch mechanische Bewegungen und optische Reize oder Fantasien zu erreichen. Nach einer kurzen Anlaufphase baut er sich rapide und örtlich begrenzt auf, explodiert wie ein Vulkan und flacht dann sofort wieder ab. Ende der Geschichte. Ganz nett, aber mehr auch nicht.

Nun, der weibliche Orgasmus:
Es dauert recht lange, bis sich die erotische Spannung im Körper angesammelt hat und verteilt sich auch im gesamten Körper. Er ist noch viel mehr davon abhängig, wie frei der Kopf ist. Ab einem gewissen Punkt geht es auch hier schnell bergauf, erreicht einen Höhepunkt, flacht aber nicht sofort wieder ab. Er bleibt, schwankt zwar ein wenig in der Intensität, schwappt aber immer wieder in Richtung Bergspitze. Danach flacht es langsam(er) wieder ab und ist wahnsinnig erfüllend.

Nun muss ich aber anmerken, dass ich bei Bergspitze Nummer 2 bewusst abgebrochen habe, da mich die Intensität einfach überrannt hat. Ich hatte DAMIT nicht im Geringsten gerechnet. Stattdessen fing ich wie gesagt so dermaßen an zu lachen, dass ich schon fast Bauchschmerzen bekam. 🙂

Fazit? Der weibliche Orgasmus ist einfach 1.000-Mal besser als der männliche! Wir Frauen sind nicht nur die hübscheren Wesen, wir haben auch noch die intensiveren Orgasmen. Sorry, Boys! 😉

Hinweis für trans Frauen

Nun sei abschließend aber noch festgehalten, dass der obige Text auf meiner total subjektiven Erfahrung beruht und keinesfalls zu verallgemeinern ist. Das individuelle Empfinden ist bei jedem Menschen anders.

Ich möchte euch, die ihr eine GaOP plant oder kürzlich hattet, mit auf den Weg geben, dass der Körper nach der OP recht lange braucht, um sich wieder soweit zu stabilisieren, dass ein Orgasmus überhaupt wieder möglich wird. Wie gesagt können das wenige Wochen, aber auch Monate oder in Ausnahmefällen Jahre sein. Bleibt geduldig mit euch und eurem Körper und gebt euch die Zeit, die ihr braucht. Ganz entspannt und ohne Erwartung an die Sache zu gehen, klingt zwar abgegriffen, ist aber wahr. Schafft euch eine entspannte Atmosphäre, nehmt euch viel Zeit für euch allein oder mit eurem/eurer Partner*in und folgt dem Gefühl, das sich gut anfühlt. Kleine Hilfsmittel sind natürlich absolut erlaubt und erwünscht. Erlaubt ist, was gefällt. Eure wunderbaren Hände. Gleitgel. Dildos. Visuelle oder auditive Pornos. Körperkontakt. Eben alles, was euch Spaß macht.

Und sicher kommt dann eines Tages der Moment, an dem es kein Halten mehr gibt.
Dann werden sicher auch eure Nachbarn belustigt Zeugen eurer neuen Körperlichkeit und Sexualität, ähäm…

Und es wird einfach richtig und schön sein. Eben die schönste Nebensache der Welt!

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One Thought to “[Explizit] Ach. Du. Scheiße!!!”

  1. Gratuliere…. ! Es freut mich für Dich ungemein! und…. selbst Cis Frauen lernen manchmal neue erogene Zonen kennen die man nicht für möglich gehalten hat…. 🙂

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