Leser*innen fragen, Julia antwortet: Wie fühlt es sich an, eine Vulva zu haben?

Symbolbild Vulva

Ich habe heute eine sehr spannende Frage gestellt bekommen, die ich so noch nie gestellt bekommen habe und dessen Beantwortung mich vor eine ernsthafte Herausforderung stellt: wie fühlt es sich an, eine Vulva zu haben? Ein Beschreibungsversuch.

Zunächst einmal vielen lieben Dank für diese Frage! Ich halte sie wirklich für relevant, da ich mich früher oft das Gleiche gefragt habe und es gerade für Transfrauen (die eine GaOP in Betracht ziehen) spannend sein kann, eine Idee vom späteren Körpergefühl zu bekommen.
Ich muss aber gestehen, bei der Beantwortung der Frage habe ich mir wirklich einen abgebrochen, weil ich dafür keine passenden Worte finde, bestenfalls eine Annäherung. Ich habe sogar gegoogelt, die Antworten auf diese Frage sind aber recht rar gesät. Im englischsprachigen Raum wurde ich fündig, wo eine Transfrau das Ganze recht treffend beschrieb, wie ich finde.

Also legen wir los:

Wie schon gesagt, ist es wirklich schwierig, dieses neue Gefühl in Worte zu fassen. Es ist total (!!!) anders. Ich liebe es, aber es ist einfach anders. Ich kenne aus dem früheren Leben offen gestanden nichts, was vergleichbar wäre.

Insgesamt betrachtet fühle ich mich mit Vulva…wie soll ich das ausdrücken…verletzlicher.

Ich habe einzelne Erklärungen im Netz gefunden, die zwar zutreffend, aber irgendwie auch nichts sagend sind. Viele haben geschrieben: im Alltag bemerken sie sie gar nicht – so wie man seinen Arm oder einen Zeh nicht bemerkt. Außer, man ist erregt. Dann kribbelt es irgendwie total schön im Unterleib.

Eine weitere Beschreibung fand ich ebenfalls zutreffend, aber leider auch schwer verständlich, wenn man das Gefühl an sich nicht kennt: „Ich fühle mich mit einer Vulva weiblich, weil sie sich intim und nicht aggressiv anfühlt.“ Das ist das, was ich mit „verletzlicher“ meine. Ein Penis fühlt sich tatsächlich „aggressiver“ an. Eine Vulva ist irgendwie warm und feucht und zärtlich und sanft. Insgesamt ist alles viel empfindlicher.

Da bei der GaOP Teile des Penis ummodelliert / umfunktioniert werden (die Klitoris zum Beispiel wird aus der Spitze der Eichel gebildet), kommen einem manche Empfindungen anfangs vielleicht bekannt vor. Aber doch anders, weil sie an einer anderen Stelle entstehen. Ich sag ja…das ist schwer in Worte zu fassen.

Ich komme an dieser Stelle wirklich nicht so recht weiter und übergebe daher an die Autorin eines Quora-Beitrags zum Thema – die teils etwas holprige Übersetzung und die bisweilen derbe Wortwahl bitte ich zu entschuldigen, ich wollte aber nicht den gesamten Text umschreiben, denn im Kern beschreibt sie genau das, was ich empfinde:

(…) Um zu simulieren, wie es ist, keinen Penis zu haben, zieh ein wirklich enges Damenhöschen an.

(…) Das erste, was du bemerken wirst, ist, dass du deine Beine enger zusammenziehen kannst (wie deine Innenschenkel und Teile deiner Waden sich tatsächlich berühren können, wenn du gerade stehst, wenn dein bisheriger „Rekord“ darin besteht, deine Füße 4 Zoll auseinander zu lassen, ohne sich etwas zu quetschen).
Du kannst deine Beine auf eine Art und Weise überkreuzen, wie du es noch nie getan hast (wenn das Beste, was du tun kannst, ist, deine Beine zu überkreuzen, indem du dein Bein quer legst, kannst du es jetzt auf die weiblichere Art tun, indem du es fast parallel hältst), und du hast einen größeren Bewegungsspielraum in deinen Hüften, als ob nichts da wäre.

(…) Was die Vulva angeht, so ist es so, wie alle anderen gesagt haben: erhöhte Empfindlichkeit. Es hängt aber auch davon ab, ob du beschnitten bist oder nicht.

(…) Wie auch immer, wenn du unbeschnitten bist, ist es eigentlich viel schwieriger, das Gefühl nachzuempfinden, da deine Eichel oft sehr empfindlich ist, wenn du die Vorhaut zurück ziehst, (…) aber wenn deine Vulvalippen an der Kleidung reiben, fühlt es sich irgendwie an wie die ersten paar Momente, in denen du die Eichel berührst, wenn du dich unter der Dusche wäschst… Es ist nicht völlig empfindlich, aber es ist auch nichts, woran man sich gewöhnt. Wenn du beschnitten bist, fühlt es sich ähnlich an; du spürst irgendwie die tägliche Bewegung, aber stell dir einfach vor, dass deine Eichel zu einer komprimierten Kontaktfläche wird…

(…) Für die Erregung ist es in etwa dasselbe Gefühl, als würde man seinen Penis berühren, aber natürlich ist es feucht

(…) Aber Penetration und Orgasmen? Es fühlt sich soooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo viel anders an. Der passendste Vergleich ist wohl anale Penetration, es fühlt sich fast gleich an, außer dass die Vagina in Bezug auf die Empfindung nicht so empfindlich ist (…) aber so oder so ist es viel einfacher, durch die Klitoris zum Orgasmus zu kommen…
Der Hintern und der Penis in männlicher Form erzeugen einen Orgasmus eher lokal, aber die Weiblichkeit im Allgemeinen (oder auch nur die regelmäßige Einnahme von Östrogen) macht die orgasmische Reaktion zu einer Ganzkörpererfahrung. (…) Als Junge ist die sexuelle Reaktion eher so, dass man erregt ist, bis man Sex hat oder masturbiert, dann erreicht man nach dem Orgasmus ein Plateau, das wie das Öffnen eines Überdruckventils ist, das für eine kurze Zeit funktioniert. Abstinenz erzeugt gewissermaßen „Druck“, eine längere Abstinenz führt nur dazu, dass der Körper sich noch mehr danach sehnt (…) Aber die orgasmischen Empfindungen sind hauptsächlich in der Leiste, und es ist relativ selten, dass mehr Körperteile beteiligt sind.

(…) Als Mädchen befinden wir uns meist in einem Plateau (d.h. wir können wochenlang nicht daran denken, uns selbst zu berühren, und meistens können wir das Verlangen unterdrücken), bis wir genug stimuliert sind. (… ) Man beginnt, Schmetterlinge im Bauch zu spüren, der Körper fühlt sich warm an, die Brüste kribbeln, und obwohl man schließlich etwas in sich spüren will, möchte man gleichzeitig am ganzen Körper berührt werden. Der Grund, warum wir einen Vibrator haben können, der die meisten Jungs in den Schatten stellt, und trotzdem einen Partner wollen, ist, weil wir gerne kuscheln. Und es ist auch der Grund, warum wir es nicht mögen, wenn man das Vorspiel auslässt und direkt zum Geschlechtsverkehr übergeht, ohne irgendetwas anderes zu berühren, und dann auch noch die Frechheit besitzt, es Sex zu nennen.

All das Geschriebene ist tatsächlich nur ein grober Eindruck dessen, wie sich eine Vulva anfühlt. Perfekt in Worte fassen kann man das meines Erachtens nicht. Aber ich hoffe, dass ihr nun ungefähr eine Idee davon bekommen konntet, was es bedeutet, so zu fühlen. 🙂

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One Thought to “Leser*innen fragen, Julia antwortet: Wie fühlt es sich an, eine Vulva zu haben?”

  1. […] Es ist einfach die beste Sache der Welt! Darüber, wie es sich anfühlt, eine Vulva zu haben, schrieb ich ja schon vor einiger Zeit. Nun berichte ich mal darüber, wie sich ein weiblicher Orgasmus im Vergleich zum […]

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