Pferde

Mein wilder Grummelwuselbauch durfte sich heute ein bisschen ausruhen, denn gleichermaßen normale wie auch wunderschöne Momente erfüllten diesen Tag.

Der letzte zweistellige Tag vor der OP war das heute und er verging wie im Flug. Lange Ausschlafen, frische Brötchen zum Frühstück und keine Verpflichtungen. Stattdessen ein gemütliches Miteinander mit meinen Kindern. Es waren die kleinen Momente, die diesen Tag besonders machten:

Das Mixen von Spezial-Bananenmilch zum Frühstück. Mit Sahne und Schokosauce. Die brennende Kerze auf dem Frühstückstisch, während draußen sie dunklen Regenwolken vorbeiziehen. Gemeinsames Yoga. Ein kurzer Besuch meines Vaters, bei dem er sogar von meinen Mädels noch eine Einführung in moderne Spielkonsolen bekam – und das sogar recht erfolgreich. Wir haben viel gelacht. Auf speziellen Wunsch meiner Großen gab es dann selbst gemachte Pommes, die echt super lecker waren. Und im Anschluss erkundeten wir gemeinsam die Welt von Hyrule im aktuellen Konsolen-Hit Zelda, erschreckten uns gemeinsam vor großen Monstern und zähmten unsere ersten beiden Wildpferde, auf deren Rücken wir die weite Spielwelt noch besser bereisen konnten.

Wie schon gestern spielten Umarmungen, Kuscheln und körperliche Nähe eine große Rolle. Ein tiefe Verbindung nahm ich wahr, die mich dankbar staunen lässt.

Um es zusammen zu fassen: es war ein wenig spektakulärer, dafür aber harmonischer Tag.

Und wie gesagt: meinem Bauch gefiel das alles sehr gut. Die Aufregung vor der OP spielte kaum eine Rolle. Ab und an kam das Thema durchaus mal auf, hat aber mittlerweile beinahe eine Art Selbstverständlichkeit erreicht, dass die Gespräche dazu sich eher auf kurze Fragen oder Kommentare bezogen. Besonders meine jüngere Tochter merke heute mehrfach an, dass ich ja eine „Sie“ sei und echauffierte sich gar darüber, dass der Held in Zelda ein männlicher Charakter ist. Das wäre ja falsch. Das sind Momente, in denen mir das Herz aufgeht, vor allem, wenn ich über die Entwicklung nachdenke, die in den vergangenen Monaten stattgefunden hat.

Meine Kinder haben mit all den Veränderungen eine große Aufgabe zu bewältigen und sicherlich viel Traurigkeit zu verarbeiten. Am meisten nahm ich die Angst wahr, sie würden ihren Papa verlieren. Wie ich gestern schon schrieb, äußerte die Kleine so etwas in die Richtung explizit. All das sind meiner Erfahrung nach aber Fragen, die sich durch kindgerechte Erklärungen beantworten lassen. Selbstverständlich gehe ich nicht verloren! Ich bin zwar kein Papa im klassischen Sinne, war ich so gesehen noch nie. Und auch die OP ändert an dieser Situation rein gar nichts. Das Verhältnis zu meinen Kindern bleibt dadurch selbstverständlich unberührt. Und ehrlich gesagt bin ich zunehmend der Meinung, dass es eigentlich nur noch besser werden kann. Denn je mehr ich bei mir selbst, in meinem Körper ankomme und mich wohl fühle, umso mehr strahlt das auf mein Umfeld aus.

Dieser Tage gehen mir wiederholt Gedanken durch den Kopf, welch schöne Sachen nach der OP wieder möglich sein werden, die aktuell für mich nicht realisierbar sind. So sehr wünschen sich die beiden, mit mir schwimmen zu gehen und so gerne würde ich diesem Wunsch nachkommen. Doch aus bekannten Gründen ist das eine riesige Hürde für mich. Wie gesagt, je mehr ich mich in meinem eigenen Körper wohl fühle, umso mehr Freiheiten bedeutet das für mich selbst und auch mein direktes Umfeld. Der Gedanke daran entspannt mich sehr und trägt zu einem riesigen Teil zu meiner Vorfreude auf die OP bei.

Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, was ich mir von der OP erhoffe.
Das sind keineswegs die riesigen Veränderungen in meinem Leben. Es wird keinesfalls so sein, dass ich nach der OP aus der Narkose aufwache und ein komplett neues Leben beginnt. Nein. Es sind die kleinen Dinge, die ich mir erhoffe. Besagtes unbeschwertes Schwimmengehen mit meinen Kindern. Nach Corona endlich wieder in die Sauna gehen können. Bei jedem Duschen das gute Gefühl, endlich „richtig“ zu sein. Oder wie es eine Teilnehmerin aus meiner Therapiegruppe kürzlich beschrieb: „Es ist wie die Erfüllung eines Traumes, wenn du nach der OP das erst mal Damenunterwäsche anziehst und da nichts Störendes im Weg ist.“ Es sind diese kleinen Ereignisse im Alltag, die die große Motivation hinter der OP ausmachen und die am Ende die Welt für mich bedeuten. Sie sorgen in jeder Sekunde dafür, mich endlich ein Stück mehr wie „ich selbst“ zu fühlen.

Das sind alles Gedanken, die mir beinahe täglich durch den Kopf gehen und das positive Gegengewicht zu der riesigen Aufregung bilden. Und da die schönen Momente mit meinen Kindern an diesem Wochenende eine große Bedeutung für mich hatten, überwog heute das Gute, die Sorge und Aufregung durften bei dem regnerischen Winterwetter im Bett bleiben und die Vorfreude überwog.

Gerne darf es die kommenden Tage so bleiben: weniger Grummelwuselbauch, mehr Vorfreude.

Ich verabschiede mich in die Nacht mit einem tiefen Atemzug und dem einen oder anderen Schmetterling im Bauch.

Gute Nacht!

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