Schlafende Frau

Am heutigen Sonntag waren vor allem zwei Dinge bemerkenswert: ein innerer Blick in die Zukunft und ein unappetitlicher Traum.

In einer Woche um diese Zeit werde ich aller Voraussicht nach schon in mein Hotel in Erding eingecheckt haben und womöglich gerade mit einer Freundin beim Abendessen sitzen. Obwohl ich nun wirklich genug Zeit habe und hatte, mich an diesen Gedanken zu gewöhnen, so erstaunt mich doch immer wieder, wie die Zeit plötzlich rast und wie irreal das alles immer noch ist.

Innerer Blick in die Zukunft

Tagsüber ging es mir heute sehr gut, denn meine Mädels und ich machten uns einen ganz entspannten Sonntag. Eine Sache sorgte zunächst für Verdruss, dann aber am Ende für einen positiven Blick in die Zukunft aller Beteiligten:

An sich wollten meine Kinder an diesem Wochenende noch einmal Eislaufen gehen, was aber an verschiedenen Umständen scheiterte. Meine Große ließ sich betrübt in den Sessel sinken, als feststand, dass das auch heute nichts mehr werden würde. Unbewusst tat ich dann etwas, was sich aus jetziger Perspektive als gute Idee anfühlt: ich vereinbarte mit den beiden, dass wir uns nach meiner Rückkehr aus der Klinik einen Tag lang ganz viel Zeit nehmen würden, um in die Eishalle zu fahren, danach noch etwas Leckeres Essen zu gehen und uns so einen ganz tollen Ausflugstag zu gestalten. Als Manifestation unseres gemeinsamen Wunsches landete das Wort „Eislaufen!“ dick und fett auf einem PostIt, das nun prominent sichtbar in der Wohnung hängt.

Warum halte ich das für eine gute Idee? Ganz einfach: weil es zum Einen meinen Kindern Sicherheit gibt, dass ihre Wünsche ernstgenommen werden und auch nach Abwägung aller Umstände und nach Findung eines Konsenses umgesetzt werden können. Zum Anderen gibt es den beiden eine Perspektive für die Zeit nach meiner OP. Ich hatte das Gefühl, es gibt ihnen etwas Halt, da das „normale Leben“ nach der OP einfach weiter geht und die OP kein Ereignis ist, das plötzlich unser aller Leben auf den Kopf stellt.

Und den selben Halt gibt diese Perspektive auch mir. Wie ich vor ein paar Tagen schrieb, dachte ich bis dato nicht weiter als bis zum Zeitpunkt des Aufwachens nach der OP. Alles danach war in meiner Vorstellung verschwommen, ich hatte noch keine konkreten Pläne, wie es danach weitergehen würde. Von den alltäglichen Dingen mal abgesehen. Das Vorhaben, mich mit den beiden nach meiner Genesung wieder auf’s Eis zu schwingen, ist ein kleiner Leuchtturm für mich, der den verschwommenen Nebel der Zeit nach der OP etwas klarer werden lässt.

Wann genau ich für diesen Familientag fit genug sein werde, weiß ich natürlich noch nicht. Mag sein, dass Eislaufen erst nach mehreren Monaten wieder gefahrlos machbar ist. Denn ein unglücklicher Sturz könnte natürlich frisch verheilte Wunden wieder aufreißen, das will ich auf keinen Fall riskieren. Aber selbst dafür werden wir eine Lösung finden, da bin ich mir sicher.

Ein unappetitlicher Traum

Gut in mein Stimmungsbild der letzten Tage passt leider auch ein Traum, den ich in abgewandelter Form in den letzten 2, 3 Wochen schon einmal geträumt hatte. Erst heute Abend fiel mir der Traum von heute Nacht wieder ein. Es war ein Traum, in dem eine Toilette in wenig erstrebenswertem Zustand eine zentrale Rolle spielte. Den Rest erspare ich euch.

Nachdem ich nun wie gesagt schon das zweite Mal einen solchen Traum hatte, schlug ich mal dessen mögliche Bedeutung nach. Zwar nehme ich Traumdeutung nicht so ganz ernst, ein paar Denkanstöße finde ich darin allerdings doch manchmal. So auch in diesem Fall. Zwei Passagen der Traumdeutung erschienen mir besonders relevant:

(…) Hierbei handelt es sich um eine emotionale Notsituation. Sie fühlen, dass Sie sich von etwas befreien möchten, weil dies einfach zu viel für Sie wird. In der Traumdeutung symbolisiert das Überlaufen immer, dass ein Umstand oder Gefühl zu viel ist und Sie nicht damit umgehen können.

Und:

(…) bedeutet, dass man sich reinigen möchte, sich also dreckig fühlt. Der Dreck kann emotional sein. Die Traumdeutung beschreibt im Zusammenhang eher, dass die Reinigung als solches im Zentrum steht.
(…) bedeutet folglich, dass man sich nicht reinigen kann.

Abschnitt 1 beschreibt im Grunde genau das, was ich in den vergangenen Tagen auch hier im Blog beschrieb. Eine emotionale Notsituation. Das wirft natürlich Fragen auf:

Ist der Weg, den ich da eingeschlagen habe, der richtige?
Will ich die OP wirklich machen?

Beide Fragen kann ich eindeutig mit „Ja“ beantworten.

Da stellt sich mir die weitere Frage, was mir diese emotionale Ausnahmesituation mitteilen möchte. Da ich jedoch keinerlei Indizien ausmachen kann, irgendwie das Falsche zu tun, stellt die wahrgenommene Aufregung für mich nach längerem Reflektieren am Ende „nur“ die weit verbreitete Angst vor operativen Eingriffen dar. Zu dieser las ich gestern noch zahlreiche Artikel im Netz und verstand, dass ich mit diesen Gefühlen keinesfalls allein bin, sondern viele Patient*innen Entsprechendes durchmachen. Das wiederum half mir ein wenig, diese Emotionen innerlich zu umarmen und besser annehmen und einordnen zu können.

Abschnitt 2 der Traumdeutung hingegen lässt mich ein wenig spekulieren. Wovon würde ich mich reinigen wollen? Von diesen heftigen Emotionen? Oder von meinem falschen Körper?
Wenn ich in mich hinein horche, schlägt das Pendel in Richtung des falschen Körpers aus, da dies etwas ist, von dem ich mich selbst nicht aktiv „reinigen“ kann. Dafür brauche ich zwingend Hilfe von Ärzten. Schon oft hatte ich dieses Gefühl von Hilflosigkeit oder gefangen sein, weil ich selbst diesen Missstand nicht beheben konnte. Was mir selbst an dieser Stelle noch fehlt ist das Vertrauen, um mich bedenkenlos in die Hände der Ärzte fallen zu lassen und die Sorgen damit ziehen zu lassen. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich den Ärzten nicht trauen würde. Wäre das der Fall, würde ich die OP nicht machen. Vielmehr ist es das schon früher angesprochene fehlende Urvertrauen.

Da ich gestern aber auch las, dass man für entspannte Patient*innen nachweislich weniger Schmerz- und Narkosemittel benötigt, werde ich die letzten Tage vor der OP weiterhin bestmöglich für mich sorgen und versuchen, für Entspannung zu sorgen.

Einbiegen auf die Zielgerade

Tja…am Ende war es dann doch ein kurzweiliges und in seinen kleinen Begegnungen erfüllendes Wochenende. Ab morgen geht es für mich also langsam auf die Zielgerade. Die letzte Arbeitswoche vor der OP beginnt und ist vollgepackt mit vielen Themen. Langsam aber sicher werden meine Klamotten in den Koffer wandern und die Checkliste Stück für Stück abgehakt werden.

Ich weiß, ich wiederhole mich: es wirkt alles weiterhin so irreal. Aber im gleichen Maße richtig und stimmig.

Das kann ich bei all der Aufregung dann doch feststellen:

Ich stehe weiterhin 100% zu meiner Entscheidung für diese OP und weiß, dass es genau der richtige Schritt ist.
Und das ist für mich das, was zählt!

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