Gedanken

11 Tage noch bis zur GaOP. Nach den vergangenen Tage hätte ich ja mit wiederum verstärkter Anspannung gerechnet. Glücklicherweise war das nicht der Fall.

Heute hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl, als hätte ich mich ein wenig auf das Kommende eingegroovt. Was aber auch definitiv zur Entspannung und Ablenkung beitrug, war der Besuch meiner Kinder. Plötzlich war wieder Leben in der Bude, jede Menge Freude, Lachen, andere Gedanken. Die beiden haben natürlich mittlerweile realisiert, was in den kommenden Wochen geschehen wird und gehen unterschiedlich damit um. Die Kleine äußert immer wieder, dass sie nicht möchte, dass ich nach München fahre. Nach Rückfragen zu den Gründen scheint es weniger um die OP selbst zu gehen, sondern um die Angst, mich lange nicht zu sehen und eine eher abstrakte Angst vor charakterlichen Veränderungen.

Keine Ahnung, wie sie auf diese Idee kam, aber sie äußerte die Angst, ich könnte mich gewissermaßen nach der OP verändern und sie dann anschreien. Das ist natürlich völlig absurd, für sie war diese Angst aber total real und musste erst einmal besprochen und angenommen werden. Liegt das möglicherweise an einem negativen Frauenbild? Hält sie Mütter für aggressiver als Väter?! Ich weiß es nicht.

Nun, deutlich zu erkennen war am heutigen Abend ein erhöhtes Kuschelbedürfnis. Vor allem meine Kleine kuschelte sehr lange und eng an mich gedrückt mit mir. Die dabei entstandene Verbindung und Nähe hätte bei mir fast wieder ein paar Tränchen produziert. Auch meine Große war noch eine Ecke anhänglicher als ohnehin schon. Ich denke mal, das ist Teil ihres Ausdrucks der Sorge um das, was da kommen mag. Ehrlich gesagt graut mir ein wenig vor Sonntagabend, wenn ich sie wieder zu ihrer Mutter bringe – ich schätze, es werden Tränen fließen. Auch bei mir, denn wir werden uns sicherlich den nächsten Monat nicht persönlich sehen.

Komische Gedanken

Schon seit einigen Tagen gehen mir komische Gedanken durch den Kopf, die ich eigentlich nicht haben will und sie bei Seite dränge, da sie mir auch ein wenig Angst machen und auch an mein Umfeld nicht unbedingt ein hoffnungsvolles Signal senden würden. Dennoch sind diese Gedanken wieder einmal derart präsent, dass ich sie aussprechen möchte:

Die Treffen der vergangenen Woche mit meinen Eltern, meiner Logopädin, meiner Kosmetikerin und heute meinen Kindern fühlte sich seltsam nach einer Art…ja…ich muss es so sagen…“Abschiedstour“ an. Mir ist es wichtiger denn je, wertvolle Zeit mit diesen Menschen zu verbringen. Ich schätze diese Zeit nochmal mehr als ohnehin schon. Und gleichzeitig macht mir dieses Wort „Abschiedstour“ Angst. Denn ich habe freilich den unbedingten Willen, nach höchstens 3 Wochen wieder daheim zu sein und meine Lieben wieder in die Arme schließen zu können. „Abschiedstour“ impliziert so etwas Endgültiges, das mir nicht gefällt, gegen das ich mich aber auch nicht wehren kann.

Ist so etwas normal vor einer großen OP? Ich habe da keinerlei Erfahrungen.
Schwingt da doch etwas (Todes-)Angst mit? Bewusst würde ich das klar verneinen, mein Unterbewusstsein hat da eine etwas andere Meinung. Und so recht wundern tut mich das am Ende doch nicht, denn dieses Gefühl passt absolut zu meinen irrationalen Sorgen vor der Narkose.

Ich möchte niemandem mit diesen Gedanken Angst machen. Am wenigsten mir selbst. Es tut aber gut, sie dennoch formuliert zu haben.

Würde ich versuchen, diese „Abschiedstour“ positiv umzudeuten, würde ich sagen: der alte, männliche Anteil von mir verabschiedet sich von den Menschen, daher die „Abschiedstour“. Erst dann kann in Frieden gehen und der Frau in mir weichen. Dieses Bild gefällt mir irgendwie, obgleich es gefühlsmäßig nicht ganz passt

Ich nehme das jetzt einfach mal so hin und genieße die gemeinsamen Stunden mit meinen wunderbaren Kindern. Meine Entscheidung für all das ist schon lange zuvor getroffen worden, ist und war schon immer alternativlos. Daher lege ich alles weitere in die Hände des Schicksals und versuche, mit diesen Ängsten nicht zu sehr zu hadern. Oder wie ich es die Tage meinem Papa sagte: falls der unwahrscheinliche Fall von Komplikationen bei der OP eintreten sollte (es muss ja nicht gleich der Tod sein), würde ich meine Entscheidung für die OP dennoch nicht bereuen. Denn sie ist genau das, was für mich der richtige Weg ist. Ich habe alle Vorbereitungen bestmöglich für mich getroffen, den besten Arzt dafür engagiert und reichlich Informationen gesammelt. Viel mehr kann man im Vorfeld einfach nicht mehr machen.

Als Kind des Rheinlandes versuche ich mit diesen Gedanken nun langsam Frieden zu schließen, sie anzunehmen und wieder einmal das kölsche Grundgesetz zu zitieren:

„Et hätt noch emmer joot jejange!“

Und da ist definitiv etwas Wahres dran!

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