“Tränen der Liebe, der Schönheit der Natur, des Glücks und der Erkenntnis, wer ich wirklich bin” – wie Leserin Julia E. sich selbst neu entdeckte

Wiese, Sonnenuntergang

Ich freue mich sehr, euch in diesem Gastbeitrag die (Transitions-)Geschichte meiner Freundin Julia E. vorstellen zu dürfen. Sie beschreibt den magischen Moment der Selbstfindung, Erleichterung und Dankbarkeit –  einen Moment, “wo die Welt sich zu einem harmonischen Gemälde fügt”. 

In einem Augenblick, wo die Welt sich zu einem harmonischen Gemälde fügte, durfte ich das Sekundenglück in seiner reinsten Form kosten. Die Sonne malte goldene Strahlen über die tiefgrünen Wiesen und die abgeernteten Felder mit ihren Strohballen, die für meine Liebste so viel bedeuten. Auf meinem Fahrrad, begleitet vom Wind, glitt ich entspannt über den Feldweg zwischen den Schafen, während der Wind zärtlich durch meinen Rock strich und meine Haare im Wind tanzten. Hier, an diesem Ort, hatte mein Herz endlich seinen wahren Platz gefunden. Ich selbst fand mich in Einklang mit mir selbst.

In diesem Körper, der mir lange fremd erschien, fand ich endlich die Person, mit der ich alles teilen konnte. Eine Familie, die mir Wärme und Geborgenheit schenkte, und alte Freunde, die mich akzeptierten, so wie ich bin. Selbst neue Freunde, die in kurzer Zeit einen besonderen Platz in meinem Herzen eroberten.

All dies verschmolz in diesen kostbaren Sekunden zu einem harmonischen Bild, begleitet vom Himmel, der mit seinen wunderschönen Wolken ein perfektes Zuhause schuf.

In diesen Augenblicken erreichte die Glückseligkeit ihren Höhepunkt. Ich sehnte mich danach, die Uhr anzuhalten und diesen kostbaren Moment für immer festzuhalten.

Tränen kullerten über meine Wangen, süß, obwohl sie salzig schmeckten. Tränen der Liebe, der Schönheit der Natur, des Glücks und der Erkenntnis, wer ich wirklich bin.

Dieser eine Moment wird für immer in meinem Herzen bleiben und immer wiederkehren, wann immer ich daran denke. Dankbar blicke ich auf euch alle, die Teil dieses einzigartigen Augenblicks waren.

Julia bot mir die Möglichkeit, in ihrem Blog zu schreiben und so andere Menschen auf ihre persönlichen Lebenswege zu lenken. Ich hatte das Glück, Julia früh in meiner Transition kennenzulernen, und dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Ich wählte denselben Namen wie sie, ein Name, der sich mir bereits vor 40 Jahren offenbarte. Dass ich ihn heute tragen kann, war für mich ein unerwartetes Geschenk. Trotz meines Alters von 57 Jahren fühle ich mich jetzt eher wie 14, als ob ich meinen Körper und mich selbst neu entdecke.

Ich habe jahrelang verleugnet, was ich wirklich bin, und meine Größe von 203 cm schien es utopisch zu machen, die Frau zu sein, die ich bin. Doch heute weiß ich es besser. Ich kann nur authentisch sein, denn nur so kann ich in Einklang mit meiner Umwelt leben. Es ist bedauerlich, dass dieses Wissen nicht früher vermittelt wurde. Ich hoffe, dass die heutige Jugend dieses Wissen früher erkennt.

Ich bin glücklich, dass mich alte Freunde auf meinem Weg begleiten, aber noch mehr freut es mich, dass ich neue Freundinnen kennenlernen durfte, die für mich unverzichtbar geworden sind. Lange Zeit war ich mir unsicher, wie weit mich mein Weg führen würde. Doch die letzten Zweifel, ob ich mich einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen sollte, wurden mir im letzten Urlaub genommen. Auf einer Alpentour wurde mir klar, dass eine körperliche Zwischenlösung immer mit Unbehagen einhergehen würde.

Im November ist es soweit, ich fahre nach München zur GaOP. Ein Brustaufbau ist für 2024 geplant. Am meisten freue ich mich darüber, dass ich seit Beginn meiner Transition eine Frau gefunden habe, die mich bedingungslos liebt, genauso wie ich sie bedingungslos liebe.

Ich bin dankbar für mein bisheriges Leben und freue mich auf die spannende zweite Hälfte meines Lebens im Körper, in dem ich schon immer hingehörte.

(Gastbeitrag von Julia E., September 2023)

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