10 Wochen post OP: ein positiver Zwischenstand

Mama mit zwei Töchtern

10 Wochen nach der OP legt sich langsam das organisatorische und emotionale Gewusel rund um diese große Veränderung. Bei mir, aber vor allem auch in meinem Umfeld. Was sich sonst noch so verändert, verrate ich euch in diesem Beitrag.

Um eins direkt vorweg zu schicken: in meiner Eigenwahrnehmung verändert sich in den letzten Tagen nicht mehr so viel. Meine Confidence („Zuversicht“ auf Deutsch, aber das passt kontextuell nicht so ganz) in Bezug auf meinen Körper ist größer geworden. Die vielzitierte Stimmigkeit nimmt einfach Millimeter für Millimeter zu, wenn nicht mal eben alte Themen dazwischen funken.

Sitzen, Stehen, Liegen

In Bezug auf die Heilung bemerkte ich heute Fortschritte. Noch bis vergangene Woche konnte ich nicht sehr lange sitzen, egal ob mit Sitzring oder ohne. Heute habe ich tatsächlich den ganzen Arbeitstag am Schreibtisch ausgehalten, ohne mich zwischendurch hinlegen zu müssen. Das ist ein Meilenstein!
Interessanterweise scheint ein Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung und längerem Sitzvermögen zu bestehen, denn schon vermehrt habe ich bemerkt, dass ich nach längeren Fußmärschen länger sitzen kann. Und da ich am Wochenende recht viel auf den Beinen wahr, passt das gut ins Bild. Bewegung ist natürlich grundsätzlich eine gute Idee, in Bezug auf die Heilung nach der GaOP scheint sie ab einem gewissen Heilungsgrad wie ein Booster zu wirken.
Es ist allerdings auch so, dass ich nach den langen Spaziergängen am Wochenende schmerzbedingt kaum noch stehen konnte und mir eine IBU (mittlerweile 400 statt 600) gönnen musste – die Kehrseite der Medaille.

Stimmveränderung

Ein weiterer Aspekt hat sich in den vergangenen 10 Wochen meiner Einschätzung nach ziemlich deutlich verändert: meine Stimme. Oder besser gesagt, mein Passing mit der Stimme. Heute schrieb mir eine Freundin, meine Stimme sei total super und so, „als wäre da nie etwas anderes gewesen“. Ich hatte mich bei einer Sprachnachricht an sie auch extra angestrengt. 😉
In diesem Zusammenhang wollte sie gerne wissen, ob sich nach der GaOP physisch etwas an meiner Stimme geändert habe, da man ja zum Beispiel Eunuchen nachsagt, sie würden höher sprechen. Das ist allerdings mitnichten der Fall, die Entfernung der männlichen Genitalien hat keine oder keine nennenswerte körperliche Auswirkung auf die Stimme. Was sich durch die OP aber geändert hat, ist meine Psyche. Durch die genannte „Confidence“ ist es für mich insgesamt stimmiger, das Gelernte auch einzusetzen. Es hat sich etwas in mir gelöst, was mich vorher gebremst und beschämt hat. Nun ist die Verwendung meiner Stimme insgesamt passender für mich. Daher die Veränderung. Zwar falle ich in einigen Situationen doch wieder in alte Sprachmuster zurück, vor allem im Job oder komischerweise auch gegenüber meinen Kindern. Es ist aber eine klare Tendenz erkennbar, dass ich mich mehr und mehr damit in die Öffentlichkeit wage. Die Erlebnisse am Telefon, der Apotheke und im Krankenwagen sprechen doch eine recht deutliche Sprache.

Die Kinder & das Bougier-Drama

Tja. Was ist mit dem Bougier-Drama von letztens? Ich weiß nicht warum, aber es hat sich in Wohlgefallen aufgelöst! An diesem Wochenende waren meine beiden Kinder bei mir und das Thema Bougieren war im Grunde keins mehr. Wir trafen kurz eine Verabredung dazu, wie wir das regeln möchten und damit war das Thema erledigt. Meine Große zeigte sogar ein gewisses Interesse daran und wollte gerne verstehen, was es damit auf sich hat und wieso ich bestimmte Dinge tue, die ich tue. Nachdem ihr Wissensdurst gestillt war, war das Thema auch komplett vom Tisch und akzeptiert.

Im Zusammenhang des Fast-Wohnungsbrandes äußerte sie sogar, dass sie sich mittlerweile mit meiner Situation arrangiert habe. Ich glaube, ihre Worte waren „das sei ja mittlerweile normal“. Stattdessen gibt es da aktuell andere Baustellen für sie, die sie belasten. Ich bin froh, dass wir beide wieder zueinander gefunden haben und ich ihr damit bei ihrer Reise die Hand reichen und sie unterstützend begleiten kann, wenn sie mich braucht. Ich glaube, sie fühlte sich durch meine Transition eine Zeit lang etwas alleine gelassen, obgleich sie es nie war. Nachvollziehen kann ich das aber dennoch, sollte dem so sein. Das vergangene Wochenende war in dieser Hinsicht jedenfalls sehr wichtig und heilsam für uns als Familie.

Daher möchte ich auch anderen Betroffenen Mut machen, die Hoffnung nicht aufzugeben. Die Begleitung der eigenen Kinder parallel zur eigenen Transition nehme ich als einen der schwierigsten und langwierigsten Teile der Transition wahr. Das Stimmthema ist ähnlich langwierig und schwierig, das kann ich aber mit mir selbst ausmachen. Die Eltern-Kind-Beziehung war manchmal ein Balanceakt, der vieler Gespräche unter vier oder sechs Augen bedurfte, um im Gleichgewicht zu bleiben. Kinder brauchen in dieser Phase (und ganz generell natürlich auch) viel Empathie und offene Ohren, die sich anhören, was sie zu sagen haben. Und manchmal auch eine helfende Hand, um die eigenen Emotionen einordnen und ausdrücken zu können. Wenn dann nach einer halben Stunde des Schulterzuckens über die eigenen Gefühle plötzlich die erleichternden Tränen fließen, weil sich da etwas gelöst hat, dann entstehen diese wertvollen Momente, die für Heilung sorgen. Nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei mir.

Daher geht das hier raus an alle Eltern, egal ob trans, cis oder nicht-binär:

Bitte nehmt euch die Zeit und hört euren Kindern aufmerksam und liebevoll zu! Es macht einen Unterschied…

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