Wie die Transition mich heute beinahe meine finanzielle Existenz gekostet hätte

Rauch

Der Titel des Artikels klingt dramatisch? Ja, zu Recht. Denn die Woche endet mit nicht weniger als einem ziemlichen Schock.

Ohne Frage, die vergangene Arbeitswoche war nicht von schlechten Eltern. Das schließt den heutigen Freitag mit ein. Doch das Finale des Tages sollte erst nach Feierabend noch auf mich warten.

Cut.

Es ist bereits dunkel. Mein Auto parkt vor dem Haus. Die Balkontür steht offen. Die Haustür auch. Ich halte meine Töchter eng in den Armen, die kleine weint und zittert vor Angst, die große ist wie paralysiert. Was um alles in der Welt war geschehen? Fest steht: ohne meine Transition wäre das vermutlich nicht passiert…

Okay, lösen wir die Spannung langsam:
Nur Augenblicke später blinken blaue Lichter am Ende der Straße. Die Feuerwehr ist endlich da. Denn grauer Rauch hängt stinkend und schwer in meiner gesamten Wohnung und erfüllt mittlerweile auch die Luft der Umgebung.
Ein freundlich dreinschauender Feuerwehrmann in voller Montur kommt auch uns zu und erkundigt sich nach der Lage. Ich beschreibe: „Ich war für etwa zwei Stunden nicht zu Hause und als wir gerade nach Hause kamen, quoll mir eine dicke Rauchwolke entgegen. Ich kann mir nicht erklären, was passiert ist„, berichte ich niedergeschlagen, aber einigermaßen gefasst. Bilder ziehen in meinem inneren Auge vorbei. Ich war nach Öffnung der Haustür so dusselig gewesen und war die Stufen in meine Wohnung hochgelaufen, um einen potenziellen Brandherd zu ermitteln. Augenblicklich wurde die Luft knapp und ich lief wieder raus. Doch anstatt draußen zu bleiben, holte ich wie im Tunnel Luft, lief hoch und machte auf dem Balkon Halt. Feuer war nicht zu sehen. Nur dicker, ekliger Plastikgestank. Mein Verstand setzte wieder halbwegs ein, ich holte nochmal Luft und verließ die Wohnung ohne weitere Nachforschungen. Die Rauchmelder brüllten ohrenbetäubend.

Meine Töchter hatten vor der Tür gewartet und beobachteten entsetzt das Szenario. Tränen flossen. Ich nahm sie in den Arm, das Trösten fiel mir aufgrund meiner eigenen Schockstarre selbst schwer. „Feuerwehr“, schoss es mir in den Kopf. Ich rief die 112, berichtete knapp und atemlos von der Lage. Nein, weitere Menschen waren nicht in der Wohnung, aber meine Vermieter unter mir. Ich klingelte sie aus dem Freitagabend und offen gestanden weiß ich nicht mehr, was ich sagte. Irgendwie war ich bemüht, selbst die Fassung zu behalten und für meine Kinder da zu sein.

Immerhin waren wir in Sicherheit. Niemand war verletzt worden. Doch Bilder von einem brennenden Dachstuhl und dem Verlust all meiner Sachen brachen sich Bahn. Doch außer dickem Rauch war glücklicherweise nichts zu sehen. Ich grübelte, was den Brand hätte auslösen können. Ein defekter Handyakku? Die Waschmaschine? Der alte Fernseher? Der Feuerwehrmann unterbrach meine Gedanken und lenkte sie in Richtung Küche.

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Der Topf! OMG, ich hatte echt Mist gebaut!
Bevor ich die Kinder zum Wochenende abgeholt hatte, hatte ich meine Intimdusche in einen gut gefüllten Kochtopf gelegt, um sie wie schon zuvor zu sterilisieren. Doch den Herd verlor ich komplett aus der Aufmerksamkeit und selbst, als ich meine Sachen für die Abfahrt packte, fiel mir der kochende Topf nicht auf.

Und so holten wir drei Mädels uns ganz entspannt unser Abendessen, gingen noch ohne Eile einkaufen und fuhren dann Heim, wo uns dann das Drama ereilte. Wie sich zum Schluss herausstellte, war das Wasser verdampft und die Kunststoffteile der Intimdusche hatten sich in Brand gesetzt. Zu meinem großen Glück griffen die Flammen nicht über, sondern hinterließen lediglich leichte Rußspuren auf der Dunstabzugshaube und dem Metallrahmen. Das heißt, der einzige materielle Schaden ist der Topf und die Dusch.

Nach einer Weile im RTW, Blutsauerstoffmessung und ganz lieber Betreuung der Kinder und mir klopfte eine Polizistin an die Tür und wollte mich sprechen. Was denn vorgefallen sei, fragte sie. Ich berichtete. Was für Plastik ich denn in dem Topf gehabt hätte. Zu meiner großen Dankbarkeit hatte ich eine Frau vor mir und raunte ihr mit etwas gedämpfter Stimme und vielsagend das Wort „Vaginaldusche“ entgegen. Wissend nickte sie und verließ uns mit einem verständnisvollen „Ach, ok. Verstehe„.

Nach etwa 30 Minuten und dem nicht nötigen Einsatz der bereits ausgerollten Löschschläuche des gesamten Zuges wurde die Wohnung freigemessen und wir durften wieder hinein. Es stank bestialisch (tut es noch immer), alle Fenster standen offen, ansonsten war alles beim Alten.

Die Kinder waren noch immer völlig aufgelöst und nur ständiges Kuscheln machte es minimal besser. Nachdem der Tross abgezogen war, entschied ich mich für einen Spaziergang zu meinem Vater, wo wir die Chance hatten, ein wenig Abstand zum Thema zu erhalten.

Nun sind wir zurück. Liegen im Bett bei offenem Fenster und es stinkt noch immer ganz fürchterlich.
Und mir geht der etwas absurde, aber dennoch wahre Satz durch den Kopf, dass das ohne meine Transition wahrscheinlich nicht passiert wäre. Denn dann hätte ich keine Intimdusche haben müssen, die es zu reinigen gilt.

Aber all diese Gedanken sind natürlich fruchtlos.
Ich konzentriere mich auf die Dankbarkeit, dass nichts weiter schlimmes passiert ist, wir all gesund sind und die Feuerwehrleute wahnsinnig nett gewesen waren.

Die nächsten Tage heißt es also weiterhin: lüften, lüften, lüften!
Dieses Erlebnis wird mir jedenfalls eine Lehre seine, soviel steht fest. Ich hatte einfach wahnsinniges Glück, dass nicht mehr passiert ist…

 

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