Frau telefoniert

3 Monate ist meine letzte Logopädiestunde her. Und so hatte ich schon beinahe vergessen, wie es sich anfühlt, neue Stimmübungen auszuprobieren. Und wie es mir danach emotional geht.

Nochmal kurz zur Erinnerung: die 3 Monate Pause waren keineswegs eine selbst gewählte Auszeit, sondern bedingt durch die zusätzliche Phoniatrieuntersuchung für meinen HNO, da dieser nach 30 Stunden keine weitere Heilmittelverordnung ausstellte, ohne eine weitergehende Untersuchung durchführen zu lassen. So weit, so normal. Und nervig.
Gestern konnte ich die neue HMV dann aber doch endlich abholen, pünktlich zur heutigen Logopädiestunde.

Ich fuhr recht beschwingt dort hin, denn in den vergangenen Tagen hatte ich wieder vermehrt total süßes und aufbauendes Feedback zu meiner Stimme bekommen. Zum Einen in Bezug auf mein gestern geteiltes Video, aber auch auf Basis von Sprachnachrichten, die ich mit einem Freund ausgetauscht und ihn zuvor einige Wochen nicht gesprochen hatte. Meine täglichen 10 Minuten Audio-Tagebuch und die kleinen Übungen im Alltag scheinen also doch langsam in meinem Hirn als Normalzustand anzukommen, so dass zumindest ein hörbarer Unterschied wahrnehmbar ist. Dass mein Ziel aber dennoch nicht erreicht ist, zeigte ja der Vorfall mit dem Autohaus vor zwei Wochen. Aber dennoch…ich war gespannt darauf, wie die zuletzt begonnenen Prosodieübungen heute klappen würden.

Die Katze auf dem Dach

Insgesamt klappte das auch ganz gut. Heute befassten wir uns im Rahmen dieser Prosodieübungen mit einzelnen Worten, Wortgruppen und ganzen Sätzen. Zu diesem Zweck schrieben wir die einzelnen Worte eines Satzes auf Zettel, um sie beliebig kombinieren zu können. In etwas so: AUF DEM DACH DER KIRCHE SITZT SCHON SEIT STUNDEN EINE KLEINE ROTE KATZE.
Teil 1 der Übung bestand nun darin, jedes einzelne Wort so zu betonen, als sei es eine Frage, am Ende mit der Stimme also noch oben zu gehen. Das klang erstmal total schräg, schärfte aber ein wenig das Gespür dafür, wie ich innerhalb eines Satzes betonen und den Fokus darauf legen kann.
In Teil 2 ging es um besagte Wortgruppen, die dem natürlichen Sprachfluss etwas ähnlicher sind, als die einzelnen Worte. Also zum Beispiel: AUF DEM DACH DER KIRCHE — SITZT SCHON SEIT STUNDEN — EINE KLEINE — ROTE — KATZE. Auch hier bleibt die Stimme zunächst monoton und wird erst beim letzten Wort der Gruppe angehoben.

Das klappte alles relativ gut, nach den Übungen und der Verabschiedung rauschte ich jedoch ohne erkennbaren Grund in so ein…wie nennt man das…in ein „Uffff-Loch“. Wisst ihr, was ich meine? Man ist total erschöpft, nicht richtig schlecht gelaunt, aber auch weit weg von guter Laune? Und dann lässt man sich mit einem „Uffff“ auf den nächstbesten Sitz fallen? So ging es mir heute. Etwas betrübte mich und tut es noch, ich kann aber nicht sagen, was es ist.
Was mir jedoch explizit während der Stunde und auch schon lange Zeit vorher aufgefallen war, ist meine innere Haltung zur Stimme meiner Logopädin bzw. generell zu Stimmen anderer Frauen. So wie ich Frauen auf der Straße anschaue und mir Aspekte heraussuche, die mir für mich auch gut gefallen würden (Kleidung, Haare, Figur, Bewegungen, was auch immer), so ergeht es mir auch mit den Stimmen. Besonders heute lauschte ich diesen Stimmen und bekam kurz die Krise, da ich mich selbst noch sehr weit von dieser Stimmqualität entfernt wähne.

Ganz viele große Herzen

Ach, du süßes Dummerchen! Du sollst dich doch nicht immer mit anderen vergleichen“, spricht es da in mir. „Ach du bist so süß und hast so ein Herz ❤️❤️❤️„, schreibt mir eine Bekannte im Gegenzug bei Instagram als Kommentar auf mein gestriges Video. Total lieb, oder?!
Tja, mir wurde mal gesagt, dass Frauen sich ohnehin ständig vergleichen. #UnzulässigeVerallgemeinerung
Naja, ich für meinen Teil stimme dem jedenfalls zu, stelle aber in Zweifel, dass das etwas mit meinem Geschlecht zu tun hat, sondern eher mit Unsicherheit und der Suche dessen, wer ich bin. Ich muss aber auch mal festhalten, dass es mir in diesem Aspekt in den vergangenen Tagen allgemein besser ging. Ich fühlte mich meistens ziemlich wohl in meiner Haut und war – dem Stand der Transition entsprechend – auch recht zufrieden mit mir, zeitweise sogar im Einklang.
Was wieder einmal auffällt: dieser Wahrnehmung liegt eine innere Selbstsicherheit und Energie zu Grunde, die genau dem entspricht, was ich Anfang April nach der Erhöhung der Hormondosis schon verspürt hatte. Nun nehme ich ja seit meinem Frauenarztbesuch bereits eine Woche ganz regulär 4 statt 3 Hübe Gynokadin und dieser Energie- und Selbstsicherheitsschub hat erneut eingesetzt. Ich behaupte einfach mal ganz kühn: das ist kein Zufall!
Spannend ist es aber allemal, denn seit ein paar Tagen strahlt es förmlich aus mir heraus, ich bin wesentlich kontaktfreudiger als ohnehin schon durch die Hormone, gehe viel offener auf Menschen zu und nehme für mich selbst wahr: „Das bin ich, ich bin eine gestandene Frau und diese Frau rockt hier gerade mein Leben!“ 😀

Witziger Weise überstrahlt diese neuerliche Energie zeitweise beinahe jedwede Uffff-Müdigkeit, die ich dank eines seit Wochen hundsmiserablen Schlafs leider mit mir herum trage. Das ist eine ziemlich komische Mischung. Als würde ich Bäume ausreißen können, aber mein Körper möchte gleichzeitig gerne hier und jetzt zusammensacken und 2 Wochen am Stück schlafen. Als hätte man Alkohol und seeehr viel Kaffee gemischt. Nur ohne das Herzrasen. Dafür aber mit Herzrhythmusstörungen. Wobei…das stimmt nicht mehr, denn die haben sich zum Glück wieder weitgehend verabschiedet.

Ihr Lieben, mir schwirrt total der Kopf und die Konzentration fällt mir durch den beschriebenen Zustand vergleichsweise schwer. Zwar gäbe es noch viel zu sagen, doch für heute lasse ich es mal gut sein und leite frühzeitig meine Abendroutine ein, um vielleicht die eine oder andere Mütze Schlaf mehr ab zu bekommen.

Süße Träume euch allen. :-*

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