Believe yourself

Auseinandersetzungen mit der Angst gab es hier im Blog schon mehrfach. Das Thema wurde kürzlich nochmal vor dem Hintergrund der nahenden GaOP von mehreren Seiten direkt oder indirekt an mich herangetragen, daher möchte ich es heute gerne nochmal aufgreifen und mich damit aus der heutigen Perspektive auseinandersetzen.

„Hast du denn auch Angst vor dem Eingriff oder bist du einfach nur erleichtert?“ 

„Ich habe Angst um dich.“

Step by Step! Du machst das großartig. 😘“

Diese und ähnliche Nachrichten trudeln seit gestern auf meinem Smartphone ein und ich muss gestehen, dass sie mich tief berühren und innerlich beschäftigen.

Über meine eigene Angst vor der Narkose und diesem großen Eingriff berichtete ich ja schon vor einiger Zeit, daher werde ich das an dieser Stelle nicht weiter aufdröseln.
Ich denke, die frühzeitige Auseinandersetzung war auch gut so. Denn ein solcher Eingriff wirft Fragen über das eigene Leben auf, die über die reine Geschlechtsidentität hinaus gehen und einfach Zeit für die Beantwortung benötigen. Es geht um das Leben selbst. Ok, ganz so dramatisch ist es nicht. Immerhin gehört die Narkose mittlerweile zum OP-Alltag und selbst meine Schlafapnoe stellt kein ernsthaftes Problem dar. Auch die GaOP wird mittlerweile fast wie am Fließband durchgeführt, die entsprechenden Erfahrungen sind also vorhanden. All das senkt Risiken immens, schließt sie aber natürlich auch nicht komplett aus.

Auch wenn der Vergleich etwas hinkt, ist es für mich ein bisschen wie die Risiko-Nutzen-Abwägung bei der Corona-Impfung. Ähnlich geht es mir mit der GaOP. Es ist zweifelsfrei ein großer Eingriff, vor dem ich auch einen gesunden Respekt habe. Aber keine Angst mehr. Der Nutzen überwiegt die Risiken für mich bei Weitem! Auch sehe ich durch meine Therapiegruppe, dass meine Vorgängerinnen den gleichen Schritt erfolgreich gegangen sind und recht flott wieder auf dem Damm waren.

Will sagen: ich habe das Thema für mich innerlich abgeschlossen. In Bezug auf die Entscheidung für die OP, meine ich.
Ich bin mir aber auch sicher, dass ich unmittelbar vor dem Eingriff bestimmt ziemlich aufgeregt sein werde. Aber ich schätze, das ist normal.
Jedenfalls habe ich meinen Frieden damit gemacht. Ich habe meinen Weg gefunden, angenommen und lege nun die Dinge, die ich nicht beeinflussen kann, vertrauensvoll in die Hände des Universums. Und der Fachleute, die auf mich aufpassen werden. Für einen Menschen, mit einem angekratzten Urvertrauen ist das gar nicht mal so einfach…

Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn meine Mitmenschen diesen Frieden noch nicht haben finden können. Und sehen wir es mal so: ohne Sorge oder Angst um mich, wäre vielleicht auch eher Gleichgültigkeit im Spiel. Das wäre schlimm und traurig. Diese Sorgen sind also letztlich ein Ausdruck von Liebe im weitesten Sinne. Und die bedeutet mir sehr viel, denn sie gibt mir zusätzliche Kraft. Nicht nur für die OP, sondern ganz allgemein für die Transition. Und sogar das Leben im Allgemeinen.

Genauso möchte ich in Liebe mein Vertrauen in das Universum an mein Umfeld ausstrahlen. Die Ängste nehmen und Zuversicht sähen.

Ha, ich muss gerade kurz lachen, denn ein etwas absurder Gedanke schleicht sich in mein Bewusstsein.
Ich bin bekanntlich überhaupt nicht religiös, dennoch schoss mir gerade ein Satz durch den Kopf, der gerade jetzt vor Weihnachten eine große Rolle spielt:

„Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude“ (Lk 2, 10).

Sprach der Engel.

Ich halte mich nun wirklich nicht für einen Engel, aber seinen Ausruf möchte ich aufgreifen. Er erscheint mir so passend.

Fürchtet euch nicht, ihr Lieben, denn ich verkünde euch eine große Freude!
Die große Freude, meinem wahren Selbst ein großes Stück näher zu kommen. Die Ketten zu sprengen.
Ein dunkles Kapitel der Vergangenheit loszulassen und ins Bücherregal meiner Biografie einzusortieren.
Das ist keineswegs das Ende, sondern der Beginn von etwas Neuem.
Na, aber hallo! Die wunderbare Welt von uns Frauen wartet immerhin auf mich. Das lasse ich mir doch nicht entgehen!

Ach, ich wünschte, ich könnte euch etwas meines Vertrauens und meiner Zuversicht schenken. Ich umarme euch alle, die ihr so bedingungslos hinter mir steht.

„Fürchtet euch nicht“, möchte ich ausrufen und füge mein Lebensmotto hinzu:

Fürchtet euch nicht! Denn alles wird gut!

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One Thought to “Angst: die eigene und die fremde”

  1. […] mich ja meine Schlafapnoe in Bezug auf die Narkose intensiv beschäftigt und an sich dachte ich, ich sei mit dem Thema durch. Nachdem ich meinen Befund dann aber hochgeladen, mir das Profil des Arztes und wiederholt das der […]

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