Shopping

Es ist ein gutes Jahr her, als ich das erste Mal als Frau gekleidet mit zwei Freundinnen shoppen ging und mich mehr oder minder mit absoluten Basics einkleidete. Seither ist so wahnsinnig viel passiert und heute stand wieder einmal eine Shoppingtour auf dem Programm: mit meiner Mum und anlässlich der anstehenden Hochzeit.

Ich bin noch beseelt von diesem heutigen Tag. Er war zugegebenermaßen körperlich etwas anstrengend, aber er hat einfach super viel Spaß gemacht. Noch immer freue ich mich wie ein kleines Kind auf die anstehende Hochzeit, wurde aber in den vergangenen Tagen dann doch langsam nervös, da ich mir nicht sicher war, ob ich passende Kleidung finden würde. Kleider stellen dabei trotz meiner Körpergröße von 1,85m kein ernsthaftes Problem dar, Schuhe in Größe 44 hingegen sehr wohl. Und genau davor hatte ich heute am meisten Sorge. Nicht, dass ich ernsthaft Angst gehabt hätte, nichts zu finden, denn notfalls wäre ich auf schwarze Pumps ausgewichen (meine 2. Wahl), die es im Internet doch relativ häufig gibt. Dennoch hatte ich Sorge, die ganze Stadt nach passenden Schuhen absuchen zu müssen. Die gute Nachricht vorweg: es hat alles geklappt, ich bin super happy mit meinem Outfit und hatte eine echt gute Zeit mit meiner Mutter!

Doch blicken wir noch einmal zurück. Bei meiner ersten Shoppingtour stand ich noch ganz am Anfang meiner Transition. Noch nicht einmal die Hormontherapie hatte begonnen. Ich trug eine billige Perücke, die für den damaligen Zeitpunkt zwar okay war, aus heutiger Sicht würde ich mich damit jedoch nicht mehr zufrieden geben. Ich war damals wahnsinnig aufgeregt, da wir Mädels uns in der Stadt treffen wollten. Ich musste also allein dort hin und allein durch die ganzen Menschenmengen laufen. Ich traute mich das zwar, fühlte mich aber super unwohl dabei und hatte das Gefühl, ständig komisch angeschaut zu werden und fühlte mich irgendwie verkleidet. Außerdem mochte ich damals in keine Umkleidekabine gehen und Oberteile anprobieren, da meine Perücke sich dann verabschiedet hätte. Dennoch – oder gerade deswegen – war ich danach sehr stolz auf mich, diesen Schritt aus der Komfortzone gegangen zu sein.

Und heute? Es war so dermaßen anders! Die Menschen um mich herum kümmerten mich gar nicht. Geradezu selbstverständlich bewegte ich mich durch die Stadt, durch die Damenabteilungen der Shops und sprach unaufgeregt mit den Verkäuferinnen. Ja, ein klein wenig aufgeregt war ich schon, denn es war schließlich mein erstes Mal „Damen-Shopping“ gemeinsam mit meiner Mutter anlässlich einer Hochzeit. Etwas ganz Besonderes, was ich mir eigentlich immer gewünscht hatte – nur hatte ich diesen Wunsch so dermaßen tief in mir vergraben, dass ich ihn nicht mal mehr als solchen wahrnahm.

Besonders aufgeregt war ich jedoch beim Schuhkauf. Tatsächlich fanden wir in einem normalen Schuhgeschäft, das nicht explizit Übergrößen führte, Pumps in Größe 44. Wir fanden ein paar schöne, die gut zum vorher gekauften, dunkelblauen Kleid passten. Auf meine Bitte nach dem zweiten Schuh gegenüber der Verkäuferin stand uns diese natürlich ab sofort helfend zur Hand. Netter Service, keine Frage. Ich bin aber offen gestanden noch nie zuvor mehr als ein paar Schritte in Pumps belaufen. Einmal vor etlichen Monaten. Die waren aber dermaßen eng und unbequem, dass ich sie zurückgab. Also hoffte ich inständig, dass ich mich vor der Verkäuferin nicht blamieren würde. Ein 40-jährige, die nicht in Pumps laufen kann – wo kämen wir denn da hin?! Nein…ernsthaft. Das wäre natürlich kein Beinbruch, aber etwas peinlich wäre es mir dann doch gewesen. Aber was soll ich sagen?! Nennt mich Naturtalent! Alles „lief“ gut.

Nun, das Kleid war gekauft, die passenden Schuhe nebst farblich passenden Ballerinas (falls mir die Füße dann doch zu sehr weh tun) ebenfalls. Die nunmehr größere Herausforderung war das Finden einer farblich passenden Handtasche. Nach einer Hand voll Läden wurden wir aber auch hier fündig. Das lief ja alles wie am Schnürchen! So macht Shopping noch mehr Spaß! 🙂

Summa summarum waren wir in weniger als 4 Stunden mit allem durch, ließen uns durch die Fußgängerzone treiben, vorbei an Wahlkampfständen verschiedener Parteien, Straßenmusikern und vereinzelten Bettlern. Aber vor allem vorbei an vielen gut gelaunten Menschen, zu denen auch wir gehörten. Die Energie war förmlich greifbar, sowie die Freude der Menschen, in diesen merk-würdigen Zeiten mal wieder etwas unternehmen zu können und unter Menschen zu gehen.
Dank vollständiger Impfung und Maske war ich diesbezüglich auch recht entspannt und machte mir keine großen Sorgen. Die Hygienekonzepte der Geschäfte haben sich eingespielt und funktionieren unaufgeregt gut. Ein Stück Normalität mittlerweile, so komisch das auch anmuten mag.

Also? Das war ein ziemlich cooler Tag und ich habe all das sehr genossen. Und kann sogar noch stolz auf meinen Schrittzähler schauen…da dürfen mir heute Abend zu Recht die Füße ein wenig weh tun. 😉

Und damit ihr ungefähr eine Idee davon habt, wie mein Hochzeitsoutfit aussehen wird, hier ein Foto davon. Leider kommt das dunkle Blau und der Schnitt des Kleides dabei nicht ganz zur Geltung. Aber das ist nicht so schlimm, vielleicht wird es ja ein paar schöne Bilder von mir auf der Hochzeit geben. Dann auch mit professionellem MakeUp. 🙂

Julia - Kleid für Hochzeit

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