Seattle

Seit der Aufnahme meiner Stimmbeispiele macht mir meine Stimme etwas zu schaffen und ließ mich bei der heutigen Logopädie-Session in gewissen Belangen im Stich. Was das wohl mit Seattle zu tun hat…?!

Okay, okay! Der Beitragstitel ist bestenfalls ein mittelmäßiges Wortspiel und bewusst etwas irreführend, ich gebe es ja zu! 🙂 Mir fiel beim Stichwort „stimmlos“ nur spontan der Kinoklassiker „Schlaflos in Seattle“ mit den wunderbaren Schauspielern Tom Hanks und Meg Ryan ein.

Anyway…zum Thema.

Am Abend nach besagter Aufnahme verabschiedete sich meine Stimme recht plötzlich und nur langsam kehrte sie im Laufe der vergangenen Tage halbwegs wieder zurück. Beim heutigen Logopädietermin befassten wir uns zunächst mit den positiven Aspekten der Aufnahme – was durchaus schon einige sind. Endlich!

Da aber zweifelsfrei Verbesserungspotenzial besteht und ich im Vorfeld noch nicht genau sagen konnte, an welcher Stelle genau, arbeiteten wir diesen Punkt heute etwas näher aus und ließen den heiseren Klang nach etwas Stimmlockerung erst einmal heiseren Klang sein. Das wird noch ein paar Tage anhalten, schätze ich.

Die Satzenden

Schwieriges Thema für mich. Bei den Satzenden gehe ich häufig stimmlich nicht weit genug herunter und damit klingen sie teilweise nicht vollendet, eher offen, flach. Da dies in der Kommunikation für Verunsicherungen beim Gesprächspartner sorgen kann, arbeiteten wir uns daran ab und versuchten die Stimme am Satzende „auf den Punkt“ zu bekommen. Ein Unterfangen, das banal klingen mag. Da ich genau in diesem Bereich aber stimmlich leicht ins „Brummige“ (= männliche) abrutsche und die Stimme von Kopf- in die Bruststimme kippt, versuche ich genau diesen Bereich eher zu vermeiden (wobei wohl im Grunde kein Mensch „brummfrei“ spricht, auch Frauen nicht). Damit fehlt den Sätzen aber eben die notwendige Geschlossenheit. Nun kann man diesem „Problem“ zum Beispiel durch zwei Maßnahmen entgegentreten:

  1. Aktives Herausnehmen von Druck aus der Stimme, damit sie nicht bricht. Dadurch wird sie jedoch leiser und gehauchter, wird schnell zu leise und dünn.
  2. Generelle Erhöhung des Pitch, also der Stimmhöhe. Ist anstrengender zu sprechen, belastet die Muskulatur mehr und klingt für meine Begriffe unnatürlicher. Bewirkt aber, dass ich automatisch mehr Spielraum nach unten habe.

Hier die richtige Balance zu finden, fällt mir weiterhin schwer und wird Bestandteil meiner „Hausaufgaben“ sein, sofern die Stimme denn nicht wieder schlapp macht.

Betonung – Stimmvarianz vs. Lautstärke

In Sachen „femininer Stimmklang“ fand ich die heutigen Betonungsübungen noch wesentlich spannender. Ähnliche Übungen kannte ich schon von meinem englischsprachigen Voice Training, dort verwenden wir zum Beispiel dieses Mantra:

This is the voice I want to use.

Diesen Satz spreche ich also in unterschiedlichen Betonungen (jeweils fett gedruckt):

  • This is the voice I want to use.
  • This is the voice I want to use.
  • This is the voice I want to use.
  • This is the voice I want to use.
  • This is the voice I want to use.
  • This is the voice I want to use.

Die heutige Stunde ergänzte dieses Training ganz gut, denn meine Logopädin legte den Fokus auf eine andere Art der Betonung. Was ich bis heute nicht wusste:

Frauen betonen eher durch Tonhöhe, Männer durch Lautstärke.

Also sprachen wir unsere Sätze mit einer bewusst überzogenen Betonung der jeweiligen Worte, ohne dabei lauter zu werden.

Auch hier: das ist schwieriger, als es sich anhört. Hat man ein Leben lang über die Lautstärke betont, ist es eine echte Herausforderung, sich dessen überhaupt erst einmal bewusst zu werden, diesem Reflex zu widerstehen und stattdessen den Pitch zu heben. Oft genug kam mir der Automatismus des Stammhirns zuvor und machte meine Bemühungen zu Nichte. Spannender weise tat sich meine Logopädin umgekehrt sehr schwer damit, über die Lautstärke zu betonen, anstatt über die Höhe. Witzig.

Ernsthaft…unsere Stimme fasziniert mich von Mal zu Mal mehr. So viele Aspekte nutzen wir jeden Tag, ohne darüber nachzudenken. Und dabei ist die Stimmerzeugung und -modulation ein unwahrscheinlich komplexer Vorgang. Eben diesen gilt es bei der Logopädie umzulernen.

Wiederholt las ich heute im „transvoice“-Subreddit Berichte über Transfrauen, die seit Jahren schon die feminine Stimme nutzen und es für sie beinahe unmöglich ist, wieder die männliche zu nutzen, da das Muskelgedächtnis umgelernt hat. Auf diesen Punkt arbeite ich ebenfalls hin, obgleich das noch ein weiter Weg ist.

Es wird jedoch in den nächsten Monaten der Zeitpunkt kommen (müssen), an dem ich die feminine Stimme im Alltag teste und nicht nur in Stimmübungen oder bei einzelnen Sätzen im Supermarkt. Stichwort Muskelgedächtnistraining.

Randbemerkung: meine Logopädin berichtete im Kontext der „brechenden Stimme“ von Erfahrungen beim Singen in einem gewissen Frequenzbereich. Das kann ich aus meiner laienhaften Gesangserfahrung (bevorzugt beim Autofahren oder Kochen ;-)) bestätigen. Dabei kam mir der Gedanke, dass ein späteres Gesangstraining nach Abschluss der Logopädie eine super spannende (Selbst-)Erfahrung wäre. Wer weiß…?!

Ein Fazit?

Trotz angeschlagener Stimme war der heutige Logopädie-Tag ein voller Erfolg in Sachen Erkenntnisreichtum. Eye-opening! Ich bin schon wahnsinnig gespannt, in welche Geheimnisse mich meine Logopädin in Zukunft noch einweihen wird… 🙂 Denn am Ende sind es überraschenderweise die kleinen Dinge, die den Unterschied zwischen „Mickey Mouse“-Stimme und einer authentischen Frauenstimme machen.

PS: Ein Highlight bei der Logopädie ist übrigens jedes Mal, wenn mir der Therapiehund (Eurasier) über den Weg läuft – so auch heute. Der ist sooo unfassbar süß, zum Klauen und Knuddeln!!! Hier ein Musterbild eines Eurasiers, ihm sehr ähnlich:

Eurasier

Awwwww, du bist SO SÜSS, DU KNUFF!! :-*

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