Liebes Tagebuch, heute kam mir ein Gedanke, als ich im ARD Presseklub von weiteren Eskalationen, Problemen und sich zuspitzenden Konflikten hörte. Diese Eskalationen nehme ich derzeit in vielen Bereichen meines Lebens, ja gar in der ganzen Gesellschaft wahr – nichts scheint sich mehr ohne Eskalation, ohne Ärger, ohne massiven Druck und persönlichen Einsatz zu bewegen. 

Ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob ich hier zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal darüber berichtete, dass ich seit einigen Jahren einen Wandel in der Welt wahrnehme – im Übrigen geht es nicht nur mir so, viele in meinem Umfeld berichten von gleichen Erfahrungen. Alte Strukturen brechen auf, neue kommen ans Licht. Dadurch entstehen Konflikte, denn Anhänger des Alten wehren sich teils vehement gehen das Neue. Doch am Ende ohne Erfolg. Beispiele finden sich überall. Trump war eines davon. Das desolate Schulsystem, das durch Corona gerade in sich zusammen fällt. Die deutsche Politik scheint aktuell einen ähnlichen Tod zu sterben. Gleichzeitig keimen überall neue Dinge aus dem Boden: Jugendliche protestieren für den Klimaschutz, Elektroautos erobern mit Macht den Markt, hierarchische Unternehmensstrukturen erweisen sich als zu starr und werden zum Teil brutal vom Markt verdrängt und durch agile, bedarfsbezogene Strukturen ersetzt, die nach Erfüllung ihrer Aufgaben wieder zerfallen.

In diesem ganzen System des Wandels sehe ich mich selbst. Mein altes Leben liegt hinter mir. Die stereotype Rolle des Mannseins hat ausgedient und verursacht Schaden, keinen Nutzen. Es hat mich krank gemacht. Daher erblüht gerade das Neue in mir – das Frausein. Das sorgt im Außen natürlich auch für gewisse Reibungsverluste und Widerstände – völlig verständlich. Denn so ticken wir Menschen nun einmal – wir sind Gewohnheitstiere.

Was mich bei den Diskussionen im Presseklub so beschäftigte war der offenkundige Zusammenhang zwischen den verschiedenen Polen (alt und neu), den zunehmenden Spannungen zwischen den beiden und die daraus resultierende Notwendigkeit, Dinge mit Nachdruck nachverfolgen zu müssen, damit sie von Erfolg gekrönt sein können.

Das bemerkte ich kürzlich im Job – dort geht es seit einigen Wochen keinen Schritt vorwärts, wenn wir keinen Druck ausüben. Eskalieren. Es bedarf an allen Ecken und Enden einem deutlichen Nachdruck, um für Besserung zu sorgen. Mein klarer Wille und Fokus ist gefordert.

Ähnlich geht es mir in meiner Transition. Mein zweites Gutachten nebst Gerichtsbescheid lassen auf sich warten, auch die fachärtzliche Stellungnahme für die Bartepilation. Ohne Nachfragen, Telefonieren, sich in Erinnerung rufen…bewegt sich nichts. Oder zumindest nur sehr langsam. Die aktuelle Situation fordert von mir einen glasklaren Fokus auf das, was ich will. Und einen punktgenauen Einsatz meiner Energie auf diese Themen.

Eine weitere Ausprägung des Ganzen durfte ich dieses Wochenende mit meiner Tochter erleben. Stichwort Hausaufgaben. Oder Duschen. Oder Zähneputzen. Oder Regeln einhalten. Das mag auch ein wenig dem Alter geschuldet sein, vielleicht. Eine Parallele ist dennoch erkennbar: ohne klare Ansage war hier zu keinem Ergebnis zu kommen.

Und genau darin sehe ich die Aufgabe dieser Zeit. Meine Aufgabe, aber auch die eines jeden einzelnen: es scheint die Zeit gekommen zu sein, seine eigene Position zu beziehen. Eine Entscheidung zu treffen, zu sich selbst zu stehen und für die eigenen Werte zu kämpfen. Tut man das nicht, droht man unterzugehen.

Oder ist das allgemein so im Leben? Ich weiß nicht…ich meinen bisherigen knapp 40 Jahren meines Lebens, war das in der Form nie ein Thema. Alles waberte so vor sich hin. Vielleicht wird mir das im Augenblick aber auch nur so bewusst, weil ich mich endlich selbst finde und meine eigene Haltung entwickle. Ich beziehe meine Position und lasse mich nicht mehr herumschubsen.

Wohin das alles führen wird? Ich weiß es nicht. Für mich? Zu mir selbst.
Gesellschaftlich? Ich habe das dumpfe Gefühl, dass all diese Eskalationen auf einen bestimmten Punkt hinsteuern, an dem sich der ganze Druck entlädt. In welcher Form? Keine Ahnung. Was danach ist? Keine Ahnung.

Aber mein Gefühl sagt mir, dass es eine gute Idee ist, zu diesem Zeitpunkt seinen eigenen Platz im Leben zu kennen…

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