Misthaufen

Ist das heute einfach nur ein besonders mieser Montag oder ist hier was anderes im Busch?

Was könnte das sein? Ein unerkanntes Muster, das sich immer wiederholt und von dem ich nicht weiß, wie es zu durchbrechen ist? Was ist passiert?

Bevor ich dazu komme, sei kurz angemerkt, dass es in diesem Artikel recht ausführlich um Finanzen geht. Ich weiß, ein Tabuthema in Deutschland. Genauso wie Scheidungen, Rechtsstreit und – haha – Transidentität. Ich breche diese Tabus bewusst, da auch das Leben einer gut bezahlten, transidenten Projekt-Managerin in den besten Jahren rein gar nichts mit flauschigen Einhörnern zu tun hat, sondern eher mit stinkenden Haufen historischer Hinterlassenschaften eines Lebens, das insgesamt hätte wirklich besser laufen können. Ja, ich beklage mich vielleicht auf hohem Niveau. Aber soll ich deswegen all meine Probleme verdrängen und fröhlich hüpfend durch die Lande ziehen?! Wohl kaum.

Auch wenn ich viel habe, für das ich von Herzen dankbar bin (zum Glück!!!), ist es im Augenblick scheiße. Ja, mir geht’s richtig beschissen heute, ich weiß gerade nicht weiter und ich bin es leid, solche Lebenslagen mit einem „ja, danke, mir geht’s gut“ tot zu schweigen. Dennoch sei angemerkt, dass diese Phasen auch wieder vergehen und meine Artikel irgendwann demnächst sicher wieder positiver sein werden. Weil wegen Happy End und so. Denn wie eine Arbeitskollegin die Tage zu mir sagte:

„I think you are a romantic girl, right?“

Yes. Right. 

So, jetzt aber weiter im Text.
(Anmerkung am Rande: ich komme mir gerade wie eine Drama-Queen vor…WHUT?!)

Aktuelle Lage: ich habe mich mit zitternden Beinen auf’s Bett verkrochen, Wellen von Angst, Panik und Tränen überkommen mich. Schreiben hilft, aber gut macht es die aktuelle Lage in keiner Weise. Denn seit ein paar Tagen wackeln zahlreiche Säulen meines Lebens gleichzeitig und das überfordert mich massiv.

1. Akt

Mit meiner Transition hat das eher indirekt etwas zu tun, aber dieser Stress wirkt sich darauf aus, definitiv. Heute ist einer dieser Tage, da spüre ich dieses neue, schöne Gefühl von Weiblichkeit kaum. Es ist wie ein Rückfall in alte Muster und sobald mir das bewusst wird, überkommt mich Abscheu und Angst. Da hilft auch das Spannen in der Brust wenig, das vom positiven Fortgang der HRT kündet.

2. Akt

Das alleine wäre schon unangenehm genug, doch es wäre ja langweilig, wenn nicht noch mehr Mist passieren würde. Im Job stürzt seit letzter Woche wieder alles auf mich ein und überfordert mich dank der Flut an gleichzeitig eiligen Themen komplett, so dass ich teilweise einige Augenblicke vor dem Laptop hocke, den Bildschirm wie paralysiert anstarre und nicht mehr weiß, was ich machen soll. Mit klaren Gedanken ließe sich das wahrscheinlich ordentlich strukturieren und nacheinander abarbeiten, wenn sich der gesamte Organismus aber ohnehin schon im Alarmzustand befindet, ist an klares Denken und Handeln nicht mehr zu denken. Bewusste Auszeiten helfen da auch nicht, denn es kommt noch mehr…

3. Akt

Ich berichtete ja grob von den Unterhaltsstreitigkeiten der letzten Tage. Der schlussendlich zu zahlende Unterhalt ist mittlerweile dermaßen hoch, dass er mich finanziell in große Bedrängnis bringt, alldieweil durch die Transition hohe Ausgaben nötig waren und insbesondere für die Vornamens- und Personenstandsänderung auch noch auf mich zukommen. Ja, ich habe einen überdurchschnittlich bezahlten Job und ich zahle natürlich gerne Geld für meine Kinder. Für Zahlungen in dieser Höhe habe ich jedoch keinerlei Verständnis, wenn ich die Lebensverhältnisse der Kindsmutter mit meinen vergleiche. Auf einer Seite sehe ich ständig große neue Anschaffungen, während ich ein schlechtes Gewissen habe, mir mal ein Buch für 10 Euro zu kaufen. Wo ist da bitte die Gerechtigkeit?!

Anyway…dem geneigten Leser fehlen die Details, natürlich. Um es kurz zu machen: das geltende Unterhaltsrecht ist meiner Auffassung nach hochgradig ungerecht und bevorzugt die Kindsmütter in unverhältnismäßig hohem Maße. Zumindest in der Konstellation, wie sie in meinem Fall herrscht. Für andere Fälle mag ich jetzt nicht sprechen.

4. Akt

Als würde das alles nicht schon für schlaflose Nächte sorgen, so sorgt ein weiteres Thema für den krönenden Abschluss.
Vor etlichen Jahren hatte ich mit einem Geschäftspartner eine Firma gegründet, die aber nie wirklich profitabel wurde. Also entschloss ich mich 2019 dazu, auszusteigen. In der Folge leitete dies die Liquidation des Unternehmens ein. Nun bin ich in Sachen Internetrecherche wirklich nicht auf den Kopf gefallen, aber dieses Thema treibt mich dank deutscher Bürokratie an den Rande des Wahnsinns und der Verzweiflung. Bei all dem lief an verschiedenen Stellen dermaßen viel schief, dass uns das Finanzamt nun wirklich viel Geld schuldet, das Firmenkonto leer ist und wir Privatvermögen nachschießen müssen, um nicht kurz vor der Liquidation insolvent zu sein.
Referenz zum Kindesunterhalt: ich kann mir Unternehmereinlagen nicht mehr leisten…

Grand Finale

Nun haben all diese Themen etliche Facetten und eines gemein: mich. Immerhin mal ein Ansatzpunkt.

Also frage ich mich ernsthaft, was in aller Welt ich falsch mache oder falsch gemacht habe, dass es soweit kommen konnte! Mit einem echt gut bezahlten Job das Gefühl zu haben, am Existenzminimum zu verkümmern und sich außer den laufenden Kosten, im Grunde nichts Nennenswertes leisten zu können.

Was ist da los?! Was mache ich falsch?!

Als Kind konnte ich großartig Geld sparen. Oh ja. Mein Sparschwein wuchs und wuchs.
In den vergangenen Jahren ist hingegen das Gegenteil der Fall. Der finanzielle Wendepunkt war zurückblickend die Trennung und Scheidung von meiner Exfrau. Das war der Anfang vom finanziellen Ende. Zum Einen durch die miserable Gesetzgebung in Deutschland, die Väter meiner Erfahrung nach systematisch benachteiligt. Und ich bin wirklich die letzte, die nicht zahlen würde, was anderen rechtmäßig zusteht. Es geht um Fairness, Gerechtigkeit. Und diese vermisse ich hier seit Beginn der Trennungsauseinandersetzungen.

Und dennoch war es auch der Anfang einer Reise, die mich bis zum heutigen Tage in eine ungeahnte Freiheit geführt hat. Endlich habe ich mich selbst erkannt und kann meinen Weg gehen. Doch der finanzielle Preis dafür ist hoch. Sehr hoch! Und das beschäftigt mich oft von morgens bis abends, aus Angst wieder eine unerwartete Zahlung leisten zu müssen. Freude über erstattete Steuern zum Beispiel hält nicht lange an, denn ich kann beinahe den Wecker danach stellen: binnen kurzer Zeit passiert irgend etwas, das mir das Geld wieder wegnimmt. Oft auf völlig absurde Weise.

Es scheint ein Muster zu sein, aber ich weigere mich, daran zu glauben, denn erst dann kann es sich wirklich manifestieren. Doch es ist wirklich auffällig. Ich habe diese Abläufe über mehrere Jahre beobachtet und es läuft präzise wie ein Uhrwerk ab.

Wie im falschen Film ist das hier. Und wieder die Frage: was mache ich falsch? Was kann ich ändern?

Ist das der Preis?

Ist der Preis, endlich eine glückliche Frau sein zu dürfen, am Ende wirklich die Privatinsolvenz? Eine Art Strafe?! Oder ein kranker Tauschhandel? WTF?!

Für jedes kleine Stück Selbstverwirklichung, für jedes bisschen Rücksichtnahme auf meine eigenen Bedürfnisse, musste ich Zeit meines Lebens einen hohen Preis zahlen. Und dieses Muster scheint sich immer mehr zugespitzt zu haben, zuletzt eben in der Ehe. Für eine Stunde, in der ich mal allein sein „durfte“ und mit Zeit für mich gnädigst gewährt wurde, wurde ich mit Verachtung, Streit und Vorwürfen bestraft. Kein Wunder also, dass bei meiner Transition – dem ultimativen Schritt in Sachen Selbstliebe – das Strafmaß noch erhöht wird, oder?

Nein! Das kann es beim besten Willen nicht sein! Das klingt alles so dermaßen absurd. Und doch ist das Muster offensichtlich. Ich verstehe es nur einfach nicht.

Geht es darum, jetzt noch einmal (finanziell) durch die Hölle zu gehen? Zu sterben? Um dann wiedergeboren zu werden?

Wenn ja, warum? Und wenn nicht, was läuft dann hier?! Die Truman Show?

Ich weigere mich, diese Situation tatenlos hinzunehmen!
Ich war vielleicht (körperlich) ein „weicher“ Mann. Doch jetzt bin ich eine starke Frau, die diesen Mist aus dem Weg räumt und ihr Leben wieder in den Griff kriegt! Ich habe schon so viel Mist weggeschaufelt in meinem Leben, da wird mich auch dieser hier nicht lange aufhalten.

Vermutlich ist aber langsam mal der Umstieg von einer Mistgabel auf einen Bagger angesagt…

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