Heute Mittag war es soweit – das Erstgespräch beim Therapeuten stand auf dem Programm. Puh. Ein großer Schritt.

Der Schritt war umso größer, da ich dort in Frauenkleidung erscheinen wollte und dies auch tat. Das bedeutete natürlich auch, dass ich so in die Stadt fahren und vermutlich ein Stück durch die Straßen Düsseldorfs laufen musste. Das machte mich so unglaublich nervös im Vorfeld. Mein Magen protestierte schon, aber selbst gesteckte Ziel wollte ich unbedingt erreichen.

Am Ende war dann alles doch viel leichter, als zunächst angenommen – übrigens eine Erfahrung, die ich im Grunde jedes Mal gemacht habe, wenn ich mich etwas getraut habe, wovor ich vorher Angst hatte. Auf dem Hinweg lief ich in einer Gruppe von Menschen den Gehweg entlang, was zwar etwas kribbelig, aber keineswegs schlimm war.

Mein Therapeut machte einen sehr netten und professionellen Eindruck und kam auch ziemlich straight zum Punkt. Ich erzählte zunächst natürlich erst einmal ein wenig über mich, warum ich denn nun hier war. Da wir im Vorfeld aber schon einige Infos ausgetauscht hatten, fiel dieser Teil recht knapp aus. Vielmehr drehte es sich dann um die Problematik, die Therapie seitens der Krankenkasse genehmigt zu bekommen. Über den Umstand, dass ich ohne Gutachten 2 Jahre hätte pausieren müssen, waren letztlich weder mein Therapeut noch ich sonderlich happy. Er nicht, weil er doch einige Arbeit in ein Gutachten stecken musste und ich nicht, da ich unmöglich 2 Jahre warten kann – no way! In dem Punkt verblieben wir dann erstmal so, dass ich ein paar Hausaufgaben zu erledigen hatte: Schreiben eines transsexuellen Lebenslaufs, Ausfüllen eines dicken Lebensfragebogens und das Besorgen von Bescheinigungen über frühere Therapien.

Trotz oder gerade wegen des „drohenden“ Gutachtens machte mein Therapeut ein wahnsinnig engagierten Eindruck auf mich. Obgleich er viel Arbeit mit vielen weiteren Patient*innen hat, spürte ich sofort sein Commitment, ich zu unterstützen und mir meine Transition so schnell und unkompliziert wie machbar zu ermöglichen. Ohnehin habe ich das Gefühl, unwahrscheinliches Glück mit ihm gehabt zu haben, denn dank der 2-Jahres-Sperre wäre ich üblicherweise durch seine Filter gefallen und auf der Warteliste gelandet. Doch irgend einem glücklichen Umstand hatte ich es zu verdanken, den Termin doch schon jetzt bekommen zu haben.

Ich bin so unfassbar dankbar dafür!

Im weiteren Verlauf gab er mir noch Informationen zum möglichen Verlauf der Therapie, HRT, GaOP und zum Therapieformat – eine Gruppentherapie. Das finde ich ein spannendes Format, da es die Möglichkeit bietet, von anderen zu lernen, sich selbst einzubringen und Kontakt zu knüpfen. Da ich bis jetzt noch keine anderen Transpersonen kenne, finde ich gerade den letzten Punkt interessant.

Zu meiner Freude geht es morgen schon direkt weiter: ich werde einen Computertest mit 650 Fragen zwecks Vorabdiagnostik machen, auf dessen Ergebnis ich sehr gespannt bin!

Der Rückweg nach diesem reichhaltigen Termin verlief noch ein Stück entspannter. Blicke von Leuten machen mich nicht mehr so nervös und sogar ein angeschlossener Besuch bei der Packstation ging mir recht leicht von der Hand, obgleich nebenan eine Frau rauchend stand und mich etwas irritiert anschaute.

Hach, ich bin froh! Endlich habe ich mit meinen „Hausaufgaben“ mal ein paar handfeste Aufgaben, die ich erledigten kann, um die Transition anzuschieben. Fühlt sich gut an…

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