Kilometer 720 - Schild am Rhein

Heute verbrachte ich einige Zeit am Rheinufer, um zur Ruhe zu kommen. Es war nicht das Gleiche wie an der Nordsee, aber aus den schweifenden Gedanken entstand dennoch ein kleiner Text, den ich mit Blick auf mein aktuelles Leben als heilsam empfinde.

Fröhlich ist sie. Meine Maja.
Das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen. Blond, wie der Sand am Rheinufer, wenn die Sonnenstrahlen durch die Sommerwolken brechen und alles in ein gleißendes Licht tauchen.

Maja hüpft umher wie ein Flummi.
Von links nach recht, hoch zu den Wolken, platsch, ins Wasser und in Windeseile auf die knochige Weide hinter mir.

Was sie von dort oben alles sehen kann!
Eine Welt voller Möglichkeiten.

Freudig kreischend gleitet sie wie eine Möwe auf den Fluss hinaus, um „Patrick“ näher zu betrachten. Der Name kommt ihr vertraut vor und doch ist es nur ein lärmender Frachtkahn, der sich gegen die Strömung durch die Fluten wühlt.

Sie zieht ihre Nase kraus und hält sich die Ohren zu.
„Geh weg, du lautes Ungetüm“, ruft sie dem Kahn entgegen und saust zurück zum Strand.
Nur, um sogleich einem Fasan am anderen Ufer nachzujagen.

Der sanfte Wind pustet ihr durch das Haar, als sie zurückkehrt, sich in den Sand plumpsen lässt und einer brummenden Hummel hinterher schaut. Von einer Böe erwischt, schwankt diese bedrohlich durch die Lüfte.

„Mir ist langweilig“, quengelt Maja und vergräbt ihre kleinen Händchen im Sand.
„Das fühlt sich komisch an“, wundert sie sich, betrachtet ihr sandigen Finger und flitzt ans Ufer, um sich die Hände zu waschen.
Dabei grüßt sie eine vorbei segelnde Möwe, winkt energisch und spritzt dabei kräftig mit dem lauwarmen Uferwasser.

Als sie grinsend zurück gestapft kommt, betrachtet sie ein paar kleine rosa Blumen, die hier seit dem letzten Hochwasser den Boden bedecken. „Die Welt ist sooo spannend“, entfährt es Maja und beginnt, kleine Muscheln zu sammeln.

Ein schneeweißer Schmetterling landet auf ihrer Nase und kitzelt sie zart mit seinen Beinchen. Sie niest, wie nur sie niesen kann.
„Entschuldigung, lieber Schmetterling“, trällert sie dem erschrockenen Tier nach.

„7. 2. 0.“ liest sie langsam und einen Hauch gelangweilt.
„Ist dem Schild da drüben eigentlich nicht langweilig? Immer an der gleichen Stelle rumstehen … pfff!“ Sie wendet sich ab und hüpft freudig jauchzend mit nackten Füßen durch die sanften Wellen, die ein weiteres Schiff aufgewühlt hat.

Staunenden Blickes lässt sie sich von der funkelnden Wasseroberfläche verzaubern. Sie glitzert, als sei sie in Gold gegossen.
Und ein kleines Motorboot zieht geradewegs einen goldenen Teppich hinter sich her.

„Ich bin reich“, jubelt Maja und fällt mir ungebremst in die Arme.
„Weil … weißt du? Ich habe das alles hier, die ganze Welt. Und – ich habe dich!“
Sie gibt mir einen dicken Schmatzer und hockt sich neben mich.

„Ich bin müde. Ich will nach Hause“, gähnt sie und lehnt ihren Kopf an meine Schulter.

Ich lächle.
„Ohne dich wäre ich nicht vollständig“, erwidere ich nach einer Weile.
„Ich hab dich lieb, Maja.“

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