Every minute is a chance to change the world

Es begann mit einem zufälligen Mittagessen in der Kantine. Ein Gespräch, das eigentlich ganz harmlos startete, wurde politisch. Und am Ende stand da dieser Satz im Raum: Vielleicht braucht es ein Cheat Sheet gegen Faschismus.

Ihr Lieben,

dieser Artikel wird kein Spaziergang, kein gewöhnlicher Bericht aus meinem Leben.
Dieser Artikel fühlt sich für mich elementarer an. Und sogar ein wenig Angst vor Hate Speech schwingt mit. Und gleichzeitig ist Angst selten ein guter Berater. Daher mache ich heute (mal wieder) den Mund auf, weil ich (mal wieder) nicht (mehr) schweigen kann.

Siebenundzwanzig

Habt ihr eine Idee, wofür diese Zahl, siebenundzwanzig (27), steht?

Sie steht für einen Trend, der mir Angst macht. Für eine Entwicklung, die mich nachts aufschrecken lässt, wenn es in meiner Wohnung irgendwo knackt. Für Menschen, die bereit sind, eine fatale Entscheidung zu treffen und damit Geschichte wieder gefährlich nah an die Gegenwart rücken.

27 … Prozent. Das ist der aktuelle Umfragewert [1] der AfD im Bundestrend. Würde heute eine Bundestagswahl stattfinden, wäre sie damit stärkste Kraft vor der CDU. Damit wäre sie natürlich nicht unmittelbar an der Regierung, aber die Richtung ist klar, oder? Mehr als jede vierte abgefragte Wahlentscheidung landet damit bei einer Partei, die in Teilen rechtsextrem ist, weil … ja. Warum eigentlich?!

Die Gründe mögen individuell verschieden sein, doch die möglichen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind potenziell fatal. Doch lasst mich euch das anhand einer kleinen Anekdote etwas näherbringen:

Das Mittagessen

Vor ziemlich genau einer Woche trafen sich unsere Praktikantin und ich zufällig in der Kantine und da wir beide allein auf dem Weg zum Esstisch waren, taten wir uns kurzerhand zusammen. Da wir ohnehin ein vertrauensvolles und offenes Verhältnis miteinander haben, blieb unser Gespräch nicht an der Oberfläche, sondern schnell tauchten wir in tiefe, politische Themen ab (keine Ahnung, wie das plötzlich passieren konnte).

Da auch sie Teil einer Minderheit in Deutschland ist, waren wir uns schnell einig, dass der aktuell beobachtbare politische Trend nicht nur besorgniserregend ist, sondern in seiner weiteren (extremeren) Ausbaustufe real und wahrhaftig existenzgefährdend oder gar lebensbedrohlich für uns werden kann. Menschen, die nicht in das menschenverachtende Weltbild der Nationalsozialisten passten, wurden verfolgt, entrechtet, deportiert und ermordet. Dazu gehörten auch queere Menschen und viele andere Minderheiten.

Diese Feststellung ist zwar nicht neu. Aber in diesem Moment, als wir in dieser gut gefüllten Kantine saßen, uns im Stimmengewirr und Gewusel umsahen und die Belegschaft um uns herum wahrnahmen, lief es uns eiskalt den Rücken hinunter. Über ein Viertel der Menschen, die da saßen, würden rein statistisch betrachtet eine Partei wählen, die meine Existenz – und die von vielen anderen Menschen auch – infrage stellt und nicht mit der Wimper zucken würde, unsere Rechte von heute auf morgen einzuschränken und uns Schritt für Schritt zu entmenschlichen. Ich glaube, mehr brauche ich dazu an dieser Stelle nicht ausführen. Ihr habt mehr als genug Fantasie, euch die Konsequenzen selbst lebhaft ausmalen zu können. Doch für heute Abend ertrage ich keinen tieferen Tauchgang in diesen Abgrund.

Vielmehr möchte ich zu dem Teil unserer inzwischen fortgeschrittenen Mittagspause kommen, in dem wir uns ernsthaft fragten: Was können wir tun? Was wollen wir tun? Und was würden wir unseren Enkelkindern später mal sagen, wenn alles den Bach runtergehen sollte und sie uns vorwurfsvoll fragen: „Warum habt ihr nichts getan?
Ich gehe auf Demos, schreibe hier, poste in den sozialen Medien, spreche darüber. Und in meiner täglichen Arbeit im Coaching und in Trainings versuche ich, den Funken der Menschlichkeit und Empathie weiter in die Welt zu tragen. Und doch kommt es mir jedes Mal so vor, als wäre das weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn anderswo strukturiert und koordiniert gegen Minderheiten gehetzt wird. Ich will nicht einmal sagen, dass ich mich machtlos fühle. Vielmehr ist es oft pure Fassungslosigkeit, wie Menschen mit weit mehr Einfluss den Karren ganz offenkundig vor die Wand fahren. Ob aus freien Stücken, Ignoranz oder Inkompetenz. I don’t care, denn das Ergebnis bleibt das Gleiche.

Das Patent

Weißt du was“ sagt mein Gegenüber zu mir und kratzt die letzten Reste auf ihrem Teller zusammen. Ich blicke auf und sie setzt an: „Deine Cheat Sheets kommen doch überall total gut an. Vielleicht machst du einfach ein Cheat Sheet gegen Faschismus?

Kurzer Einschub: "Cheat Sheets" (zu Deutsch: "Spickzettel") sind einseitige Dokumente, die ich seit ca. 2 Jahren auf monatlicher Basis zu verschiedenen Themen aus den Bereichen Agiles Arbeiten, Coaching, Teamarbeit und Psychologie erstelle und die kurz und knapp Tipps und Hilfestellungen zu diesen Themen geben. Diese Dokumente erfreuen sich sehr großer Beliebtheit, sodass ich sie mittlerweile allesamt kostenlos auf einer eigens dafür geschaffenen Webseite online gestellt habe: https://cheat-sheets.julia-kalder.de/ 

Weiter im Text. „…ein Cheat Sheet gegen Faschismus“ wabert es durch meinen Kopf, der gerade noch damit befasst ist, all die vielen Reize in der Kantine einigermaßen sinnvoll zu sortieren und zu filtern. Dann beginnen meine Augen zu leuchten. „Asli, du bist genial“ entfährt es mir. „Das ist eine ganz fantastische Idee! Und wenn du erlaubst, verwende ich deine Idee und baue daraus etwas. Dann kann ich meine Fähigkeiten eben an dieser Stelle gut einbringen!
Ich erlaube dir, mein Patent zu nutzen“ grinst sie mich an. Ein neues Projekt ist geboren.

Das Wow

Einfach nur WOW, Julia“ strahlt es mir mit einem ausdrucksstarken Emoji in unserem Firmenchat entgegen, als ich das fertige Cheat Sheet heute Morgen mit meiner Patentgeberin teile. „Vielen, vielen Dank für dein Engagement!! Das Cheat Sheet ist perfekt und aktuell so wichtig“ schiebt sie nach. Wenig später – in der Mittagspause und genau eine Woche nach der Geburt der Idee – geht (m)ein leidenschaftlicher Beitrag bei LinkedIn online. Am Abend eine Story bei Instagram und nun hier im Blog.

Ja, ich habe Angst vor Hate Speech und Hasskommentaren, die auf diesen Artikel oder das Cheat Sheet folgen könnten.
Aber ich habe noch viel mehr Angst davor, irgendwann das Land verlassen zu müssen, um mein Leben zu schützen!
Und darum ist jetzt auch hier – für euch – mein „Cheat Sheet gegen Faschismus“. Grüße und Dank gebühren der lieben Asli für die Inspiration.

Das Cheat Sheet

An dieser Stelle sei explizit gesagt: Ladet es herunter. Teilt es. Verbreitet es. Postet es. Druckt es aus und legt es aus – mit Blick auf Papierverbrauch und Ressourcen natürlich bewusst.

Zeigt Haltung gegen Rechts. Nicht mit Hass. Nicht mit Gewalt. Sondern mit Klarheit, Solidarität, Menschlichkeit und dem Mut, nicht wegzusehen.

Lasst diese 27% nicht der Anfang von etwas sein, das wir in diesem Land schon einmal erlebt haben. Lasst sie ein Weckruf sein.

Und bevor ich euch nun den Link zum Cheat Sheet teile, möchte ich dennoch eine wichtige Sache anmerken, die nicht explizit im Cheat Sheet steht: Passt bitte auf euch auf! Zeigt Courage und achtet zugleich auf eure Gesundheit und Unversehrtheit.
(Tragisch, dass ich das dazuschreiben muss, aber dafür gibt es ja leider gute Gründe. Haltung zeigen bedeutet für mich nicht, Hass mit Hass zu beantworten. Es bedeutet, klar zu widersprechen, Menschen zu schützen und demokratisch zu handeln.)

Hier geht’s zum PDF-Download (deutsch und englisch):

📋 Gegen Faschismus — Cheat Sheet

Alternativ findet ihr das Cheat Sheet hier als Bilddatei:

Passt auf euch auf!
Alles Liebe,
eure Julia

Quellen:

  1. https://dawum.de/Bundestag/Infratest_dimap/2026-05-07/

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