Monheim Aalschocker

Am kommenden Montag werde ich drei Wochen hier in der Klinik sein. Die Zeit verging wie im Flug. Doch demnächst heißt es „Pfiat di, München!“ und „Hallo, Home Town!“ Deine Tochter kommt bald wieder heim!

Doch noch hat die Abreise etwas Zeit. Denn ein wenig schmerzhaft sind die letzten Tage ja schon und da helfen auch die  guten IBU 600 nicht mehr allzu viel. Und zwar aus zweierlei Gründen: Bougieren und Wundheilung.

Seit gestern darf / soll / muss ich vom sogenannten 3er Bougierstab (kleinste & dünnste Größe) nach 30 Minuten auf den 4er (eine Nummer größer und vor allem dicker) wechseln. Laut Dr. Taskov dann ab Sonntag sogar auf folgenden Rhythmus: 15 Minuten 3er, 30 Minuten 4er und 15 Minuten 5er.
Vor letzterem hab ich echt noch Respekt, weil der wirklich ne ganz Ecke dicker ist als der 3er. Und in Bezug auf (Dehnungs-)Schmerzen reicht mir der 4er aktuell echt schon aus. Nach dem Bougieren brauche ich erstmal eine Zeit, um wieder klar zu kommen, fühle mich dann regelrecht aufgespießt. Wobei es kein purer Schmerz ist, sondern eher eine Mischung aus Schmerz und einem diffusen Druckgefühl. Schön ist jedenfalls anders. Angeblich soll sich das mit der Zeit aber bessern.

Der zweite Schmerz kommt aktuell von der Wundheilung und vielleicht auch von der Neuverdrahtung der Nerven. „Das ist normal„, bekam ich da von Dr. Taskov nur zu hören. Immerhin keine weitere Entzündung. Von einer Bekannten habe ich erfahren, dass vor allem gegen die Nervenschmerzen kaum ein Kraut gewachsen ist. Da muss man einfach durch. Das merke ich nun auch. Manchmal durchzuckt eine Art dumpf stechender Schmerz vor allem die Labien (Schamlippen). Vor allem dann, wenn ich ungünstig liege und zu viel Druck auf den gesamten Bereich ausgeübt wird. Mit dem tollkühnen Versuch des Sitzens brauche ich gar nicht erst anfangen. Immerhin ein halb liegender Schneidersitz hat heute funktioniert.

Das hört sich jetzt allerdings alles schlimmer an, als es am Ende ist. Das lässt sich schon aushalten, ich jammere auf recht hohem Niveau. Ich werde aber dennoch froh sein, wenn diese Schmerzen irgendwann mal vorüber sind.

Juli’s Homecoming

Zwecks Planung meiner Rückreise wollte ich dann heute etwas konkreter wissen, wann ich denn nun die heiligen Hallen verlassen darf. Da Dr. Taskov noch ein paar Tage beobachten möchte, wie ich mit dem 5er Bougierstab / Dilator klar komme, einigten wir uns auf den 10.02. Dann werde ich knapp 3 1/2 Wochen hier gewesen sein. Wie lange ich dann noch daheim krankgeschrieben sein werde, wird sich zeigen. Da ich aber weiterhin nicht wirklich sitzen und nur eine gewisse Weile stehen kann, ist an Arbeiten noch nicht so ernsthaft zu denken. Davon mal abgesehen muss ich erst einmal meinen Alltag rund um das Bougieren und die Nachsorge organisieren. Das würde ich gerne in Ruhe machen, um nicht in der Eile etwas falsch zu machen und damit die Heilung zu gefährden. Sowas hat einfach oberste Priorität für mich.

Ach, apropos Arbeiten, ein kleiner Exkurs!
Da fällt mir ein, ich habe eine ganz unbedeutende Info an dieser Stelle noch nicht geteilt. Ich berichtete ja von meiner stressigen Zeit vor der OP wegen meiner Bewerbung. Doch was soll ich sagen?! Der Aufwand hat sich gelohnt!

Ich hab den Job bekommen!!! 🙂

Bald wird aus der „Projektmanagerin Julia“ die „Agile Organizational Coach Julia“. Und nein…das kann man nicht sinnvoll gendern. 😉
Ich bin super gespannt auf diese neue Herausforderung! Es wird viel strategische und konzeptionelle Arbeit auf mich warten, aber ich werde auch in Teams gehen und diese in agilen Arbeitsweisen coachen. Richtig cool!
Der Einstieg wird sicherlich eine steile Lernkurve beinhalten, da ich vieles von Grund auf für mich erst einmal strukturieren muss, aber da ich im Rahmen der Fallstudie ja bereits eine grobe Strategie für eine unternehmensweite agile Transformation erstellt habe, starte ich nicht völlig ahnungslos. 😀 Außerdem wohnt jedem Beginn immer auch gewisser Zauber inne. Und genau diesen Zauber liebe ich!
Ich bin dennoch etwas nervös deswegen, weil ich direkt von Anfang an gute Arbeit abliefern und einen Mehrwert für das Unternehmen und die Kollegen schaffen möchte. Außerdem sind die Erwartungen an den Job schon recht hoch und auch die Verantwortung ist nicht ohne. Es geht immerhin um nichts geringeres, als ein Unternehmen mit gut 55.000 Mitarbeitenden von streng hierarchischen Arbeitsweisen auf agile Arbeitsmodelle umzustellen. Das ist ein Mammutprojekt über Jahre, aber allein die Vorstellung, für so viele Menschen etwas zum Besseren bewegt zu haben – menschlich, zeitlich, finanziell, qualitativ – befeuert mich. Da steckt ein riesiges Potential drin, davon bin ich zutiefst überzeugt! Und ich habe die Ehre, der Organisation dieses Potential zu zeigen und den Weg zu weisen. Das ist schon ne Hausnummer, echt.
Ich bin ein wenig ehrfürchtig, aber das Feuer in mir lässt mich wissen, dass ich das zusammen mit vielen tollen Menschen schaffen kann!

Doch zurück zur Heimreise. So ganz klar ist mir noch nicht, wie ich die 4 bis 5 Stunden im Zug „über-stehen“ soll. Ein abgetrenntes Abteil mit möglichst viel Platz zu finden, damit ich auch mal aufstehen oder halb liegend auf dem Stuhl sitzen kann, ist schon eine gewisse Herausforderung. Und um ehrlich zu sein, graut es mir ein wenig vor öffentlichen Toilettengängen. Aufgrund der Infektionsgefahr. Und auf langes Warten in der Kälte am Bahnsteig habe ich wegen möglicher Unterkühlung auch wenig Lust – Thermo-Leggins, du wirst mir an diesem Tage hoffentlich gute Dienste leisten! Eigentlich sind das alles eher unbedeutende Kleinigkeiten, im Sinne der Vorsicht und Prävention aber durchaus Sachen, auf die ich Acht geben möchte und die mich beschäftigen. Auf eine weitere Blasenentzündung oder ähnliches kann ich echt verzichten. Aber irgendwie krieg ich das schon geregelt. Am Ende läuft eh immer alles einfacher, als ich es mir im Vorfeld ausgemalt hatte. 🙂

Zuwachs

Seit gestern habe ich übrigens wieder Zuwachs auf meinem Zimmer. Eine junge Frau, die vor 3 Tagen ebenfalls die GaOP hatte, liegt jetzt neben mir. Jetzt kann ich die Abläufe nach der OP nochmal aus der Distanz betrachten und die Arme tut mir echt etwas leid. Sie hat deutlich mehr mit Schmerzen zu kämpfen als das bei mir der Fall war. Nun kann ich quasi als „große Schwester“ schon ein paar meiner Erfahrungen weitergeben und ihr Tipps geben, so wie ihre Vorgängerin es bei mir getan hat. Das ist ja schon fast eine nette kleine Tradition.

Jetzt gerade wuseln hier Menschen durch’s Zimmer. Meine Zimmergenossin darf heute das erste Mal aufstehen (erfahrungsgemäß eine riesige Entlastung für den Rücken), erfreut sich dieser Bewegung und eine Krankenschwester bringt hier alles auf Vordermann. Da ist richtig Leben in der Bude. Ich merke dabei aber, dass so langsam bei mir echt die Luft raus ist, die große weite Welt ruft von Tag zu Tag etwas lauter. Trotz all der kleinen Fragen rund um die Abreise freue ich mich auf das monotone Rauschen und sanfte Schaukeln des ICE, die vorbei eilenden Landschaften und die genuschelten Ansagen des Lokführers.

Ich freue mich darauf, meine Lieben wieder in die Arme nehmen zu können!

Und auf ein ganz neues und doch irgendwie alt bewährtes Leben. 🙂

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