Callcenter

„Was war DAS denn?!“ Diese Worte kamen mir nach einem Anruf bei einer meiner Versicherungen heute unweigerlich über die Lippen.

Schon im April, direkt nach dem Erhalt meines Beschlusses zur Vornamens- und Personenstandsänderung, schickte ich eine Anfrage unter anderem an diese Versicherung, um meinen Namen und Geschlechtereintrag umzustellen und mir eine aktuelle Versicherungsurkunde auszustellen. Was folgte, war das lange Schweigen seitens der Versicherung. Nichts.

Wochen später fragte ich nach.
Dann nochmal.
Nichts.

War meine Anfrage überhaupt angekommen?!

Heute reichte es mir mit der Ungewissheit und ich hängte mich in die Warteschleife, die mir mit lustigen und interessanten Fakten angenehm gestaltet wurde. Warum das nicht schon mehr Unternehmen machen, ist mir ein Rätsel. Als ich meinen (wie ich später erfuhr) fast gleichaltrigen Sachbearbeiter ans Ohr bekam, hatte ich trotz Warterei gute Laune, denn die bildliche Vorstellung, dass gestresste Koalas Schluckauf bekommen, ließ mich doch verstärkt grinsen.

Nun, Stand der Dinge: meine Anfrage ist angekommen (immerhin), die Bearbeitungszeit betrage aber satte 10-12 Wochen! Wow! Andere Versicherungen haben das in einer (!) Woche geschafft! Anyway, immerhin war mein Antrag nicht in den Mühlen des Konzerns verloren gegangen und ich solle wohl sehr bald mit einer Bearbeitung rechnen dürfen.

Nachdem diese Kleinigkeit geklärt war, begann der obskure Teil des Gesprächs. Der hörbar unsichere Mitarbeiter fragte etwas sperrig, ob der Namensänderung eine Änderung des Geschlechtseintrages zu Grund läge, was ich bejahte. Stolpernd brachte mein Gegenüber dann seine eigenen Erfahrungen ins Gespräch, mögliche Schwierigkeiten und Herausforderungen in der heutigen Gesellschaft. Zwischendrin warf er dann noch versehentlich Transvestiten und Transidente in einen Topf. Der Arme schien wirklich leicht überfordert zu sein, mich an der Leitung zu haben. Das habe ich auch noch nicht erlebt…

Während wir so plauderten, kam plötzlich das Verbot von Blutspenden für Homosexuelle ins Gespräch, ein für mich doch eher überraschender Plot Twist. Mir drängte sich der Verdacht auf, dass ich es hier mit jemandem zu tun hatte, der selbst noch nicht geoutet war…aber was weiß ich schon?! Just wild guessing. Jedenfalls stolperten seine Aussagen herum wie ein Storch im Salat – oder besser im Minenfeld. Grundsätzlich wirkte er bemüht, seine Toleranz und Offenheit zu formulieren, stellte sich dabei aber wirklich, wirklich unbeholfen an. Irgendwie war er dabei ja ganz niedlich in seiner Hilflosigkeit. 🙂

Insgesamt war das Telefonat dann aber doch eher awkward und ergänzte das Gesamtbild, das ich von dieser Versicherung über die Jahr gewonnen habe. Wenig empfehlenswert, aber den Namen werde ich an dieser Stelle nicht öffentlich machen (Rückfragen bei Interesse gerne per eMail).

Es sei am Ende aber dennoch positiv hervorgehoben, dass er sich wirklich Zeit für das Gespräch nahm und interessiert war. Erlebt man auch nicht aller Tage…

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