Kriegerin des Lichts

Gestern Abend fand mich ein Buch. Zufällig? Wer weiß das schon?! Selten hat mich ein Buch derart tief berührt, mir aus der Seele gesprochen, mein Innerstes in ganz eigenen Worten dargelegt und etwas beschrieben, was ich zu großen Teilen „meine innere Wahrheit“ nennen würde. 

Ich war eigentlich nur auf der Suche nach einem neuen Hörbuch. Ich hatte in der virtuellen Bibliothek schon vor einiger Zeit herumgestöbert, aber nichts wirklich passendes gefunden. Zuletzt mühte ich mich durch ein philosophisch-psychologisch geprägtes Buch, das die Lehren nach Alfred Adler in Geschichtsform darlegte.

Doch dieser Tage steht mir der Sinn nach Weiblichkeit als Thema. Da fiel mir gestern Abend dieses Buch ins Auge:

„Das Handbuch der Kriegerin des Lichts“.

Offen gestanden: den Titel fand ich wirklich kitschig und wenig ansprechend. Doch der Klappentext ließ mir den Mund offen stehen und hatte mich binnen Sekunden gefesselt. Was stand da?

Das Hörbuch ist eine kraftvolle Inspiration für eine neue Weiblichkeit in Führung. Die Kriegerin des Lichts ist ein weiblicher Archetyp, der dem spirituellen Aspekt einer Frau wirksamen Ausdruck in der Welt verleiht (…).
Naja, ein netter Anfang. Denn einst sagte eine Kollegin und Freundin, mit der ich tief verbunden bin, zu mir und über mich:
It’s true that having good people around helps. But what I see is a leader that stands beside them. Knows what (s)he is doing. Knows where the destination is and supports them.
Daran muss ich oft denken, vor allem im beruflichen Kontext. Aber nicht nur. Auch meine Transition fordert eine gewisse Führungsrolle von mir. Für mich selbst, für mein Umfeld und für die Gesellschaft. Denn „Sie in Ihrer Generation sind Vorreiter, Wegbereiter für die Nachfolgenden“, ließ uns mein Therapeut vor einigen Wochen wissen. Eine große Aufgabe, aber auch eine große Ehre, wie ich finde. Ich stand schon immer gerne vorne, habe für Neues gekämpft, mir eine blutige Nase geholt, meine Wunden geleckt und am Ende doch gewonnen. Und das sage ich mit gesunden Stolz und ohne Hochmut. Doch zurück zum Klappentext, denn der eigentliche Hammer für mich kam erst noch:
Es ist allen Frauen gewidmet, die sich derzeit in widrigen Umständen behaupten oder sich ohne Vorbild in einer Nadelöhr- oder Tunnelsituation befinden, Frauen, die ihren möglicherweise gegenwärtig etwas beschwerlichen Weg in einen größeren und sinnvollen Zusammenhang einordnen wollen, sowie denjenigen, die das Bedürfnis verspüren, ihr Gefühl für ihre eigene Würde zurück zu erhalten. Es ist entwickelt für Frauen, die fremdes Terrain zu erkunden und zu erobern haben, eine eigene Sprache von Macht und Führung in einem noch fremdsprachlichen Land entwickeln müssen und deren tiefste Leidenschaft dem wirksamen Gestalten einer besseren Welt gilt – sowie deren Gefährten und Gefährtinnen, die sie darin gerne besser verstehen, unterstützen und begleiten möchten.
All die fett gedruckten Aspekte lösten mit jedem Wort ein immer lauter werdendes „JA!“ in mir aus. „JA! JA! JA! Das ist mein Buch!“
Widrige Umstände? Ja, ich denke, eine Transition kann man dann und wann als solche bezeichnen.
Ohne Vorbild? Ja, weitgehend. Natürlich gibt es Transfrauen, die diesen Weg schon vor mir gegangen sind. Aber dennoch ist es ein schmaler Pfad, eine „Tunnelsituation“, durch die ich zu großen Teilen alleine hindurch muss.
Die Suche nach dem größeren Zusammenhang? Selbstverständlich! Denn nichts hat meinem Leben bislang derart viel Sinn verliehen und Puzzleteile an die richtige Stelle gerückt, wie all das hier.
Fremdes Terrain erkunden und erobern? Oh ja, aber sowas von! Nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Gesellschaft.
Macht und Führung? Mit dem Wort „Macht“ tue ich mich etwas schwer, aber ich spüre seit einiger Zeit eine Art „Führungsdrang“, den ich überwiegend im Arbeitsumfeld als Projektleiterin ausleben kann. Auf ganz und gar weibliche Art und Weise. Mit viel Empathie, mit Bedacht auf das Team und die Individuen darin. Und beinahe wie natürlich begannen  Kollegen mir in den vergangenen Jahren  zu folgen. Das ist manchmal noch etwas seltsam für mich, denn wem Menschen folgen, hat niemanden vor sich, an dem man sich orientieren könnte. Diesen Job übernimmt seit einiger Zeit mein innerer Kompass, mein Bauchgefühl, meine Intuition.
Eine bessere Welt? Wenn ich eines Tages die Bühne dieser Erde verlasse, möchte ich sie ein klein wenig besser gemacht haben. Nach dem „Wie“ habe ich mein Leben lang gesucht und tue es noch immer, doch ich denke, die Richtung wird langsam deutlicher.
Kurzum: das Hörbuch MUSSTE ich einfach kaufen. Und der Inhalt hätte mich noch mehr vom Hocker gerissen, wenn ich nicht schon warm eingekuschelt in meinem Bett gelegen hätte. Es war, als lese die Sprecherin direkt in meiner Seele, meiner Biografie und meiner tiefen inneren Wahrheit. Ich konnte einfach nicht anders, als das Buch bis zum Ende durchzuhören.
Dabei stieß ich auf Stellen, die meiner Vergangenheit entsprechen. Später auf Stellen, die meine Gegenwart sehr deutlich beschreiben und dann wiederum Stellen, die ich als meine eigenen Baustellen ausgemacht habe und an denen ich noch arbeiten möchte – die also meine mögliche Zukunft umreißen.
„Kriegerin des Lichts“ mag sehr heroisch klingen und ich finde es gar etwas übertrieben. Doch mein Ego kommt nicht umhin, sich dennoch etwas gebauchpinselt zu fühlen und stellt am Ende dann doch fest: möglicherweise ist das tatsächlich mein Weg?! Der Einsatz für eine bessere Welt – und zwar vor dem Hintergrund meiner ganz speziellen Biografie.
Falls in diesem einen Jahr, in dem dieser Blog mehr und mehr Gestalt angenommen hat, noch nicht klar geworden ist, was tief in mir vorgeht, so vermag es dieses Buch auf den Punkt zu bringen. Ich hätte es niemals derart treffsicher formulieren können, aber es liest sich wie ein Teil von mir. Wenn also ein Bedarf an Bettlektüre besteht: bitte sehr!
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