Regenbogenflagge am Rathaus Düsseldorf

Was für ein Sonntag: Bucketlist Eintrag „Auf eine Demo gehen“: Check! Wegen meiner Transidentität diskriminiert werden: Check!

Morgen ist der internationale Tag gegen die Diskriminierung von LGBTIQ+ Menschen (kurz: IDAHOBIT). Zu diesem Anlass fand heute in Düsseldorf eine bunte Demo mit eben diesen Menschen statt. Und dank ein paar tapferer Mitstreiterinnen durfte ich heute an der ersten Demo meines Lebens teilnehmen. Das hatte ich mir schon recht lange vorgenommen, allerdings nie ein Demo-Thema gefunden, was mich so gekickt hat, um alleine dort hin zu gehen. Doch für die Rechte von LQBTIQ+ einzutreten? Was läge näher? Und mit mehreren Leuten macht das ohnehin mehr Spaß!

Die Demo an sich war nicht allzu groß. 100 – 150 Leutchen vielleicht. Aber angesichts der Corona-Maßnahmen auch völlig ok, es war schon so nicht einfach, den  Mindestabstand einzuhalten, obgleich das an der frischen Luft noch vergleichsweise entspannt ablief. Ein Teil der Demo fuhr auf dem Fahrrad durch die Stadt, während wir per pedes Richtung Rathaus folgten. Ein paar warme Worte des Oberbürgermeisters, ein bisschen Musik und eine kurze Rede des Organisators bildeten dann noch den Abschluss der friedlichen Veranstaltung.

FCK AFD - AfD raus aus den Parlamenten
Diese Postkarte wurde auf der Kundgebung verteilt. I love it!

„Insgesamt aber doch eher eine lahme Veranstaltung“, gestand ich den anderen ein. Also, versteht mich nicht falsch: die Demo finde ich super wichtig und es war definitiv ein Erlebnis. Aber die meiste Zeit verbrachten wir mit Warten und Rumstehen. Nun ja. Aber hätte ich mal nicht zu laut unken sollen, denn das dicke Ende kam erst noch.

Da das Wetter mild und trocken war, gönnten wir uns auf dem Rückweg noch ein Eis. Als ich aus der Eisdiele zurück zu den anderen kam, hatten sich zwei Teenager-Mädchen dazu gestellt und schienen zunächst interessiert zu sein am Thema „trans“. „Seid ihr alle trans?!“, fragten sie scheinbar neugierig? „Werdet ihr nicht diskriminiert?“ Soweit alles noch im grünen Bereich. Dann kippte der kleine Plausch allerdings plötzlich. „Alter, das sind 4 Männer!“, fing die eine an zu lachen. „Meine Eltern würden sowas niemals akzeptieren!“, schob sie nach. Auf die wiederholte Bitte, uns nicht „Männer“ zu nennen, wiederholte sie es nur extra noch mehr. „Also, bist du jetzt ein Mann?“, fragte sie eine meiner Begleiterinnen? „Nein“, entgegnete diese entschlossen. „Bist du eine Frau?!“, kam dann hinterher. „Jaaa“„Ey, und warum hast du dann so eine komische Stimme?!“

In dieser Form ging es noch ein paar Mal hin und her das Verhalten der Teens begann an Belästigung zu grenzen. Ernsthafte Antworten auf pseudo-ernsthafte Fragen fielen ins Leere, immer wieder: „Das sind 4 Männer, krass!“ 

Das ganze endete dann mit einem kurzen Schlagabtausch und dem Ergebnis, dass wir uns von den beiden abwandten und sie dann weitergingen. Während sie sich langsam entfernten hörte ich mit einem Ohr noch eine Frau neben mir etwas sinngemäß sagen wie: „Die vier sind mehr Frau als die beiden zusammen.“

Tja…alles in allem war das nun keine krasse Diskriminierung im Vergleich zu vielen anderen. Und diesen scheinbar unreflektierten Teenagern war der Fame für den Moment offenbar wichtiger, als sich mit dem Thema zu befassen. Insofern sollte es kein großes Ding sein, oder?

Ist es aber irgendwie doch. Es beschäftigt mich sehr, zumal es das erste Mal war, dass ich offen für meine Transindentität angefeindet wurde, wenn auch auf kindische Art. Es zeigt jedoch das zu Grunde liegende Unverständnis und fehlende Wissen in breiten Schichten der Gesellschaft. Und zudem ist es Zeugnis tradierter Rollenbilder, die in gewissen Kulturkreisen unserer Gesellschaft herrschen.

Doch für eines war dieses Ereignis gut: es hat mich darin bestärkt, mich weiterhin für Trans*Personen und deren Recht einzusetzen und für Aufklärung zu sorgen. Ich wünsche mir, dass LGBTIQ+ Themen auch Einzug in den Lehrplan der Schulen finden und sich betreffende Kinder nicht länger verstecken müssen.

Es scheint mir noch ein langer Weg dorthin zu sein, aber lobenswerte Gegenentwürfe wie z.B. fast mein gesamtes Umfeld zeigen eindrücklich, dass Trans*Personen auch ohne Diskriminierung leben können.

Update: Es heißt natürlich IDAHOBIT, nicht IDOHOBIT…

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