Von mehr Normalität, Mapas, Pamis und Väterinnen

Die vergangenen Wochenenden – vor allem aber das zurückliegende – sind mir rückblickend sehr nahe gegangen. Sie waren überwiegend erfüllt von Freude, Lachen und Nähe. 

Worauf ich hier Bezug nehme, sind natürlich im Wesentlichen meine Kinder. Aber nicht nur – meine Eltern haben da auch eine wesentliche Rolle gespielt. In den vergangenen Wochen wurde unser Miteinander insgesamt entspannter. Ernsthafte Spannungen hatten meine Kids und ich eigentlich nie, es schwebten aber bisweilen seltsame Vibes durch die Luft, die ganz offenkundig mit meiner Transition zu tun hatten. Ich berichtete ja, dass vor allem meine ältere Tochter so ihre Schwierigkeiten damit hat.

Doch insbesondere an den letzten beiden Wochenenden, wo sie bei mir waren, verbrachten wir unsere Zeit mit viel Ausgelassenheit miteinander. Wir zauberten gemeinsam tolle Kuchen oder Abendessen in der Küche, spielten Brettspiele oder kuschelten uns gemeinsam für einen Kinoabend auf die Couch. Klar war nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen, schon gar nicht, wenn noch lästige Hausaufgaben für die Schule zu machen waren oder man sich partout nicht einigen konnte, wer nun wo am Frühstückstischen sitzen solle. Das gehört irgendwie auch dazu, denke ich.

Insgesamt betrachtet nehme ich aber wahr, dass die Kinder und ich wieder (oder noch mehr) zusammen rücken. Die emotionale und körperliche Nähe ist wieder da (wobei sie nie wirklich weg war), eine generelle Leichtigkeit ist wieder eingekehrt. Und eine Lebensfreude, die ich selten in dieser Intensität wahrgenommen habe.

Auf der Rückfahrt zu ihrer Mutter lachten sie sich sogar auf der Rückbank darüber kaputt, sich alternative Namen für mich auszudenken. „Mapa“, „Pami“, „Pamara“, „Väterin“ und am Ende kam sogar „Kamera“ und „Tamara“ dabei raus. Das schöne an der Situation war, dass sie auf natürliche Weise entstand. Ich hätte das Thema von mir aus nicht angesprochen, sondern wir kamen darauf, dass sie mich manchmal Mama nennen – allerdings eher aus der Gewohnheit heraus, wenn man viel mit einer anderen Person zusammen ist. Darauf hin erwiderte ich, dass „Mama“ ja im Grunde auch gar nicht so falsch sei. Und sie könnten mich nennen, wie sie es gerne machen würden. Ob Mama, Papa oder etwas ganz anderes – das würde ich ihnen überlassen.

Dennoch erschien es mir richtig und wichtig auch auszudrücken, dass es für mich komisch und unangenehm ist, in der Öffentlichkeit „Papa“ gerufen zu werden. Ein unbestreitbarer Fakt, von dem ich mir nicht sicher war, ob die Kinder damit umgehen können oder sollten. Wichtig war mir daher, es ganz ihrem Tempo und Empfinden zu überlassen, wie sie mich nun nennen wollen – und daraus entstand eben witzigerweise ein ausgelassenes Wortkreationsspiel. Beim Abschied blieb es verständlicherweise bei „Papa“ – ich habe aber gemerkt, dass das Thema uns drei beschäftigt und mit zaghaften Schritten auf die Agenda rutscht.

Was ich an dieser kurzen Begebenheit so bemerkenswert finde ist der Umstand, wie sich Dinge Schritt für Schritt auf natürliche Weise anbahnen und ihren Lauf nehmen.

In anderem Kontext lernte ich mal den Spruch: „Trust the process.“

So ist es wohl. Vertraue dem Prozess – und bis jetzt fahre ich damit erstaunlich gut.
Ich bin gespannt auf das Ergebnis.

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