Duftöl in Glasflasche

Wusstest du, dass es Massagegeräte für den Kehlkopf gibt?

Nein? Ich bis heute auch nicht. Am Anfang der heutigen Logopädiesitzung kamen wir darauf zu sprechen, da meine Stimme insgesamt schon arg gereizt war. Also bekam ich 15 Minuten mit einem speziellen Gerät den Hals, respektive Kehlkopf massiert. Anfangs fühlte sich das etwas seltsam an, als würde es mir die Luft abdrücken. Trotz dieses Gefühls konnte ich weiterhin atmen und sogar sprechen. Gaaanz kurios. Aber am Ende doch erstaunlich entspannend. So entspannend, dass ich ein paar Minuten die hohen Töne nicht einmal mehr ansatzweise erreichen konnte, weil die Stimmbänder so entspannt waren. 

Tja, wieder etwas gelernt, gell? 🙂 

Mal abgesehen von Massagen mache ich aber dennoch wieder leichte Fortschritt mit der Logopädie. Mini-Schritte wie schon zuvor, aber immerhin. Ich kämpfe im Augenblick noch immer damit, den Kehlkopf bewusst anzuheben und oben zu halten. Wie das gehen soll? Probier mal folgendes:

Schlucke einfach mal. Doch anstatt den Kehlkopf in der Mitte des Schluckvorgangs wieder abzusenken, versuche ihn oben zu halten. Jaaa, das ist schon schwierig. Doch es wird noch besser! Am Anfang bleibt einem nämlich nichts anderes übrig, als die Luft anzuhalten, da der angehobene Kehlkopf die Luftröhre verschließt – was rein anatomisch auch total sinnvoll ist, sonst würden wir uns laufend verschlucken.
Doch jetzt kommt Level 2: wenn der Kehlkopf nun so locker flockig da oben rumhängt, atme weiter. Und wenn das klappt, erzeuge mal einen Ton, der einem „e“ oder „i“ ähnelt. 

Geschafft? Wenn ja, meinen allerhöchsten Respekt, ich finde das unglaublich schwierig. Und sogar meine Logopädin hat damit so ihre liebe Not. 

Sinn des Ganzen ist natürlich, die betreffenden Muskeln bewusst steuern zu können, da ein gehobener Kehlkopf sich unmittelbar auf die Stimmlage auswirkt, da die Kehle verengt und der Ton damit höher wird. 

So weit, so gut. Meine anderen Übungen bestehen derzeit aus Sätzen mit zwei Worten – so etwas wie „Wie schön!“ oder „Halt mal!“. Die Herausforderung hierbei ist, diese in der Kopfstimme zu sprechen und damit aber eine vernünftige Amplitude hinzubekommen, damit es nicht zu monoton, zu flach klingt. 

Schreibwahn

Der Video Call mit meinem Gutachter und das spontan verfasste Gedicht gestern haben offenbar meine Schreibkanäle wieder etwas geöffnet. Jedenfalls kommen mir seither ständig Wort- oder Satzfetzen in den Sinn, um die ich dann gelegentlich ein Gedicht oder Fließtext stricke. So auch heute, denn schon eine ganze Weile nehme ich eine Art Gedankenaustausch zwischen zwei Anteilen in mir wahr.

Der eine Anteil ist der alte, männlich sozialisierte. Der andere ist weiblich. Noch am Anfang meiner Transition war dieser weibliche Anteil ganz klein und leise. Schüchtern, verängstigt. Wie ein inneres Kind, das ein Leben lang weggesperrt war. Doch von Tag zu Tag wird dieser Anteil mächtiger und übernimmt immer mehr die Führung. Heute fühlte es sich so an, als hätten die Rollen getauscht. Der männliche Teil war ganz klein und ängstlich und wollte noch nicht so ganz loslassen, weil er Angst vor der Zukunft hatte. Doch der weibliche Anteil nahm ihn an die Hand, machte ihm Mut und machte deutlich, dass all diese Anteile eins sind: ich. Julia. 

Julia ist stark. Ich bin stark. Sie weiß, was sie will und wie sie es bekommt. Ich weiß es.
Und dieser weibliche Teil ist mittlerweile groß genug, um den kleinen Jungen an die Hand zu nehmen und die Führung zu übernehmen. Das konnte ich damals in meiner männlich sozialisierten Identität nicht. Trotz Seminaren über das innere Kind. Irgend etwas war immer unstimmig. Jetzt weiß ich auch warum und der ängstliche kleine Junge, der mein inneres Kind früher einmal war, braucht keine Angst mehr zu haben. Julia ist nun groß und kann ihn beschützen. Kann sich beschützen. 

Ok, lassen wir die Persönlichkeitsanteile mal Anteile sein und führen die Fäden wieder zusammen:
Das fühlte sich heute nach einem weiteren Schritt in Richtung „Integrität meiner Selbst“ an. Natürlich sind da noch immer Ängste aus meinem alten Leben. Doch mehr und mehr spüre ich Selbstliebe und kann diese Ängste besser annehmen, anstatt sie zu bekämpfen, wie ich es mein Leben lang tat. Und das Annehmen bewirkt Wunder. Es öffnet den Blick für Möglichkeiten und lässt mich zielstrebig meinen Weg gehen.

Manche finden das mutig. Manche bewundern meine Entscheidung.
Als mutig habe ich mich niemals empfunden. Und eine Entscheidung kann man nur treffen, wenn man Optionen hat. Die hatte ich aber nicht. 
Doch heute hat sich etwas geändert. Ich hätte möglicherweise andere Optionen gehabt, die wären nur allesamt nicht gesund für mich gewesen. 
So habe ich am Ende doch eine Entscheidung getroffen. Ich habe „Ja“ zu mir selbst gesagt und trotz großer Zweifel die Leinen gelöst und bin ins Ungewisse gesegelt. Und weißt du was? Das war genau richtig. Ich würde nichts, was seit letztem Jahr im Juni passiert ist, anders machen. 
Ich bin heute innerlich nochmal so viel mehr ich selbst geworden, dass mir das Leben, das ich noch vor einem Jahr führte, bereits irreal erscheint.

Ja, die Transition und die Hormone machen viel mit mir. Aber nicht nur körperlich. Die viel größeren Veränderungen geschehen in meiner Psyche. Denkweisen. Einsichten. Gefühle. Wahrnehmungen. Abfallende Spannungen. Es geschieht Heilung, sowie ich die Waffen niederlege, die ich Zeit meines Lebens gegen mich gerichtet hatte. Erlösung kann nicht realer sein. 

Vor dem Hintergrund des inneren Kindes brachte ich heute Abend zwischen Salat und Räucherlachs einige Zeilen zu Papier, die hier Erwähnung finden sollen. Sie sind direkt, ungefiltert, unbearbeitet. Raw content from my brain.

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