Junge Frau mit Schäfchen

Diese Woche fühlt sich nach Fortschritt an. In mehrerlei Hinsicht.

Drei maßgebliche Themen hatte die heutige Woche: Logopädie, HRT und Perücke. Eigentlich auch noch die Vornamens- und Personenstandsänderung, aber das Thema ist mangels Zeit für einen Anruf beim Amtsgericht dann doch liegen geblieben.

Logopädie

Da sind sie, die Spinnen und Schafe! Denn diese Woche lernte ich nach 2-wöchiger Pause neue Übungen kennen, um ein bisschen mehr Volumen in die Kopfstimme zu bekommen. Dazu zählten zum Beispiel die Laute „Bäh“ und „Mäh“. Für das „Bäh“ durfte ich mir etwas abstoßendes vorstellen und es dann auch genauso ausdrücken. Das waren die Spinnen, diese krabbeligen, pelzigen. Iiiiihh. Beim „Mäh“ liegt das Schaf auf der Hand, allerdings ersetzten wir es dann durch ein etwas ernsthafteres „Päbäh“. Und jedes Mal ist dabei auf die Kopfstimme zu achten, jedoch ohne dabei nasal zu klingen. Eine ziemliche Herausforderung, aber machbar.

Schwerer fällt mir nun tatsächlich, das Ganze zu Hause weiter zu üben und das Feedback zu bekommen, ob die Richtung stimmt. Was mir aber Motivation gibt ist der Umstand, dass wir langsam mit dem Formen kurzer Worte begannen. So etwas wie „egal“ oder „Esel“. Der Bezug zur realen Sprache ist für mich ein riesiger Meilenstein, auch wenn ich noch weit davon entfernt bin, mit dieser Technik ganze Sätze zu bilden.

Positiv war über dies, dass ich offen darüber sprechen konnte, wie schwer mir die Übungen daheim fielen und wie viel Überwindung mich es kostet, die Stimme selbst im vertrauten Rahmen der Logopädie zu verändern. Allein das zu formulieren und mich verstanden zu sehen, nahm mir Last von den Schultern und machte mich bei den folgenden Übungen entspannter.

HRT

Für Anfang Januar habe ich nun einen Termin bei meinem Frauenarzt für die 3-Monatskontrolle. Dort wird dann der Hormonspiegel geprüft und geschaut, wie wir weiter mit der Dosierung des Östrogens umgehen werden. Ich bin super gespannt auf das Ergebnis. Wenn ich vom Bauchgefühl her raten darf: mein Testosteronspiegel ist noch zu hoch und die Dosis dürfte höher sein. Mal sehen, ob ich richtig liege…

Perücke

Nach urlaubsbedingter Wartezeit konnte ich endlich alle Unterlagen für die Beantragung der Kostenübernahme meiner richtig tollen Perücke an die Krankenkasse schicken. Haken dran. Jetzt heißt es: warten und Daumen drücken, dass die Kasse möglichst viel der knapp 1.800€ übernehmen wird…

Status Hormontherapie & Sexualität

(Achtung, jetzt wird’s intim. Wem das unangenehm ist, möge hier bitte aufhören zu lesen!)

Mal abgesehen vom Termin im Januar geht es mir augenblicklich mit den Hormonen sehr gut. Gestern gab es allerdings eine interessante Situation: bei einer beruflichen Telefonkonferenz ging es um ein schon länger heiß diskutiertes Thema. Früher war ich in solchen Calls üblicherweise sehr diplomatisch und ließ die anderen eher gewähren. Nicht so gestern. Meine Emotionen kochten recht schnell hoch und ich tat, was ich selten tat: ich wurde sehr deutlich, mit fester Stimme und ich pochte wiederholt darauf, dass man mich ausreden ließe. Im Nachgang war ich mir unsicher, ob ich etwas ZU deutlich (= zickig) geworden war, aber da sich keiner der Teilnehmer beklagte, schien es wohl noch im Rahmen geblieben zu sein. Und es fühlte sich sooo gut an. Irgendwie machtvoll, energiegeladen. Gut so.

Wie oben schon angemerkt, denke ich, dass mein Testo-Spiegel noch zu hoch ist. Neben einem schlichten, faktisch nicht belegbaren Gefühl mache ich das vor allem an der anhaltenden Libido und der fast vollkommen verschwundenen Spannung in der Brust fest. Obgleich ich meinen aktuellen Sex-Drive eher als lästig und unangemessen empfinde, fordert die Natur ihren Tribut. Ein Ignorieren meiner Lust macht mich neuerdings komplett rappelig und unruhig. Das war früher nicht so, da konnte ich gut und gerne ein paar Wochen ohne jedwede sexuelle Handlung auskommen. Und selbst wenn kurzfristig Lust aufkam, konnte ich sie gut bei Seite schieben, wenn es gerade nicht passte. Das hat sich recht grundlegend geändert, schwierig es in Worte zu fassen.

Am ehesten würde ich es als (Wieder-)Entdeckung der Lust am eigenen Körper bezeichnen. Was mir vollkommen plausibel erscheint, denn immerhin gleicht sich mein Körper Zelle für Zelle meinem wahren Geschlecht an. Während früher das Empfinden der Lust zu fast 100% auf Penis und umliegendes Gewebe beschränkt war, teilen sich mittlerweile Schoß und Brust (und zu kleineren Anteilen auch der Bauch) diese Empfindungen, tagesformabhängig in unterschiedlicher Gewichtung.

Auch widerstrebt mir zunehmend das klassisch-männliche Masturbieren mit der Hand. In der Tat fühlt sich diese Entwicklung wie eine Rückkehr zu meinen „unkonditionierten Wurzeln“ an. Als Kind hatte ich meine ganz eigene Technik entwickelt, mich zu befriedigen. Ich klemmte mir das unerwünschte Anhängsel zwischen die Beine und erzeugte damit Reibung. Erst in der Pubertät zwang ich mich dazu, die Hand zu verwenden, so wie es ja wohl alle Jungs machen „mussten“. Ich erinnere mich noch deutlich, wie befremdlich das für mich war und eine ganze Zeit lang auch überhaupt nicht funktionierte. Surprise, Surprise!
Zu dieser Methode kehre ich aktuell tatsächlich wieder zurück, auch wenn sie vielleicht etwas ungewöhnlich erscheinen mag. Doch so lange die ersehnte Operation noch vor mir liegt, kommt das dem Frausein irgendwie noch am nächsten und fühlt sich einfach „richtiger“ an, als alles andere.

Nun, sollte mein Bauchgefühl in Bezug auf meinen Hormonspiegel mich nicht getäuscht haben, hoffe ich sehr auf eine höhere Dosis Östrogen und eine „Beruhigung“ meines Körpers. Denn jegliche wie auch immer geartete sexuelle Handlung ist derzeit unweigerlich mit einem gewissen Maß an Leid verbunden, weil ich in diesem Fall natürlich ganz besonders auf mein falsches biologisches Geschlecht hingewiesen werde.

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