FAQ: Wie haben deine Kollegen reagiert?

Ganz großartig! Es macht mich selbst in der Rückschau noch sprachlos, wie offen, wertschätzend und unterstützend meine Kollegen reagiert haben. Einige haben mich direkt zu einem Gespräch bei einem Kaffee eingeladen (vorwiegend Frauen), es gab aber auch einige, die gar nicht reagiert haben – was auch vollkommen in Ordnung für mich ist.

Meinem Team gegenüber outete ich mich mit eine kleinen Video, da ich keine großen Worte (mehr) verlieren wollte. Einige Kollegen hatten danach Tränen der Rührung in den Augen. Für den erweiterten Kollegenkreis verfasste ich eine eMail (s.u. – darf gerne kopiert und als Vorlage verwendet werden), die recht große Kreis schlug. Sogar die globale Personalchefin hörte davon und traf sich letzten Ende zu einem sehr wertschätzenden Gespräch mit mir. Wow!

Auch mein erster Tag als Frau im Büro war entspannt und sogar von Komplimenten (wenn auch indirekt) geprägt. Ein paar Kollegen erkannten mich morgens nicht direkt und fragten sich, wer denn diese Frau da in unserem Team-Bereich sei. Das spricht für meine Makeup-Künste. 🙂

Spannenderweise kamen durch mein Coming Out sehr offene Gespräche zustande, in denen ich Wertschätzung von einzelnen Kollegen erfuhr, die ich sonst wohl niemals erfahren hätte…nochmal „Wow“!

Insgesamt bleibt also festzuhalten, dass ich großartige Kollegen habe und sehr dankbar dafür bin, in so einem offenen Umfeld arbeiten zu dürfen!

Und hier noch eben die betreffende eMail an meine Kollegen:

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

mit vielen von euch arbeite ich schon viele Jahre vertrauens- und respektvoll in gemeinsamen Projekten zusammen, manche durfte ich im Laufe der vergangenen Monate kennenlernen und freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit!
In diesem Zusammenhang wird es allerdings in Zukunft äußerliche Veränderungen geben.
Damit es diesbezüglich zu keinen Missverständnissen kommt, möchte ich euch hiermit kurz informieren, was es damit auf sich hat:

Ich leide an einer sogenannten Geschlechtsidentitätsstörung (a.k.a. Transgender / Transsexualität).
Das heißt, ich bin zwar genetisch ein Mann, fühle mich aber dennoch dem weiblichen Geschlecht zugehörig.
Darum habe ich damit begonnen, alles mir mögliche zu tun, um mein Äußeres meinem gefühlten Geschlecht Schritt für Schritt anzugleichen.

Dies war für mich nach 39 Jahren keine leichte Entscheidung und wird auch kein einfacher Weg.
In den vergangenen Wochen habe ich großen Rückhalt und Unterstützung in meinem Umfeld erfahren, was mir viel Kraft gibt und wofür ich von Herzen dankbar bin.
Begleitende Psychotherapie, Hormonersatztherapie, Bartepilation und Vornamensänderung sind nur einige Dinge, die mich auf meinen Weg begleiten.
Doch keine Angst, ich bleibe der gleiche Mensch, der euch wie gehabt mit Rat und Tat und der gleichen Kompetenz zur Seite steht (nur schöner 😃).

Ich kann es sehr gut verstehen, wenn der eine oder die andere meinen Lebenswandel möglicherweise nicht nachvollziehen kann. Das erwarte ich auch von niemandem, denn ich habe selbst mein ganzes Leben gebraucht um zu verstehen, was mit mir los ist.
Was ich mir wünsche ist, dass ihr meinen Weg respektiert und ihn, soweit euch möglich, akzeptiert.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mit euren Fragen direkt auf mich zukommt. Gerne stehe ich dann Rede und Antwort. Für alle anderen sind hier noch einige Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualität (allgemeine Erklärung zum Thema)
http://trans-ident.de/was-ist-transidentitaet (allgemeine Erklärung zum Thema)
http://hormonmaedchen.de/fuer-angehoerige/ (gute Zusammenfassung für „Angehörige“ i.w.S.; Achtung, diese Seite wird im VPN von der Firewall geblockt)

Es würde mich freuen, wenn ihr mich in Zukunft mit meinem neuen Vornamen Julia ansprechen würdet. Ich werde aber niemandem böse sein, wenn das nicht auf Anhieb klappt. 😉

Liebe Grüße,
Julia
eure neue-alte Kollegin

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