Nun wird es aber wirklich Zeit, liebes Tagebuch. Meine noch männliche Stimme stört nicht nur mich massiv in der Eigenwahrnehmung, sie irritiert auch andere Menschen und verursacht Erklärungsbedarf.

Heute gab es im Job eine Telefonkonferenz mit einer neuen externen Firma. Die dortigen Kollegen kannten nur meinen neuen Namen und ein Bild von Linkedin, gingen also korrekterweise davon aus, dass ich eine Frau bin.
Bei der Vorstellungsrunde löste meine Stimme dann aber Verwirrung aus. Eine Kollegin sprach mich mit „Julia“ an, während der Herr neben ihr versuchte, sie zu korrigieren und meinte: „Nein, nein, Julian!“

Da musste ich dann kurz klärend eingreifen und die Verwirrung um meine Stimme auflösen. Danach war das auch kein Problem mehr, aber das war mal wieder eine der Situationen, in denen ich mich unwohl fühle. Zum einen, weil ein meine Stimme ohnehin nicht mehr als für mich passend empfinde (und gemocht habe ich sie ohnehin nie). Und zum anderen, weil sie gegenüber anderen Menschen für Verwirrung sorgt oder schlimmstenfalls direkt klar macht, dass hinter dem weiblichen Äußeren etwas Männliches steckt. Das vielzitierte „Passing“, also die erwünschte Außenwahrnehmung als Frau, ist damit zum Teufel. Und neben meinem Bartwuchs ist das momentan mein größter seelischer Schmerz.

Doch Abhilfe naht: mein HNO hat mir anstandslos eine Überweisung zur Logopädie gegeben und war sogar so lieb, direkt proaktiv meinen neuen Namen im Computer zu vermerken. 🙂

Für den 4.11. habe ich nun einen Termin zum Erstgespräch in einer logopädischen Praxis mit Schwerpunkt auf transsexuelle Stimmtherapie. Ich bin super gespannt auf den Termin! Ich habe zwar schon einiges über die Logopädie gelesen und Videos mit Übungen gesehen, so recht vorstellen kann ich mir das aber alles noch nicht.

Vor allem: wie werde ich dann am Ende der Logopädie klingen? Und wie wird es sein, gegenüber meinen Mitmenschen, die nur meine alte Stimme kennen, so zu sprechen?
Es ist doch erstaunlich: anfangs waren die Coming Outs eine große Herausforderung. Dann das Rausgehen als Frau. Beides ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Und nun kommt die nächste Herausforderung. Puh.

Wie bei der optischen Umstellung werden einzelne Personen sicher wieder Zeit brauchen, um sich daran zu gewöhnen. Da ich aber ein so großartiges Umfeld habe, alle Bescheid wissen und hinter mir stehen, wird das schon alles klappen.

Status Hormontherapie

Heute gibt es keine besonderen Auffälligkeiten. Die Übelkeit von gestern ist weg, der Heißhunger aber leider noch da. Auch die Abgeschlagenheit wird von Tag zu Tag etwas besser. Wie mir einige Mädels aus meiner Gruppentherapie heute bestätigten, sind das aber ohnehin nur Symptome, die in der Anfangszeit durch die Hormonumstellung auftreten, bzw. erst wieder, wenn die Dosis erhöht wird. Insofern befinde ich mich da wohl in guter Gesellschaft. 😀

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