Liebes Tagebuch, objektiv betrachtet war der heutige Tag recht schön und abwechslungsreich, doch ein gewisser Umstand verhagelte mir schon nach dem Frühstück die Laune.

Seit gestern sind ja nun meine Kinder bei mir. Der Umgang miteinander ist nach den Anspannungen der letzten Wochen wieder entspannt wie eh und je – zum Glück. Heute früh beobachteten sie mich dann beim Einreiben der Arme mit Gynokadin und wollten gerne wissen, was das ist. Also erklärte ich ihnen, dass das meine weiblichen Hormone seien. Diese Info nahmen sie zur Kenntnis, wirkten aber nicht besonders glücklich darüber – zumal ja gerade meine Große mit dem Thema am liebsten nichts zu tun hätte.

Doch das war nicht der Umstand, der meine Stimmung killte. Vielmehr war das die für heute anstehende Einladung zum Kindergeburtstag meiner Jüngsten. Sie hatte sich gewünscht, dass ich sie dort in meiner alten, männlichen Rolle hinbringe und abhole. Generell ist das natürlich ein kontroverses Thema, auch in meiner Therapie. Wie sehr gehe ich Kompromisse zwischen meiner Identität und meinem Umfeld ein? Generell eher wenige, denn das sind alles erwachsene Menschen, die selbst für sich sorgen und damit umgehen können – oder halt auch nicht. Doch das ist letztlich nicht meine Verantwortung, wie mein Umfeld individuell mit dem Thema umgeht. Wichtig ist, wie es mir selbst geht.

Bei meinen Kindern sehe ich das etwas anders, denn sie sind eben meine Kinder und wenn der eigene Vater plötzlich körperlich vom Mann zur Frau wird, hinterlässt das Spuren. Ein etwas behutsameres Vorgehen halte ich hier für angemessen, obgleich das immer noch irgendwie mit meinem Wohlbefinden im Einklang stehen muss. Dass ich die beiden gestern in meiner alten Rolle von ihrer Mutter abholte, war für mich nicht schön, aber erträglich. Den heutigen Tag aber ebenso zu verbringen, ging über die Grenze dessen hinaus, was mir gut tut. Hier habe ich sehr deutlich mein eigenes Wohlbefinden in den Hintergrund gerückt und merke jetzt, wo der Tag sich dem Ende nähert, dass mir das überhaupt nicht gut getan hat. Meine Laune war den Tag über im Keller, ich war ständig in Gedanken damit beschäftigt, mich wieder in meine weibliche Identität zu wünschen.

Im Grunde fühlt es sich gerade so an, als habe ich mich selbst verletzt. Zwar mag es meinen Kindern damit heute besser gegangen sein, aber um welchen Preis?! Es ist ein schwieriges bis scheinbar unmögliches Unterfangen, hier die Balance zu halten. Mein Therapeut hat dazu eine sehr deutliche Meinung:

Verstellen Sie sich für niemanden, damit tun Sie sich keinen Gefallen!

Mein unglaublich mieses Bauchgefühl spricht da auch eine sehr, sehr deutliche Sprache:

Du hast ja nicht auf mich gehört, selbst Schuld! Lass diesen Unsinn, das war nicht gut für dich!

Die Marschrichtung für die kommende Urlaubswoche mit den Kindern (und generell für die Zukunft) liegt also auf der Hand: ich höre wieder auf mein Bauchgefühl! Die vergangenen zwei Tage waren mehr Mann, als ich mir hätte zumuten dürfen. Mit so krassen Empfindungen der Ablehnung meiner alten Rolle hätte ich vorher nicht gerechnet, sonst hätte ich mich auf den Geburtstagsdeal gar nicht erst eingelassen. Den Preis dafür zahle ich aber genau jetzt, indem es mir echt miserabel geht und ich nur heulen könnte. Das wird mir wohl eine Lehre sein…

Status Hormontherapie

Meine Laune war heute bestenfalls mittelmäßig und durch das mehr oder minder erzwungene männliche Auftreten deutlich gedrückt. Zwischenzeitlich nahm ich ein Spannen im Brustbereich wahr und gegen Abend wurden die Brustwarzen für eine Weile empfindlicher als sonst. Außerdem setzte sich das typische leichte Jucken der Haut der letzten Tage fort. Ein paar Mal wurde mir tagsüber etwas flau im Magen, das könnten laut Packungsbeilage Nebenwirkungen des Gynokadin sein. Ob meine oben beschriebenen Empfindungen auch schon mit den Hormonen zusammenhängen, vermag ich jedoch nicht zu sagen.

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One Thought to “„Lass diesen Unsinn!“”

  1. Sabine

    Die Kinder sind wohl tatsächlich diejenigen, die uns am stärksten zurückhalten können. Und doch teile ich die Meinung, dass wir uns auch ihnen zumuten müssen. Sie wollen eine wahrhaftige Person, keine Rolle.

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