Bürotag, Vä/Pä und die Hormone

Au weia, hatte ich gestern Abend weiche Knie. Denn der erste Tag im Büro im Frauenoutfit stand für heute auf dem Programm.

Nach einer verhältnismäßig kurzen Nacht wachte ich sogar schon vor meinem Wecker auf, der mich 2 Stunden früher als sonst wecken sollte. Die übermäßige Nervosität des Vorabends war weniger geworden, das frühe Erwachen sprach dennoch eine deutliche Sprache.

Recht gemütlich begann ich mit meiner morgendlichen Routine, wobei das Einreiben meiner Arme mit Gynokadin nach dem Duschen jedes Mal ein Highlight ist und mir den Start in den Tag versüßt.
Das Schminken für’s Büro dauerte deutlich länger als sonst, aber heute früh ging ohnehin alles langsamer vonstatten, was mich beinahe noch in Zeitnot gebracht hätte.

Am Ende kam ich aber pünktlich aus dem Haus und machte mich in meinem sorgsam ausgewählten Outfit auf dem Weg ins Büro. Strömender Regen begrüßte mich vor der Tür, doch das sollte sich noch als vorteilhaft erweisen. Denn den Weg vom Parkplatz zum Büro hatte ich mir besonders schlimm vorgestellt in Sachen Nervosität. Mich mit einer Hand am Regenschirm, der anderen an meiner Handtasche festhaltend fühlte ich mich aber sicherer.

Im Büro angekommen packte ich meine Sachen aus und ging mir einen Kaffee holen. Zwei Kollegen standen gerade beisammen und begrüßten mich erfreut und leicht überrascht. „Ach DU bist das“, ließen sie verlauten. „Wir dachten schon ‚was macht die denn da in unserem Team-Bereich? Hat sie sich verlaufen?'“ Das wertete ich mal als Kompliment, denn offenkundig war ich als Frau identifiziert worden. Sogar von Kollegen, die mich seit über 15 Jahren kennen. Etwas ähnliches passierte mir gegen Mittag nochmal und das freute mich total. 🙂

Eine andere Kollegin gab mir zwei Daumen hoch, als sie ins Büro kam und mich sah. Wieder andere sagten gar nichts, gingen aber einfach nur ganz normal mit mir um. Insgesamt ein tolles Erlebnis und – wie ich es angekündigt hatte – eine ziemlich große Ausdehnung meiner Komfortzone! Wow!

Der restliche Tag verlief unauffällig. Viele Meetings, ein Mittagessen mit einem Kollegen in der Kantine…nichts davon konnte mich aus der Ruhe bringen. Sogar der Besuch der Damentoilette war vollkommen entspannt für mich.

Einzig der Mund-Nase-Schutz und meine Perücke machten mir etwas zu schaffen. Der MNS wischte mir langsam aber sicher das Makeup aus dem Gesicht, so dass mein Bart mehr und mehr durchschimmerte. Und die Perücke begann irgendwann zu jucken und sich durch mein Headset zu verunstalten. Glücklicherweise hatte ich eine Bürste mitgenommen, um mich im WC optisch wieder zu richten. 😉

Jetzt liege ich schon im Bett, bin wahnsinnig erleichtert und ein bisschen stolz auf mich, diesen Schritt gewagt zu haben.

Ach, bevor ich es vergesse:
Heute lag Post in meinem Briefkasten. Das Amtsgericht Düsseldorf schrieb mir und lädt mich bezüglich meiner Vornamens- und Personenstandsänderung zu einem Anhörungstermin im November ein. Ein wenig irritiert mich allerdings die Reihenfolge. Ich war von einem Schreiben ausgegangen, das mich zunächst dazu auffordert, die geforderten Gutachten beizubringen. Offenbar geht das auch nachträglich, dennoch ist das ein Punkt, den ich in der morgigen Gruppentherapie ansprechen werde – meine Mitstreiterinnen haben da ja schon etwas mehr Erfahrung als ich. 🙂

Status Hormontherapie

Ich möchte nun in meine täglichen Posts einen kleinen Status zu meinen Wahrnehmungen bzgl. der HRT festhalten – heute geht’s damit los:

Keine besonderen Vorkommnisse – das Jucken der Brust von gestern ist fast vollständig verschwunden. Körperlich merke ich ansonsten keine Besonderheiten, allerdings fühle ich mich insgesamt ausgeglichener, zufriedener und froh darüber, diesen Weg zu beschreiten. Wie ein Kollege heute am Telefon sagte: „Du hörst dich so an, als sei alles richtig gut bei dir.“ 🙂

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