„Gefühlschaos“ beschreibt den heutigen Tag wohl ganz gut. 

Es war mal wieder ein Bürotag, den ich noch immer in Männerkleidung bestritt und mich damit seltsam falsch fühlte. Eine ganze Weile hörte ich dabei Musik, die mich emotional sehr berührte. Lieder, die ich früher nicht besonders beachtete, bekommen gerade eine ganz neue Bedeutung für mich und treiben mir die Tränen in die Augen.

Gegen Mittag erhielt ich spontan eine WhatsApp-Nachricht von einem Freund. Er hatte vor einigen Tagen begonnen zu raten, was ich ihm denn mitzuteilen habe. Er gab auf und fragte, ob wir uns heute auf ein Bier treffen wollten.
Ich zögerte einen Moment und ging ich mich, ob ein Coming Out bei ihm heute für mich stimmig war. War es.
Also verabredeten wir uns für abends, doch zunächst bei ihm, da ich das Coming Out ungern direkt im Biergarten vornehmen wollte.

Auf dem Heimweg hörte ich wieder viel Musik im Auto und die schon im Büro angestauten Tränen bahnten sich ihren Weg. Ich kann gar nicht sagen, warum genau ich weinte. Ob es allgemeine Erleichterung war oder ob ich vielleicht schlicht mein bisheriges Leben beweinte, das sich zum Teil verloren anfühlt. Wahrscheinlich beides.

Ich hätte jedenfalls heute mal jemanden gebraucht, der mich einfach in den Arm nimmt und mir versichert, dass alles gut wird…

Daheim wurde mir dann bewusst, dass ich mich unbewusst in Zugzwang gebracht hatte. Nicht mit dem Treffen heute, sondern mit einem geplanten Treffen morgen. Ich werde mit einer Freundin einen Mädelsabend in Köln machen, mein erstes Ausgehen als Frau. Ich bin schon einigermaßen nervös, da ich aber nicht alleine bin, fühle ich mich relativ sicher.
Da drängte sich unter anderem auch die Frage auf: wo ziehe ich mich für den Abend um? Zuhause oder bei meiner Freundin? Meine Vermieter wussten noch nicht Bescheid und ich wollte nicht das Risiko eingehen, ihnen als Frau über den Weg zu laufen.

Der Zugzwang lag auf der Hand: ich musste endlich meinen Brief abgeben.

Und so nahm ich all meinen Mut zusammen, klingelte und überreichte mit ein wenig Smalltalk meinen Brief. Uff. Geschafft. Jetzt konnte ich nur noch abwarten, was passieren würde…

Das spätere Coming Out bei meinem Freund verlief völlig entspannt und der wohl bemerkenswerteste Satz lautete:

Ist mir scheißegal! 😉 Ob Mann oder Frau, ich mag dich als Mensch!

Das erste Coming Out im Freundeskreis liegt also hinter mir und gibt mir wahnsinnig Rückenwind…ich bin so dankbar, solch tolle Menschen in meinem Freundeskreis zu haben!

 

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