„Was tun Sie gerade?“

„Was tun Sie gerade?“, fragte mich gerade meine Tagebuch-App. Tja, was tue ich hier gerade eigentlich?

Ich sitze hier, liebe App. Halte meine Gedanken fest. Meine Gefühle. Doch was fühle ich gerade überhaupt?

Ich mag mich gerade nicht.

Ich habe vorhin in den Spiegel geschaut. Ohne Makeup. Ohne Perücke. Nichts weibliches habe ich gesehen.

Das macht mich fertig.

Doch woher weiß ich, dass ich hier das richtige mache?
Was, wenn ich überhaupt nicht trans bin? Sondern „nur“ non-binary?
Was, wenn ich mir das alles nur einbilde? Alles nur ein schöner Traum war und ich am Ende doch keine Frau sein darf?

Ich habe mich heute kurzzeitig dabei ertappt, wie ich mich in meiner alten Rollen wohl gefühlt habe. Das hat mich erschreckt. Diese Rolle ist in den letzten Tagen beinahe zum Feindbild geworden, so dass sich der heutige Tag nach einem Rückschritt anfühlt.
Diese Gedanken sind Quatsch, das weiß ich. „Glaub nicht alles, was du denkst“. Was ist falsch daran, mich so zu fühlen?

Hatte ich mir nicht geschworen, jetzt endlich ehrlich mit mir zu sein? Das ist doch härter, als ich dachte. Viel härter als sich selbst seine Identität einzugestehen und sich seinen Dämonen zu stellen.
Möglicherweise ist dieser Konflikt sogar schlimmer, als mit der eigenen Transidentität ans Lichter der Welt zu treten. Wir Trans*Personen sind geübte Schauspieler. Wir haben ein Leben lang unserer Umwelt und uns selbst etwas vorgespielt.

Woher weiß ich, dass die Show nun ein Ende hat?

Doch diese Tendenz, sich wieder wohler in der alten Rolle zu fühlen, wird stärker, je länger ich wieder arbeiten gehe und je mehr der Stresspegel steigt. Ich „funktioniere“ wieder. Wie ich als vermeintlicher Mann immer funktioniert habe. Und das nur 3 Tage nach dem Urlaub.

Die letzten Tage waren in vielerlei Hinsicht erfüllend. Heute falle ich in ein großes Loch.

Gedanken daran, mal in Frauenkleidung einkaufen zu gehen, ertrinken in Selbstzweifeln. Versuchen sich aber beharrlich an die Oberfläche zurück zu kämpfen. Gleichzeitig habe ich mittlerweile Angst, ich meiner Wohnung weiblich gekleidet zu sein, denn mein Vater ist aus dem Urlaub zurück und ich kann mir nicht vorstellen ihm so entgegenzutreten, falls er mal beim abendlichen Spaziergang vor der Tür steht. Außerdem kommen meine unter mir wohnenden Vermieter bald aus dem Urlaub zurück…ich werde es ihnen sagen müssen, sonst kann ich mich ja kaum an ihrem Fenster vorbei wagen.

Der kürzlich durch die Outings etwas gesunkene Leidensdruck steigt wieder und raubt mir gerade den Atem.

Es wird Zeit…

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