Liebes Tagebuch,

heute geht es mir wieder nicht so sonderlich. Ich konnte kaum einschlafen, obwohl ich wegen der Wanderung total platt war. Selbstzweifel zerfressen mich. Habe ich den richtigen Weg eingeschlagen? Oder ist das alles Unsinn, was ich hier mache?

Wobei ich jetzt schon mehrfach eine Fragestellung gelesen habe, die den Fokus auf mich selbst lenken soll, ich finde gerade nur die Seite nicht mehr. Sinngemäß lautet es:

Wenn du alle Umstände ausblendest, alle Menschen, Verurteilungen und Probleme. Wenn du einfach ab morgen so leben dürftest, wie du möchtest, ohne irgendwelche negativen Gefühle oder Auswirkungen zu spüren: wie würdest du dich entscheiden? Wie würdest du leben?

Meine Antwort ist eindeutig. Wenn ich ohne Probleme, komische Blicke, Probleme im Job, dumme Sprüche, etc. machen könnte, was ich will? Dann würde ich sofort in die Stadt fahren, mir hübsche Frauenkleidung kaufen und als Frau zumindest mal gekleidet sein und dann den Weg der Transition weitergehen.

Das zeigt mir immerhin, wie sehr ich auf das Außen achte und weniger darauf, was mir gut tut. Aber das ist ja nichts neues. Das Tragen von Nagellack und Damenunterwäsche sind nur erste Schritte, die aber keinen großen Einfluss auf die Außenwelt haben. Kann sein, dass gestern an der Tegelbergbahn ein paar Leute komisch geguckt haben, aber so eindeutig wahrgenommen habe ich das nicht. Vielleicht war das auch nicht der Fall. Ich konnte es aber auch aushalten.

Ob es mir in Frauenkleidung auch so ginge? In dem Wander-Szenario gestern kann ich mir das noch nicht vorstellen.

Was mich auch stört, ist die Notwendigkeit einer Perücke. Die sind doch eher unbequem. Ich hätte lieber langes eigenes Haar. Aber das muss ja auch erst mal wachsen. Und wer weiß, wie das aussieht mit den Geheimratsecken. Muss ich alles mal abklären.

Ich denke, ich werde mir zu Hause erst einmal ein schönes Sommerkleid, Ballerinas, ein Nachthemd und etwas dezentes MakeUp kaufen und dann – sobald die Kinder wieder bei ihrer Mutter sind, meine Tage mit weiblicherem Äußeren verbringen. Wenigstens erst einmal in der Wohnung. Vielleicht traue ich mich ja auch mal abends zu einem Spaziergang auf die Straße. Dazu möchte ich mich aber einigermaßen geschminkt haben und mit der Perücke klarkommen, sonst fühle ich mich nicht wohl. Ich möchte nicht nach einem Transvestiten oder tuntig aussehen, sondern einfach weiblich. Natürlichkeit ist mir wichtig, soweit das in meiner jetzigen Lage möglich ist.

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