Liebes Tagebuch,

ich hasse mich gerade sehr. Und weiß überhaupt nicht mehr, was ich will.

Ein Beitrag im Forum hat mich ziemlich getroffen. Jemand schrieb, sie könne mich nicht richtig ernst nehmen auf Basis dessen, was ich geschrieben habe. Das hat mich tief verletzt.

Verbunden mit dem, was in dem Gendertreff Forum geschrieben wurde, zweifle ich gerade einfach an allem. Habe ich mich einfach nur missverständlich ausgedrückt oder habe ich mich da tatsächlich in irgendwas verrannt?

Ich will jetzt gerade jedenfalls nichts mehr hören und sehen. Ganz toll im Urlaub. Super Zeitpunkt. Niemand zum Reden.

Fühlt sich nach existenzieller Krise an. Und mich verunsichert, warum mich die Meinung anderer so hart mitnimmt. Ich muss doch für mich selbst wissen, was ich will. Bis vor ein paar Tagen wusste ich das auch. Jetzt hat es mich plötzlich völlig aus der Bahn geworfen und ich bin weder Fisch noch Fleisch. Die Menschen, von denen ich mir eigentlich Verständnis erhofft hatte, kritisieren meine Herangehensweise. Bis auf wenige, die „zu mir stehen“ bzw. ähnlicher Meinung sind.

Wie paralysiert fühle ich mich.

WER ZUR HÖLLE BIN ICH?!?!?

Abendlicher Nachtrag

Nachdem mich der Eintrag im Forum heute morgen böse erwischt hat, war im Gendertreff eben etwas aufbauendes und vielleicht mein neuer Leitspruch zu lesen:

Lass dich durch andere inspirieren, aber nicht „einnorden“.

Treffer, versenkt. Darin steckt soviel Wahres, das für mich passt. Selbst das Thema Neinsagen kommt darin vor.

Ansonsten war der Nachmittag mittelprächtig. Ein Gespräch mit meinem Vater über den Forums-Post hat mich eher ernüchtert. Ich habe nicht den Eindruck, dass er mich wirklich versteht. Was dabei rauskam ist, dass er mich vor Schaden schützen möchte. Sehr ehrenvoll. Doch seine Herangehensweise wäre in dem Fall, die Transidentität in der Öffentlichkeit geheim zu halten. Wie soll das gehen, wenn ich als Frau leben möchte? Das ist absurd und nicht machbar. Wir haben in dem Punkt auch nicht wirklich zusammen gefunden. Ich denke, er ist noch nicht so weit. Er versucht eher, alles beim Alten zu belassen, fürchte ich. Ernüchternd.

Meine Mutter ist da anders. Sie hat mich verstanden, denke ich. Sie hat sich mit dem Thema schon befasst, sogar die 3-Stunden-VOX-Doku geschaut, die ihr wohl sehr geholfen hat. Das Buch, was ich ihr empfohlen habe, möchte sie sich auch zulegen. Sie hat verstanden, was der Weg für mich bedeutet und dass es kein Zurück mehr gibt. Anders als mein Vater.

Wiederum ernüchternd. Also die Situation mit ihm. Setzt sie doch ein Muster fort, dass ich mein Leben lang mit ihm hatte: ich habe mich nie wirklich von ihm verstanden gefühlt – ob er mich nun nicht verstehen wollte oder konnte. Beinahe schon tragisch. Ich wünschte, das würde sich ändern. Dass er sich um mich sorgt ist rührend, aber die damit verbundenen Ansätze sind alles andere als hilfreich für mich. Sie führen eher dazu, das Thema mit ihm nicht weiter besprechen zu wollen.

Traurig.

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