Genesung

So, heute fühle ich mich mal bemüßigt, etwas mehr zu berichten, auch wenn das Tippen auf dem iPad etwas mühselig ist und mein Handy zu sterben droht (und damit meine Internetverbindung 😱). Schlechtes Timing, Apple!

Wo fange ich an? Vielleicht bei meinem aktuellen Empfinden:

Mir geht es generell sehr gut, ich hatte mir das alles viel schlimmer vorgestellt. Die Wundschmerzen sind gut auszuhalten, sie beschränken sich überwiegend auf einen drückenden Schmerz von innen, was wohl von dem Platzhalter in der Neovagina kommt. Oder aber vom Blasenkatheter. Ab und an brennt es an den Nahtstellen, aber das ist halb so wild.
Schlimmer sind da aktuell wirklich die Rückenschmerzen, die durch das dauerhafte Liegen entstehen. Mit den Verstellmöglichkeiten des Bettes und IBUs lässt sich das etwas abmildern, ganz weg gehen sie aber nicht. Das stört augenblicklich wirklich am meisten und hat mich heute Nacht zeitweise um den Schlaf gebracht.

Emotional fühle ich mich im Augenblick in jederlei Hinsicht ziemlich gedämpft. Gestern Abend schaute ich einen Film, bei dem ich vor der OP unter Garantie an der einen oder anderen Stelle geheult hätte. Gestern? Nix. Nada. Keine emotionale Regung. Wüste. Echt krass! Nun nehme ich ja seit dem 14.01. keine Hormone mehr und seit der OP bekomme ich zusätzlich Testosteronblocker, hormonell bin ich also quasi leergequetscht. Ich versuche heute mal in Erfahrung zu bringen, wann ich wieder mit meinen Hormonen anfangen darf, irgendwie fehlen sie mir. Ich vermisse die neu gewonnene Sensibilität. 😔

Heute früh sah ich Dr. Taskov das erste Mal nach der OP wieder und konnte ein wenig über den Verlauf der OP in Erfahrung bringen. Sie sei gut verlaufen, sagte er. Es gab keinerlei Komplikationen, es konnte alles wie geplant umgesetzt werden und die Voraussetzungen für ein tolles Ergebnis seien ideal. Das hörte ich doch gerne. Dennoch sei angemerkt, dass das Endergebnis erst nach Monaten wirklich zu bewerten ist, weil die Schwellungen nur sehr langsam abheilen.

Mir wurde heute auch irgend etwas aus der Wunde entfernt, ich glaube, es waren die Drainagen. Das passierte natürlich ohne örtliche Betäubung und raubte mir ob es Schmerzes kurz den Atem. Ich hab ja offen gestanden etwas Bammel vor der Entfernung des Katheters und des Platzhalters, ich fürchte, das wird ähnlich schmerzhaft. Oder noch mehr. Aber das Gute daran: der Schmerz war auch schnell wieder weg.

Derweil werde ich hier aber super versorgt, die Leute sind alle sehr nett und hilfsbereit. Meine Lieblingskrankenschwester kommt immer morgens vorbei, die ist richtig lieb und einfühlsam. Andere sind eher etwas distanzierter und „ruppiger“ in ihrer Art, aber nie unfreundlich.

Rückblick

Ich möchte noch einen Blick zurück auf den OP-Tag werfen, denn der war verständlicherweise besonders aufregend für mich. Nachdem ich bis tief in die Nacht dank dieses ekelhaften Abführmittels ständig das örtliche WC aufsuchen durfte, wurde ich Dienstagmorgen früh geweckt. Ich durfte mir noch mein OP-Hemdchen nebst unverschämt bequemer OP-Unterhose anziehen und wurde dann ohne große Umschweife in den Aufzug und zum OP gerollt. Meine Nervosität hielt sich bis zu diesem Punkt noch einigermaßen in Grenzen, erst als ich frierend auf dem OP-Tisch mit ausgestreckten Armen festgeschnallt wurde, wurde mir doch etwas anders. Da half zum Glück meine Meditationserfahrung etwas weiter und konnte meinen deutlich durch Piepstöne hörbaren Herzschlag beruhigen.
Je mehr Leute in den OP kamen, um so nervöser wurde ich aber. Nicht, dass ich hätte weglaufen wollen, das auf keinen Fall, ich hatte einfach etwas Panik vor der Narkose und dem Kontrollverlust. Doch dann trat die Narkoseärztin neben mich, eine gelassene und ruhige Persönlichkeit und beruhigte mich etwas. Sie erklärte, was nun passieren würde, dass ich schon bald ganz selig schlafen werde und sie auf mich aufpassen würde. Nach wenigen Sekunden begann der übliche Schwindel, dann das Kribbeln im Gesicht und wenige Momente später war ich weg. Das war gegen 7:30 Uhr.

Ich erwachte, als ich ein fernes „Frau Kalder“ vernahm. Ziemlich benebelt, versuchte ich meine Augen zu öffnen, dämmerte aber immer wieder weg. Mir wurde aber langsam klar, dass ich es überstanden hatte und meine großen Ängste wegen der Schlafapnoe unbegründet gewesen waren. Die Anästhesistin hatte gut auf mich Acht gegeben.
Langsam bewegte ich Füße und Hände, alles funktionierte noch. Ein gutes Zeichen. Schmerzen hatte ich zu meiner Überraschung keine, die Schmerzmittel zeigten noch volle Wirkung.

Ich weiß noch, dass ich dann nach der Uhrzeit fragte, um mich zeitlich zu orientieren. Irgendwas mit 15 Uhr. Wow, das hatte ja ganz schön gedauert. Ob die OP so lange dauerte oder ob ich einfach lange zur Beobachtung im Aufwachraum lag, kann ich nicht sagen.
Dann plötzlich bekam ich noch einen schlafapnoebedingten Atemaussetzer mit und wie das Überwachungsgerät zu piepen begann. Das machte mich etwas nervös, dennoch war ich noch so weggetreten, dass ich das alles nicht so recht einordnen konnte. Ich hörte nur eine Schwester sagen, es sei alles ok, das wären nur kleine Atemaussetzer und die Maschine würde wegen des sinkenden Sauerstoffgehalts piepen. Sie wirkte aber sehr gelassen auf mich, das schien alles unter Kontrolle zu sein.

Ich vernahm dann noch, dass man mir mitteilte, man würde mich jetzt wieder auf Station verlegen. Wie ich dort ankam, weiß ich aber nicht mehr genau, da habe ich einen Filmriss.

Anschließend war ich erstaunlich wach und klar, so dass ich die ersten Lebenszeichen in die Welt schicken konnte. Und ich war gut gelaunt und happy, es geschafft zu haben.

Zwar sind die Schmetterlinge im Bauch bisher ausgeblieben, aber wie ich sagte, sind meine Emotionen generell total auf Sparflamme. Ich weiß aber, dass ich mich total freue, auch wenn mein Körper das gerade nicht zum Ausdruck bringt. Ich bereue absolut nichts und bin einfach nur dankbar und stolz, diesem großen Schritt gegangen zu sein. Und da schau her: es kullert doch ein Tränchen der Erleichterung. Hallo, liebe Emotionen. Schön, dass ihr wieder da seid. Ich hab euch vermisst!

Im Nachgang der OP wurde ich die ganze Zeit umsorgt. 3 Mal am Tag Antibiotika per Infusion, regelmäßiges Blutdruck- und Pulsmessen, Wechsel der Einlagen, Temperatur messen, all so Zeug. Und nach der ersten Nacht nach der OP durfte ich dann auch wieder anfangen zu essen. Der Hammer, sag, ich euch! Ein Körnerbrötchen mit Käse kann der Himmel sein. Und sogar (entkoffeinierten) Kaffee gab es. Himmlisch!

Gestern Nachmittag hatte ich dann leicht erhöhte Temperatur, allerdings war es auch brutal warm im unklimatisierten Zimmer, weil die Sonne den ganzen Tag hereingeschienen hatte. Zusätzlich setzten sich langsam aber sicher meine Bronchien zu, offenbar durch das viele Liegen. Husten war jedoch schwierig, weil sehr schmerzhaft. Heute geht das zum Glück etwas besser.

Was mir auch erst Sorge machte, war meine Corona Warn-App. Sie schlag gestern Alarm. Am Tag der Anreise nach Bogenhausen hatte ich offenbar einen Risikokontakt. Ich tippe dabei schwer auf die S-Bahnfahrt nach München, bei der an einer Haltestelle locker 50 Schulkinder in den Zug stürmten. Zwar trugen sie alle Maske, aber dennoch fühlte ich mich total unwohl. Ich zwängte mich in meine Ecke, das Gesicht abgewandt, um ja keine  Keime abzubekommen. Denn selbst so eine FFP2-Maske ist eben kein 100%iger Schutz.

Das Personal reagierte allerdings maximal gelassen auf meine Warnmeldungen. Es passierte darauf hin: nix. Da ich aber auch keine Symptome habe, scheint alles in Ordnung zu sein. Was hätten sie auch tun können? Bestenfalls in Quarantäne legen. Da ich aber geboostert bin, sollte sich eine eventuelle Infektion ohnehin kaum auswirken.

Ausblick

Wie geht es die kommenden Tage weiter?

Zunächst einmal freue ich mich sehr auf das Aufstehen morgen. Es wird wohl erstmal nur an der Bettkante sein, aber alleine dadurch meinen Rücken zu entlasten, ist sehr verlockend. Und am Wochenende könnte es sein, dass der Katheter gezogen wird, das heißt dann aber auch: das erste Mal auf Toilette gehen. Das wird ein weiteres spannendes Erlebnis. 😅

So, aber genug für heute. Mehr Erlebnisse gibts dann in den kommenden Tagen.

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