Covid Maske

Die Nachrichten überschlagen sich, die Inzidenzen schießen in den letzten Tagen rasant in die Höhe und Krankenhäuser beginnen wieder, die Hand vor lauter Überlastung zu heben. Selbst nach 2 Jahren Pandemie bekommt unsere Gesellschaft die Organisation rund um das Virus noch immer nicht so recht in den Griff. Und das hat im Hinblick auf meine weitere Planung der Transition einige Seiteneffekte…

Nun bin ich schon eine ganze Weile gegen Covid geimpft und fühle mich dadurch etwas sicherer und entspannter im Umgang mit Menschen. Aber ums Impfen oder Nicht-Impfen soll es hier gar nicht gehen, das ist ja mittlerweile zur Religionsfrage geworden und ich beobachte besorgt die zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Nein, vielmehr darf ich an dieser Stelle wiederholt feststellen, dass mir Corona – so furchtbar das Virus für viele Menschen ist und wahr – durchaus Vorteile in Bezug auf meine Transition gebracht hat:
Die Masken erlauben mir problemlos, meinen Bartschatten und meine für meine Begriffe zu männlichen Gesichtszüge zu verdecken. Das HomeOffice hat es mir erlaubt, mich erst einmal im privaten Rahmen in die Welt der Frauen einzuleben, ohne gezwungen zu sein, direkt das gesamte Umfeld zu involvieren. Und vieles mehr. Will sagen: mir persönlich kam das alles unterm Strich tatsächlich recht gelegen.

Doch diese Einschätzung beginnt in Teilen zu bröckeln. Nun bin ich seit einer gefühlten Ewigkeit vollständig geoutet, lebe seit über einem Jahr ausnahmslos „als Frau“ (sooo good!!!) und habe die größten organisatorischen Hürden (höchstwahrscheinlich) hinter mir gelassen. Nun steht als nächstes die GaOP vor der Tür.

Randnotiz: die Bestätigung durch die Krankenkasse lässt nach einem Monat noch immer auf sich warten. *nerv*

Aber was wird nun mit der GaOP? Ausnahmslos jede aus meiner Therapiegruppe wurde bei Dr. Taskov (München) bisher spontan vorgezogen (Vorlauf 2-3 Wochen) und die Wartezeit um etwa 6 Monate verkürzt. Wäre das bei mir auch der Fall, stünde die GaOP noch dieses Jahr auf dem Programm.
Aber genau hier kommt der Haken: gestern telefonierte ich satte 5 1/2 Stunden mit einer Freundin aus München und sie berichtete unter anderem von einer Inzidenz von über 1.100. In Worten: eintausendeinhundert (sic!).
In anderen Bundesländern liegt diese Zahl lange nicht so hoch, dennoch steht einigen Klinikleiter*innen bereits der Schweiß auf der Stirn, da die Kapazitäten langsam knapp werden. Was also bedeutet das für meine GaOP? Wird mein Termin direkt auf 2022 gesetzt? Möglich. Wahrscheinlich. Falls nicht: will ich unter diesen Umständen in ein Hochinzidenzgebiet fahren und mich dann unters Messer legen? Was, wenn das Personal für die Covid-Patienten benötigt wird und meinen Bedürfnissen dann verständlicherweise weniger Aufmerksamkeit geschenkt werden kann? Was, wenn mich durch einen dummen Zufall nach der OP das Covid-Virus trotz Impfung erwischt? Klingt alles nicht besonders verlockend.

Um ehrlich zu sein, habe ich noch nicht genug Infos seitens des Krankenhauses, um mir eine abschließende Meinung bilden zu können. Dennoch beginne ich, meinen Wunsch nach einer diesjährigen GaOP in Frage zu stellen und überlege ernsthaft, ob ein Termin im Frühjahr nicht doch sinnvoller wäre. Wenn die „4. Welle“ wieder abgeflacht ist und ich vielleicht sogar Impfung Nummer 3 bekommen habe.

All das verunsichert mich etwas und wirft eben diese und weitere Fragen auf.

Führungslosigkeit & Eigenverantwortung

Interessanterweise nehme ich aktuell auf einigen Ebenen eine gewissen Planlosigkeit wahr. Oder Verzagtheit? Angst vor Entscheidungen? Unsicherheit? Irgendwie sowas.
Vom Pandemie-Management der alten Bundesregierung mag man nun halten, was man will. Aber aktuell habe ich das Gefühl, dass wir als Land seit der Bundestagswahl komplett in der Luft hängen. Die pandemische Lage läuft aus, die Inzidenzen gehen durch die Decke und die politisch Verantwortlichen scheinen sich das einfach nur anzuschauen. Selbst Karnevalsveranstaltungen in Köln werden gefeiert, als sei nix gewesen, die Kontrollen von 3G sind allem Anschein nach eher ein Feigenblatt. Wenn sich das nicht mal rächt…

Selbiges nehme ich auch bei meinem Arbeitgeber wahr. Das Corona-Management die letzten Monate empfand ich zunächst als absolut vorbildlich und ernsthaft bemüht, sich um die Gesundheit der Mitarbeiter*innen zu kümmern. Hut ab! Doch nun, wo von offizieller Seite nur noch weitgehend achselzuckendes Schweigen zu vernehmen ist, passiert auf dieser Ebene auch nichts mehr. Die Ansage, wir sollten wieder vermehrt im Büro erscheinen, gilt weiterhin. Obwohl unter uns Kollegen Einstimmigkeit herrscht, dass das in unserem Job (IT-Projektmanagement) nun wirklich unnötig ist. Tatsächlich sind einzelne Bürotage eher unproduktiv und werden von den meisten Kolleg*innen für Socializing genutzt. Das tut auch mal gut, keine Frage. Und diesen Teil des Arbeitsalltags vermisse ich im HomeOffice auch manchmal. Aber besser und schneller arbeiten tue ich deswegen nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Tja, in Anbetracht der auch hier vor Ort dramatisch steigenden Inzidenz wollte ich heute also mal von unserem Management wissen, ob es schon weitere Pläne gibt, die Bürotage wieder einzuschränken. Weiß ich, wer von den Kolleg*innen kürzlich zum Karneval in Köln war und durch die Klimaanlage die Viren im ganzen Haus verteilt?!

Randnotiz: genau das ist nämlich vor Jahren bei uns mit der Schweinegrippe passiert. Innerhalb von Tagen waren Duzende erkrankt.

Antwort? Nix. Schweigen. Dann auch nur achselzuckende Verweise auf das Corona-Komitee, das für sowas zuständig sei.
Echt jetzt?! Das finde ich schwach. Da hätte ich mir mehr Menschlichkeit und Empathie gewünscht. Und ja, ich betreibe jetzt bewusst überspitzt-verallgemeinernd-klischeehaftes Männer-Bashing wenn ich sage: eine Frau hätte da einfühlsamer drauf reagiert!

Wäre mir diese Frage von meinem Team gestellt worden, hätte ich die Entscheidung jeder Person einzeln überlassen, immerhin geht es um die persönliche Gesundheit und eine ganz individuelle Risikoeinschätzung. Empowerment! Ich für meinen Teil verspüre jedenfalls den lauten Ruf, wieder verstärkt in die Eigenverantwortung zu gehen und aktiv zu Hause zu bleiben. Vor allem auch mit Blick auf die anstehende GaOP, vor der ich jedwede Infektion erst recht vermeiden möchte.
Ja, ich möchte selbst die Führung zu übernehmen und nicht das Hadern der anderen abzuwarten. Steht es nicht gar in meinem Arbeitsvertrag? Ich selbst sei für meine eigene Gesunderhaltung verantwortlich? Eat this!

Nun bin ich fürwahr keine Arbeitsrechtlerin und weiß nicht, wie die Rechtslage hier ist. Da ich aber nicht davon ausgehe, den Kopf für meinen eigenen Gesundheitsschutz abgerissen zu bekommen, bin ich bereit, dieses Risiko zu meinem eigenen (körperlichen) Wohl einzugehen. Genauso wie ich einen eventuellen GaOP-Termin in 2021 pandemiebedingt ablehnen kann und vermutlich auch werde, sollte es sich so ergeben.

Eines ist mir durch dieses Gedanken erneut bewusst geworden: meine Transition genießt meine höchste Priorität und Aufmerksamkeit!
Unmittelbar danach kommen meine Kinder, viele andere liebe Menschen in meinem Leben und dann irgendwann der Job.

Randnotiz: Lustig…wenn ich das so schreibe merke ich, wie sehr mein eigener „Führungs- und Gestaltungswille“ erstarkt, wenn selbiger im Außen verloren geht. Interessante Beobachtung…

Anyway, diese aktuelle Entwicklung nervt mich jedenfalls gewaltig. Ich hatte mir die GaOP für dieses Jahr sehr gewünscht. Mir war aber auch klar, dass es nicht zwingend dazu kommen wird, da weder die Genehmigung der Kostenübernahme, noch die Terminfestsetzung in einer Hand liegen. Und höhere Gewalt sowieso nicht.

Was aber in meiner Hand liegt, ist das Übernehmen von Eigenverantwortung für mein Wohlergehen. Und genau das werde ich die kommenden Tage und Wochen noch bewusster also sonst tun. Es werden also Entscheidungen fallen, in die eine oder andere Richtung. Und falls das eine Verschiebung der GaOP ins Frühjahr bedeutet, ist das in Ordnung. Falls mich mein Chef für das Verbleiben im HomeOffice rügt, ist das auch in Ordnung. Denn dann stehe hinter diesen Entscheidungen, weil ich sie bewusst und mit Liebe zu mir selbst getroffen haben werde.

Und das, ihr Lieben…DAS fühlt sich einfach super gut an!
#self-love #Selbstwirksamkeit

Update / Korrektur 14.11.2021

Ich muss gestehen, ich hatte die genannte Corona-Inzidenz in München nach dem Telefonat nicht geprüft und einfach übernommen. Nun stellte sich allerdings heraus, dass die genannte Inzidenz von gut 1.100 falsch ist. Laut Information auf der Webseite der Stadt München liegt die Inzidenz heute im Schnitt bei knapp 250. Bei Ungeimpften bei etwa 407 und bei vollständig geimpften bei etwa 81. Das relativiert mein obigen Artikel in Teilen.

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One Thought to “Covid-Gedanken, Führungslosigkeit & Eigenverantwortung”

  1. […] muss gestehen, ich hatte die im letzten Beitrag genannte Corona-Inzidenz in München nicht geprüft und einfach übernommen. Nun stellte sich […]

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