Was mir SAFe und Fahrradfahren über meine Stimme verraten hat

Fahrrad

Ich hatte heute einen Moment der Erkenntnis, der mich überwältigt und mit Tränen in den Augen am Schreibtisch sitzen ließ.

Dieses Pfingstwochenende stünde unter Nicht-Corona-Bedingungen unter dem Zeichen von Freundschaft, Reisen, Sonne, Meer und Entspannung. Denn vor Corona fuhren meine Schulfreunde und ich jedes Jahr auf eine gemeinsame „Herrentour“, die wir vergangenes Jahr kurzerhand in „Herrentour+“ umbenannt hatten. Dabei verbrachten wir die erweiterten Pfingsttage gemeinsam in All-Inclusive-Hotels in der Türkei oder Griechenland. Ganz entspannt. Eine Institution, die ich wirklich vermisse.

Doch dieses Jahr ist alles anders. Die Herrentour+ fällt wie 2020 ins Wasser. Und so sitze ich heute am Schreibtisch und lerne für eine SAFe-Zertifizierung. SAFe ist ein Rahmenwerk für agile Projekte in großen Konzernen und entsprechend komplex – ich komme mir vor, als würde ich für mein Abitur lernen. Teil des umfangreichen Vorbereitungsmaterials ist ein YouTube-Video, das sehr eindrücklich den Unterschied zwischen „Wissen“ und „Verstehen“ darstellt: der Autor, Destin, unternahm das Experiment, die Lenkung eines Fahrrades zu vertauschen – lenkt man also nach links, fährt es nach rechts. Und umgekehrt. Was das mit ihm gemacht hat und wie sich seine Lerngeschichte im Vergleich zu seinem Sohn verhält, hat mich tief bewegt. Es kostete ihn 8 Monate (den Sohn 2 Wochen), bis sein Hirn den Schalter umgelegt hatte, um alte Gewohnheiten abzulegen und das Fahrrad halbwegs flüssig fahren zu können. Und um anschließend wieder auf ein normales Fahrrad umzusteigen, brauchte es doch noch ca. 20 Minuten – und es war, als mache es „Klick“ im Hirn. Ganz plötzlich und unerwartet.

Das hat mir eines gezeigt:

Ich habe 40 Jahre lang meine Stimme auf eine bestimmte Weise verwendet und tue es noch immer in vielen Situationen. Das Gehirn nutzt dabei immer die gleichen, gewohnten Nervenbahnen. Dies umzulernen ist wahnsinnig mühsam und wie Destin falle ich dabei immer wieder hilflos auf die Nase. Doch hat mir dieses Experiment am Ende Hoffnung gemacht und mir Vertrauen in meine Lernfähigkeit zurück gegeben, das Ziel einer femininen Stimme eines Tages zu erreichen und irgendwann so sicher damit durch den Alltag gehen zu können, wie Destin auf seinem besonderen Fahrrad.

 

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