Detransition und der Umgang mit Selbstzweifeln

Radio Studio
*** Content-Warning: anspruchsvolle Thematik *** 😛
Detransition – ein Thema, das meiner Wahrnehmung nach gerade in der Trans*Community kritisch beäugt wird. Deutschlandfunk Kultur hat dazu einen interessanten Beitrag – vor allem über die prekäre Gesundheitsversorgung in diesem Bereich und die Auswirkungen einer übereilten Transition mit medizinischen Maßnahmen.

Die im Beitrag geschilderten Missstände im Gesundheitswesen musste ich dank einiger glücklicher Fügungen nicht erleiden und bin von Herzen dankbar für einen super gut vernetzten Psychotherapeuten mit langjähriger Expertise in diesem Bereich – ein absoluter Lottogewinn.
Doch dazu gibt es noch so viel mehr zu sagen. Bei Gesprächen mit anderen Betroffenen fiel mir auf, dass oft die Sorge davor herrscht – es gar ein Tabu ist – die eigene Angst vor Fehlentscheidungen und Zweifel an diesem einschneidenden Schritt zuzugeben. Man könnte ja als „nicht trans genug“ gelabelt werden. Dahinter steht meiner Auffassung nach eine tief verwurzelte Angst, die notwendige Hilfe verwehrt zu bekommen, im bisherigen Körper weiterleben zu müssen und nicht als der Mensch gesehen zu werden, der man ist. Dabei habe ich mittlerweile den Eindruck gewonnen, dass es den meisten Trans*Personen auf ihrem Weg mal so geht, egal wie entschlossen sie nach außen wirken mögen. Und kann man es uns verdenken? Eine Transition ist aus vielerlei Gründen alles andere als ein Sonntagsspaziergang und es wäre töricht, lediglich einem vermeintlichen Hype zu folgen.
Ich denke, der einzige Weg, mit diesen inneren Auseinandersetzungen ins Reine zu kommen ist, diese Gefühle vorurteilsfrei zuzulassen, immer wieder darüber zu sprechen und im vollen Bewusstsein darüber die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Eine 100%ige Sicherheit gibt es nicht.
Nennt es meinetwegen ein weiteres kleines Coming Out: ja, ich habe manchmal Zweifel an meiner Transition. Alles läuft so vergleichsweise glatt, dass ich dann fürchte, ich würde etwas übersehen. Ich bin es nicht gewohnt, Dinge mühelos in den Schoß gelegt zu bekommen, das verunsichert mich manchmal. Diese Zweifel werden zwar weniger, aber sie sind nun mal da.
Genau dann braucht es eines ganz besonders:
Gelassenheit. Und einen besonnenen inneren Beobachter, der die Gesamtlage im Blick behält.
In meinem Fall darf ich glücklicherweise feststellen: mein innerer Beobachter hebt trotz vereinzelter Zweifel immer wieder den Daumen, stupst mich sanft nach vorne und flüstert mir dann leise ins Ohr:
„Du bist auf dem richtigen Weg, Süße!“
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