Portait Julia Anfang Dezember 2020

Um es vorweg zu schicken: in den letzten Tagen geht es mir richtig gut. Das Sahnehäubchen war heute ein weiteres „erstes Mal“.

Und dieses weitere „erste Mal“ passierte unmittelbar nach meiner heutigen Therapiesitzung, in der ich ganz nebenbei bemerkt mein lang ersehntes Schreiben für die Beantragung meiner Echthaarperücke erhielt. Ich stiefelte also zurück zu meinem Auto und wollte gerade den Kassenautomaten bemühen, als mich der freundliche ältere Herr, der oft an der Kasse sitzt, zu sich rief: „Junge Frau! Sie können auch gerne zu mir bezahlen kommen, dafür bin ich ja hier.“ 🙂

Das machte ich natürlich gerne. Zum einen, da ich den Herrn irgendwie mag. Er ist immer freundlich und hat meist einen lockeren Spruch auf den Lippen. Besonders freute mich aber das „Junge Frau“! Zum ersten Mal wurde ich so gerufen und es verleiht mir noch immer Glücksgefühle und ein Kribbeln im Bauch. 🙂 Ob der Herr wohl weiß, welche Freude er mir damit gemacht hat?

Auch ansonsten geht es mir recht gut im Augenblick. Die Hormone verzichten zum Glück gerade darauf, mir Stimmungstiefs zu bescheren, ich hatte ein wunderbares Wochenende mit meinen Kindern und dann und wann bekomme ich Komplimente von verschiedenen Seiten. Mein Therapeut attestierte mir heute wieder ein gutes Passing und sogar meine ältere Tochter machte mir eine Art Kompliment. Naja, jedenfalls habe ich es mal als solches verstanden: sie sah das Foto einer anderen Transfrau, deren Gesicht schon noch recht deutlich erahnen ließ, dass dort mal ein biologischer Mann unterwegs war. Nachdem ich meiner Tochter erklärt hatte, dass dies auch eine Transfrau sei sagte sie, ehrlich wie Kinder nun mal sind: „Die sieht aber komisch aus. Ich finde, du siehst viel besser aus!“ Oha…da musste ich erstmal lachen.

Für mich freut mich das natürlich, aber ich hoffe, der guten Frau haben nicht die Ohren geklingelt. 😀 Denn Transpersonen ein absichtlich oder aus Unwissenheit ein schlechtes Passing zu bescheinigen („Hallo, junger Mann!“ – AUTSCH!), ist vor allem während der Transition ein echter Schlag in die Magengrube und kann uns in eine ziemliche Krise stürzen.

Daher sei an dieser Stelle gesagt: wenn euch positive Entwicklungen an uns auffallen, dürft ihr uns ruhig bisweilen Komplimente machen. Wir wollen natürlich nicht belogen werden, aber positives Feedback tut vor allem während der Transition wirklich gut. Aber ich denke, das gilt auch für euch Cis-Menschen da draußen.

Komplimente sind einfach grundsätzlich schön und bringen Freude in die Welt. 🙂

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