FAQ: Wie und wann hast du gemerkt, dass du “trans” bist?

Diese oder vergleichbare Fragen bekomme ich recht häufig gestellt, denn ich kann mir vorstellen, dass es für Cis-Personen schwer bis gar nicht nachvollziehbar (im Sinne von “Fühlen”) ist wie es sich anfühlt, “trans” zu sein. Umgekehrt kann ich mir jedoch auch nicht vorstellen wie es ist, sich in seinem Körper “richtig” zu fühlen und seine Geschlechtsidentität nicht zu hinterfragen, denn dieses Gefühl von Sicherheit habe ich nie erlebt und ist mir nicht bekannt. 

Doch zur eigentlichen Frage: 

Gemerkt, dass etwas an mir “anders” ist als bei anderen Menschen habe ich schon recht früh. Meine erste Erinnerung ordne ich etwa bei 4 – 5 Jahren ein. Damals trug ich einen Mädchenbody und fühlte mich daran sehr wohl und richtig. Tags drauf wollte ich ihn wieder anziehen, allerdings war er verschwunden und ich erinnere noch heute meine Enttäuschung darüber. 

Situationen, in denen ich mir wünschte ein Mädchen / eine Frau zu sein, gab es in meinem Leben wie Sand am Meer. Mal eher subtil in Form eines kurzen Gedankens beim Anziehen, mal deutlich ausgeprägter wie etwa im Alter von 9 oder 10, wo ich mit dem Gedanken spielte, mir die Genitalien abzuschneiden. Zum Glück für meine körperliche Unversehrtheit hatte ich zu viel Angst vor den Schmerzen und den Konsequenzen. 

Über das rein körperliche hinaus gingen meine Interessen. Die stereotyp Jungen zugeschriebene Körperlichkeit, das Raufen, Rennen, Kräftemessen war nie meins. Ich habe es tief in mir abgelehnt und kann auch heute noch mit dem (wiederum stereotypen) “Ich bin das Alpha-Tier”-Gehabe überhaupt nichts anfangen. Es widert mich geradezu an. Da ich aber nun mal rein äußerlich ein Junge war, wurde ich anhand dieser Maßstäbe gemessen und entsprechend von einigen Jungen jahrelang auf’s Heftigste gemobbt, was bis heute Spuren in meinem Selbstbewusstsein hinterlassen hat. Denn es untermauerte meine Selbsteinschätzung: irgend etwas stimmt mit dir nicht, du bist nicht richtig, so wie du bist.

Aus heutiger Sicht ergibt da alles einen Sinn und ich habe begonnen, damit meinen Frieden zu machen. 

Doch hierfür war es notwendig, zunächst einmal mich selbst zu erkennen. Das geschah im Juni 2020. Ich war gut 2 Wochen wegen akuter Stressbelastung im Job krankgeschrieben und kam nach stressigen Monaten in meinen Projekten erstmals wieder etwas zur Ruhe und Besinnung. 
Die Monate zuvor hatten sich meine Trans-Tendenzen verstärkt, was sich im vermehrten Tragen von Frauenunterwäsche und Strumpfhosen äußerte. Jedoch stets mit viel Scham über mich selbst verbunden. Auch einige Schwierigkeiten in meiner letzten Beziehung sprechen aus heutiger Sicht eine deutliche Sprache – das Einnehmen einer männlichen Rolle überforderte mich massiv und löste depressive Schübe aus. Damals konnte ich das aber noch nicht einordnen.
Während meiner Krankschreibung gab es dann einen Moment, in dem ein Anfangsverdacht in mir entstand – ich kann ihn nicht mehr rekonstruieren und genau benennen. Doch ab diesem Zeitpunkt begann ich im Internet zu recherchieren, die Begrifflichkeiten zu lernen und mit mir selbst abzugleichen. 

Zunächst dachte ich, ich würde mich im nicht-binären Spektrum bewegen, also irgendwo zwischen den Geschlechtern. Nach etwas 2 Wochen war mir aber klar: nope, meine Liebe, das ist es nicht. Du bist transident. Punkt. 

Ab diesem Zeitpunkt ging dann alles sehr schnell. Erste Outings, Beratungsgespräche, Therapie…den genauen Verlauf schildere ich in meinem Blog

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