Die Hürden des Dating – oder: „Aussortieren. Die notwendige Kernkompetenz der Frau.“

Sortierung

Je länger ich mich mit dem Thema Dating auseinandersetze, umso mehr lerne ich über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Und ich bin dabei gezwungen, ganz neue Fähigkeiten zu trainieren, um mich selbst zu schützen.

Ich vereinfache jetzt stark, dennoch halte ich den Kern dessen für wahr:

Die Dating-Welt da draußen gleicht einem Dschungel voller Raubtiere. Männchen streben nach der Verbreitung ihres Erbgutes und die Weibchen verbringen viel Zeit damit, unpassende Exemplare in die Wüste zu schicken, bis sie den passenden Partner gefunden haben. Dabei werden sie von testosteronschwangeren Horden regelrecht bedrängt, manchmal mit Stil, meistens aber auf plumpe und abstoßende Art und Weise.

Spannender Weise ist dieses Sozialverhalten wissenschaftlich erklärbar. An dieser Stelle verwies ich schon mehrfach auf das Buch „Female Choice„, das sehr viel Licht in dieses Dunkel bringt und mich viele Aspekte in Bezug auf den Umgang der Geschlechter untereinander hat neu betrachten und bewerten lassen. Meinem Schreibstil oben könnt ihr schon entnehmen: die meisten Männer kommen dabei nicht besonders gut weg, können aber auch am Ende nichts dafür. Besser macht das die Situation aber auch nicht wirklich.

Seit meinem letzten Bericht über Dates und meine Erfahrungen mit der Männerwelt sind schon wieder einige Wochen vergangen. Doch leider haben sich die oben beschriebenen Muster wieder und wieder bestätigt, so dass ich heute feststellen muss: 99% der männlichen Anfragen sind Sondermüll. Die Gründe sind dabei vielschichtig. Die Wenigsten sind in der Lage, zwei Sätze geradeaus zu schreiben oder sich halbwegs gewählt auszudrücken. Damit wird eine kultivierte Ausdrucksweise zum unbedingten Qualitätskriterium!
Kontaktversuche im Format eine schlichten „Hi“ sind in der Überzahl. Dicht gefolgt von: „Hallo schöne Frau, dein Profil hat mir gut gefallen.“ Oder Ähnlichem.

Es ist ein Drama!

Lässt man diesen Anfragen spaßeshalber mal ihren Lauf, entpuppen sich im Grunde ausnahmelos alle davon als „Wie krieg ich dich am schnellsten ins Bett“-Imponiergehabe. „Männer erzählen dir einfach alles, was du hören willst. Nur um dich ins Bett zu kriegen.“ Dieser früheren Aussage einer Freundin muss ich leider von Tag zu Tag mehr zustimmen. Die Frau als Mensch – also ich selbst in diesem Fall – spielt offenkundig überhaupt keine Rolle. Oder verkommt zum Mittel zum Zweck.

Es ist wirklich ein Drama!

Sortier‘ dir deinen Traummann!

Eine Bekannte formulierte es in einem Gespräch in den vergangenen Tagen sehr treffend: „Als Frau musst du lernen auszusortieren.“ Sie habe mittlerweile ein Gespür dafür entwickelt, welche Männer ein ernsthaftes Interesse an ihr als Mensch hätten und welche nicht. Da tue ich mich offen gestanden noch etwas schwer, bin aber eifrig dabei, meine Sortierfähigkeiten auszubauen.

Ein sehr praktisches Anwendungsszenario könnte sich dafür eventuell schon Ende nächster Woche in Form meines allerersten Dates mit einem Mann ergeben. Die Story geht wie folgt (und ja…sie erweckt definitiv Zweifel):

Seit Monaten schon folgt mir der Herr – nennen wir ihn Mister X – bei Instagram. Er reagierte dann und wann auf meine Beiträge und schrieb nette und unaufdringliche Kommentare. Alles easy.
Diese Woche änderte sich etwas an seinem Kommunikationsverhalten: es wurde intensiver. Ein kleines – englischsprachiges – Gespräch entwickelte sich. Aus Magdeburg käme er. Auf einem Foto sah er recht sympathisch aus – so es denn wirklich seins war. Der rein hypothetisch formulierte Scherz, man könne ja gemeinsam einen Kaffee in Düsseldorf trinken gehen, wurde erstaunlich schnell zu einer ernsthaften Option. Und natürlich hatte (und habe) ich Zweifel! Warum bitte sollte ein Mann, der mich nur von Insta und YouTube kennt, quer durch die Republik gondeln, um mit mir einen Kaffee zu trinken?! Wer oben aufmerksam gelesen hat, dürfte sich die Frage schnell beantworten können.

Mona Lisa

Natürlich stellte ich diese etwas provokante Frage. Er sei schließlich auch für die Mona Lisa so weit gereist, bekam ich als Antwort. Charmant, aber dennoch klar ausweichend. Ihr ahnt es.

Er schlug ein Telefonat vor. Ich blockte ab. Ich fühlte mich dabei nicht wohl. Er fragte erneut, ich blockte erneut und machte deutlich, dass das echt aufdringlich sei. Er verstand scheinbar und zog sich zurück. Immerhin ließ er mir dann meinen Freiraum. Ich schlief darüber und sprach mit Freundinnen dazu. Mich irritierte, dass sie durch die Bank meinten, ich solle es ausprobieren. Jedoch sollte ich auch darauf Acht geben, ich nicht von falsch verstandenen moralischen Verpflichtungen zu etwas hinreißen zu lassen, was ich nicht wolle. Gemeinsamer Kaffee in der Öffentlichkeit: fein. Spaziergang in der Öffentlichkeit: fein. Bei Sympathie ein gemeinsames Abendessen: auch fein. Fertig. Ende der Fahnenstange. Hier ist meine Grenze.

Ich war immer noch skeptisch und war im Begriff, ihm eine endgültige Abfuhr zu erteilen. Etwas reizte mich aber dennoch an der Idee. Etwas war aber übermächtig in mir. „Kann es sein, dass du Angst vor einem Date hast?„, fragte mich heute eine Freundin etwas provokant. „Irgendwann musst du da wohl mal durch und Erfahrungen sammeln.“ Das ließ mich nachdenken und in mich hinein horchen. Ja, ich hatte Angst davor. Und habe sie immer noch. Immerhin wäre das wie gesagt mein erstes Date mit einem Mann. „Ja, aber warum sollte er aus Magdeburg hier her kommen?„, beharrte ich auf der offenkundigen Absurdität seines Plans. Doch dann beschrieb mir meine Freundin ihre eigene Erfahrung mit ihrem aktuellen Partner. Der hatte das gleiche getan. Sie hatten einen netten Tag zusammen und dann war er ohne irgendwelche sexuellen Anspielungen wieder heim gefahren. Es gibt also offenbar doch ein paar anständige Männer, also vielleicht tue ich meinem Magdeburger damit Unrecht?!

Raus aus dem Schneckenhaus

Eine gewisse Angst bleibt aber dennoch. Wie oft hört man von körperlichen Übergriffen gegenüber Frauen?

Mir fällt es wahnsinnig schwer, Mister X richtig einzuschätzen. Vielleicht ist er ein netter Kerl, der einfach nur zu viel Geld und Zeit hat und gleichzeitig ernsthaftes Interesse an mir. Soll ja vorkommen. Vielleicht aber auch nicht. Entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu meinem Schutz würde ich jedenfalls treffen…

Doch ich habe heute Abend einen Entschluss gefasst: ich muss aus meinem Schneckenhaus raus und Erfahrungen sammeln. In den vergangenen 2 Jahren bin ich so oft aus meiner Komfortzone getreten, da sollte ein Date nun keine ernsthafte Herausforderung mehr sein. Also gedenke ich den Versuch zu unternehmen. Mit klaren Grenzen. Kaffee. Spaziergang. Und vielleicht ein Abendessen, wenn es gut läuft. Fertig. Diesen Pfahl habe ich verbal heute Abend eingeschlagen. Ob Mister X nun seine großen Worte auch Wirklichkeit werden lässt, steht noch auf einem anderen Blatt.

Was mich an all dem etwas traurig macht ist, dass meine Einstellung gegenüber Männern in den vergangenen Monaten durch verschiedene Erfahrungen so sehr gelitten hat und es mir zunehmend schwer fällt, Vertrauen zu fassen. Denn die Biologie ist nun einmal die Biologie. Und die steht – so banal das klingen mag – in den meisten Fällen auf Fortpflanzung und Triebbefriedigung. Ausnahmen bestätigen zum Glück die Regel.

Ob Mister X so eine Ausnahme ist, muss ich wohl selbst herausfinden…

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